08.11.2017

„Das Versprechen gilt“

Jeder Kirchort aus dem ehemaligen pastoralen Raum Ruppach-Goldhausen hat seine Besonderheit. Von Maria Himmelfahrt in Boden ging die Initiative zu einer eigenen Dankprozession aus.

Von Anken Bohnhorst-Vollmer

Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Boden Foto: privat
Die Pfarrkirche der Pfarrei St. Maria Himmelfahrt in Boden
| Foto: privat

Pfarrer Josef Schüßler war ein stiller, zurückhaltender Mann, erzählt die Frau, die der Kirchengemeinde Maria Himmelfahrt schon sehr lange und innig verbunden ist, Gertrud Schmidt. Er sei „eher ängstlich“ gewesen, als er im Januar 1937 sein Amt in Boden antrat. Bis Februar 1949 wirkte er in der Westerwaldgemeinde, auch „in den dunklen Jahren des Nationalsozialismus“, sagt Schmidt. Immer häufiger erreichten damals die Nazi-Parolen auch ihre Gemeinde, und da habe Pfarrer Schüßler all seinen Mut zusammengenommen und 1939 einen „Gegenentwurf zu den Naziparolen“ in seiner Kirche platziert. „Christus siegt, Christus herrscht, Christus gebietet“, hatte er auf Lateinisch auf einen Bogen im Innenraum malen lassen. Das sei sehr mutig gewesen, findet Gertrud Schmidt. Tatsächlich hatte die Inschrift zwar keine Konsequenzen für den Geistlichen oder seine Gemeinde. „Aber das konnte man zu jener Zeit schließlich nicht wissen.“

Die Vorfahren brachten ein echtes Opfer

1939 war das Jahr der ersten Renovierung der Kirche, deren Bau 1914 begonnen worden war. Die Kirchengemeinde selbst ist freilich älter. Bereits am 1. März 1898 hatte „nach langwierigen Verhandlungen mit dem Bischöflichen Ordinariat in Limburg die Filialkirche Boden endlich ihre langersehnte Selbständigkeit erhalten und konnte mit Pfarrer Fenner von Fenneberg den ersten Pfarrer in Boden begrüßen“, heißt es in der Festschrift „1898 – 1998: 100 Jahre katholische Kirchengemeinde Maria Himmelfahrt Boden“.

Zwei Jahre dauerte die Bauzeit des im gotischen Stil errichteten Gotteshauses. Rund 50 Prozent der Baukosten waren durch Spenden und Schenkungen abgedeckt. „In Anbetracht der damaligen Zeit war es schon ein echtes Opfer, was unsere Vorfahren erbrachten“, teilt die Festschrift mit. Die erste Renovierung, der 1958 und 1973 sowie zu Beginn der 1980-er Jahre und noch einmal 1996 weitere Maßnahmen folgten, war indes nicht nur baulich notwendig, sondern verlieh mit der von Pfarrer Schüßler initiierten Inschrift der Gemeinde Kraft und auch ein Gefühl des Zusammenhalts, erzählt Schmidt. Deshalb habe man sich nach dem Krieg versprochen, an jedem ers- ten Sonntag nach Maria Geburt eine Prozession durchzuführen. „Daran hat sich bis heute nichts geändert“, betont sie. „Das Versprechen gilt“, auch wenn sich die Ausgestaltung verändert hat. Heute werde abgewechselt: In einem Jahr startet die Prozession nach der Morgenmesse, im darauffolgenden als Lichterprozession am Abend.

Immer dabei ist die weit über die Grenzen der Ortsgemeinde hinaus bekannte Big Band Boden, die die Prozession mit Kirchenliedern musikalisch begleitet – „seit sie mit Blasinstrumenten mit Ventilen spielt“. Mit Fanfaren sei die Intonation von Marienliedern schwierig.

Dankprozession gehört zum Gemeindeleben

Allerdings sind heute nicht mehr so viele Gläubige unterwegs wie damals, räumt Schmidt ein. Das liege aber nicht an der Kirchengemeinde, sondern sei eine „allgemein verbreitete Entwicklung“. Dennoch sei sie stolz, dass die Prozession zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens geworden sei, so wie Pfarrer Klaus Schmidt, der selbst aus Boden stammt und bis zu seiner Pensionierung in Idstein wirkte, beim Jubiläumsgottesdienst gesagt hatte. Dem ängstlichen Pfarrer Schüßler hätte das vermutlich gefallen.

 

ZUR SACHE

Umfangreiche Sanierung

Die Bauarbeiten am Dach der Pfarrkirche begannen im Frühjahr. Das Dach wurde vollständig mit Schiefer bedeckt, Dachschalung und Dachrinnen wurden erneuert. Auch die Gauben wurden überarbeitet und ebenso wie das Hochgesims gestrichen. Am Dachstuhl waren Reparaturarbeiten nötig, im Dachraum wurden Laufstege installiert. Zudem ist der Blitzschutz erneuert worden. Die Kosten für die Sanierungsarbeiten von Maria Himmelfahrt in Boden belaufen sich auf 350 000 Euro, teilt das Bistum Limburg mit. (abv)