31.01.2018

PEKiP-Gruppe für Babys als Ort der Kirchenentwicklung

Mit einem Kaffee fing’s an

Für Marlene Wynands-Schüller ist PEKiP ein „Ort im Prozess der Kirchenentwicklung“ – weil Familien in Kontakt bleiben. Wie die Eltern, die sich vor 18 Jahren mit ihren Babys wöchentlich in Wiesbaden getroffen haben. Von Christa Kaddar.

Die Babys von damals sind volljährig, die Familien immer noch befreundet. Vorn links Marlene Wynands-Schüller, rechts Daniela Rudnik | Foto: Christa Kaddar
Die Babys von damals sind volljährig, die Familien immer noch befreundet.
Vorn links Marlene Wynands-Schüller, rechts Daniela Rudnik.
Foto: Christa Kaddar

„Es ist etwas Besonderes, wenn eine Gruppe nach dem Ende eines Kurses über so lange Zeit verbunden bleibt“, sagt die Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte Wiesbaden. Als einer der Väter, Holger Schäddel, bei ihr angefragt hat, ob die Gruppe sich 17 Jahre nach Ende des Kurses noch einmal im Roncalli-Haus treffen darf, hat Marlene Wynands-Schüller gerne „ja“ gesagt.

Immer wieder montags ...

Die Babys, die heute volljährig sind, waren ein Jahr alt, als die Gruppe auseinanderging – eigentlich. Doch bis heute pflegen sechs von acht Familien immer noch den Kontakt. „Es fing damit an, dass ich während einem der ersten Treffen fragte, wer mitkommen wolle, um einen Kaffee zu trinken. Und dann saßen wir jeden Montag nach dem PEKiP-Kurs in einem Café, stillten unsere Kinder und waren im Gespräch miteinander“, berichtet Petra Ebert (siehe „zur Sache“). „Als der Kurs zu Ende war, haben wir uns jeden Montag privat getroffen, bis die Kinder in weiterführende Schulen gingen.“

Danach wurden die zeitlichen Abstände zwischen den Treffen größer. Inzwischen findet man sich alle zwei Jahre zusammen. Doch die Verbindungen untereinander bestehen weiter, auch wenn nicht mehr alle in Wiesbaden wohnen. „Einige der Kinder sind eng befreundet“, erzählt Holger Schäddel. Auch einige der Familien pflegen neben den gemeinsamen Treffen engere Kontakte. So ist Schäddel der Taufpate von Petra Eberts Sohn Ben. Seine Familie ist mit zwei weiteren Elternpaaren und deren Kinder in Urlaub gefahren.

Er hat vor 18 Jahren mit seinem zweiten Kind, Töchterchen Henni, die PEKiP-Gruppe im Roncalli-Haus besucht. „Wir waren gerade neu nach Wiesbaden gezogen, und meine Frau motivierte mich, mit unserer Tochter in die Gruppe zu gehen.“ Karin Schäddel ist von PEKiP überzeugt, sie hat sogar selbst die Ausbildung zur Gruppenbegleiterin gemacht. „Das war für uns der beste Weg, mit anderen jungen Eltern in Wiesbaden in Kontakt zu kommen“, sagt sie.

Offen für alle Themen und Fragen

Für Holger Schäddel war es eine wichtige Erfahrung, durch die „Arbeit“ in der Gruppe die Persönlichkeit seines Kindes zu erkennen, seine Tochter mit anderen Babys in Kontakt zu bringen und selbst einen Austausch in der Gruppe zu haben – mit den anderen Eltern und mit PEKiP-Gruppenbegleiterin Daniela Rudnik. Unter ihrer Leitung durften alle Themen und Fragen offen angesprochen werden. Um zu demonstrieren, wie einzelne Übungen mit dem Baby durchzuführen sind, hat sie damals eine Puppe verwendet. Beim jetzigen Wiedersehen hat sie diese Puppe dabei, die bei der ganzen Gruppe freudige Erinnerungen weckt.

Holger Schäddel wohnt inzwischen mit seiner Frau und drei Kindern im Vogelsberg, wo er als Dekanatsjugendreferent des evangelischen Dekanats Alsfeld tätig ist. Er ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt der Gruppe. Bei ihm laufen die Fäden zusammen, er organisiert die Treffen.

Die Gruppe ist konfessionell und religiös bunt gemischt, denn die Angebote der Katholischen Familienbildung stehen allen offen. „Es kamen nicht nur katholische und evangelische Eltern zusammen, sondern auch muslimische und jüdische“, berichtet Schäddel. „In unserer kleinen Gruppe haben wir alle gut zusammengepasst.“

Marlene Wynands-Schüller, die seit acht Jahren die Katholische Familienbildungsstätte in Wiesbaden leitet, freut sich über die Kontakte, die nach wie vor untereinander bestehen. „Diese Intensität über viele Jahre ist selten geworden“, bedauert sie. „Doch im ersten Lebensjahr ihres Babys nehmen noch viele Eltern Angebote wie PEKiP wahr. Als katholische Einrichtung wollen wir diesen Raum bieten, wo Freud und Leid Platz haben“, betont sie. „Für mich ist das ein Ort im Prozess der Kirchenentwicklung, wo wir aus unserem christlichen Menschenbild heraus Gemeinschaft stiften können.“

 

Zur Sache: Was ist PEKiP?

Das Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP) basiert auf den Forschungen des Prager Psychologen Jaroslav Koch zur Begleitung von Kindern im ersten Lebensjahr und daraus entwickelten Bewegungs- und Spielanregungen. Neben anderen bietet die Katholische Familienbildungsstätte in Wiesbaden PEKiP-Gruppen an und führt sogar Wartelisten.
PEKiP erstreckt sich über das ganze erste Lebensjahr der Kinder; in den Gruppen kann Vertrautheit und Freundschaft entstehen. Auch behinderte Babys sind willkommen. Eltern stärken ihre Erziehungskompetenz und lernen, feinfühlig mit ihrem Baby und ihren eigenen Bedürfnissen umzugehen. Dabei unterstützt und begleitet die PEKiP-Gruppenbegleiterin die Eltern in ihrer Aufgabe als Erziehende. Die Gruppenstunden werden nach Absprache durch Gesprächsabende, Väter-Treffen oder ein Familienfrühstück ergänzt. (chk)
Informationen: Telefon 0611/1 74 - 1 17, www.fbs-wiesbaden.bistumlimburg.de

 

Meinung: Gemeinschaft stiften

Heike Kaiser Foto: Marie Eickhoff
Heike Kaiser,
Redakteurin

PEKiP ist zum Erfolgsmodell geworden. Ein Indiz dafür ist, dass wegen des großen Interesses inzwischen für die Anmeldung Wartelisten geführt werden. Ein weiterer Beleg mag sein, dass – wie im Artikel auf dieser Seite geschildert – daraus Freundschaften und Kontakte entstehen, die Jahrzehnte lang Bestand haben: „Damit stiften wir Gemeinschaft“, sagt Marlene Wynands-Schüller.
PEKiP ist aber auch deswegen so beliebt, weil der Kurs auf Neugeborene und deren Eltern ausgerichtet ist. Im ersten Lebensjahr ihres Kindes sind wahrscheinlich nicht beide Elternteile sofort wieder voll berufstätig und haben somit Zeit, zu lernen, feinfühlig mit ihrem Baby, aber auch ihren eigenen Bedürfnissen umzugehen.

Heike Kaiser