15.03.2017

In Fulda tagt ein Zukunftskonvent

Aufbrechen und ausprobieren

„Gemeinsam Kirche sein.“ Wie geht das in der heutigen Situation unter veränderten Gegebenheiten? Eine mögliche Antwort beim zweiten Zukunftskonvent lautet: eine Beauftragung Ehrenamtlicher für bestimmte Dienste. Von Hans-Joachim Stoehr.

Austausch über die Zukunft des Bistums im Foyer des Marianums. | Foto: H.-J. Stoehr
Austausch über die Zukunft des Bistums Fulda im Foyer des Marianums.
Foto: H.-J. Stoehr

„Jesus sendet 72 Männer und Frauen aus. Das heißt, nicht nur den kleinen Kreis der zwölf Apos-tel. Das bedeutet für heute: ,Wir alle sind gerufen durch die Taufe. Jesus sendet jeden von uns.‘ “ Davon ist Pfarrer Thomas Renze überzeugt. Für den Leiter des Seelsorgeamts ergibt sich daraus die Frage, welche Beauftragung jeder Christ durch die Taufe bereits erhalten hat. Und daraus wiederum folgt die Überlegung, welche Beauftragung für einen bestimmten Dienst sinnvoll ist.

Für Marcus Henning, Referent für die hauptberuflichen Laien im pastoralen Dienst, hat jeder Christ Talente (Charismen), die er in die Kirche mit einbringen kann. Dies hat Konsequenzen – für die Rolle von Haupt- und Ehrenamtlichen.

„Ich hatte vor der Zusammenlegung der bisher vier zu einer Pfarrei keine Angst und ich habe sie danach auch nicht.“ Andreas Pörtner ist Sprecher des Pfarrgemeinderats der Anfang 2016 neu gegründeten Pfarrer St. Kilian Kalbach. Er stellt die Frage: „Was haben wir denn durch die Zusammenlegung verloren? Seine Antwort: „Die Gemeinschaft hatten wir schon – nicht zuletzt in der Eucharistiefeier. Die Kirchengebäude und das Geld sind doch nicht das Entscheidende!“

Nicht nur Katholiken aus dem Bistum Fulda beteiligen sich am Zukunftskonvent. Gäste aus den Bistümern Aachen, Hildesheim und Limburg eröffnen einen Blick über den Tellerrand. Peter Abel (Hildesheim) nennt das Beispiel einer Gemeinde auf einer Fläche von 40 mal 50 Quadratkilometern. Dort gibt es viele so genannte Kirchorte: „Das kann auch ein Kindergarten oder eine Schule sein. Seelsorge dort geht nur durch die gemeinsame Verantwortung aller.“

Dieser Veränderungsprozess in der Kirche ist langwierig. „Denn er basiert auf der Einsicht aller Beteiligten“, erklärt Chris-tian Hennecke (Hildesheim). Solche Prozesse dauerten mindestens zehn bis 15 Jahre. „Man bekommt ja nicht alle auf einen Schlag auf einen Weg.“ Hennecke: „Allein durch Dokumente geht das nicht.“

„Anfangen – auch ohne endgültiges Ziel vor Augen“

Von einer besonderen Gemeindeneugründung berichtet Ursula Hahmann von „Zeitfenster“ in Aachen. Wir haben uns genau überlegt, wie wir vorgehen wollen – auch methodisch. Es reicht nicht, Kirchenfernen zu sagen: ,Wir machen da was Neues.’“ Neue Wege beschreitet auch Pfarrer Andreas Unfried aus Oberursel. Er hat erfahren: „Wichtig ist, loszugehen, anzufangen – auch wenn wir noch nicht genau wissen, wohin der Weg führt. Und wenn wir hinfallen, dann heißt es Aufstehen und den nächsten Schritt machen.“

 

Meinung: Aktiv – aber mit Grenzen

Hans-Joachim Stoehr
Foto: Marie Eickhoff

Von Hans-Joachim Stoehr

Weniger ist manchmal mehr. Das gilt auch in Pfarreien. Klar: Jeder darf und soll seine Talente mit einbringen. Aber er darf auch Grenzen ziehen. Das gilt für Haupt- und Ehrenamtliche gleichermaßen. Und das ist auch bei einer Beauftragung von Ehrenamtlichen zu bedenken. Auch sie dürfen nicht mit Aufgaben überladen werden. Ja, wir alle sollen die Zukunft der Kirche gestalten. Aber bei unserem Tun dürfen wir den Heiligen Geist nicht vergessen. Der ist auch noch da!