02.11.2017

Beuroner Benediktinerkongregation trifft sich im Kloster Engelthal

Aufbruch auf benediktinisch

Die Zeiten werden schwieriger – auch für Ordensleute. Bei der Versammlung der Beuroner Benediktinerkongregation im Kloster Engelthal bei Altenstadt freuen sich Mönche und Nonnen jedoch über die Früchte eines langen Prozesses. Von Anja Weiffen.

Geschwisterlich im Gespräch: Benediktinerinnen und Benediktiner im Kloster Engelthal. | Foto: Kloster Engelthal
Geschwisterlich im Gespräch: Benediktinerinnen und Benediktiner im
Kloster Engelthal. Foto: Kloster Engelthal

Von einer herzlichen Atmosphäre berichtet Albert Schmidt, Abtpräses der Beuroner Benediktinerkongregation. „Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Generalkapitels kennen einander bereits“, sagt er. „Im Lauf der Jahre ist hier viel gewachsen.“

„Weltweit eine Seltenheit“

Beim „Generalkapitel“ treffen sich die Leitungsverantwortlichen der Klöster, zusammen mit Delegierten der 17 Gemeinschaften, die zur Beuroner Benediktinerkongregation gehören. Seit 2008 tagt dieses Gremium nicht mehr alle sechs, sondern alle drei Jahre – abwechselnd in der Erzabtei Beuron und in einem anderen Männer- oder Frauenkloster. Erstmals war ein Frauenkloster Tagungsort: die Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal bei Altenstadt.

„Mönche und Nonnen sind in unserer Kongregation geschwisterlich verbunden und arbeiten eng zusammen“, sagt der Abtpräses über dieses Novum. Für Schwester Elisabeth Kralemann, Äbtissin der Abtei Kloster Engelthal, ist dies eine folgerichtige Fortsetzung der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. „Eine ,gemischte‘ Kongregation aus Männer- und Frauenklöstern, die autonom sind, aber eng zusammenarbeiten, ist weltweit eine Seltenheit“, weiß sie.

Ursprünglich bestand die Beuroner Kongregation aus Männerklöstern, bald wurden aber auch Frauenklöster in den Verband aufgenommen, erklärt die Äbtissin und betont: „Die zunehmende rechtliche Gleichstellung stellt eine interessante Entwicklung dar.“ 1974 nahmen die Frauen erstmals als „Beobachterinnen“ am Generalkapitel teil. 1976 waren sie als „Beraterinnen“ anwesend. 1995 erhielten sie das Recht, den Abtpräses und seinen Rat mitzuwählen; die beiden Frauen im Rat hatten jedoch nur beratende Funktion, waren aber nicht stimmberechtigt. 2002 erhielten die Frauen volles Stimmrecht auf dem Generalkapitel und im Rat des Präses. 2014 wurde es möglich, dass eine Frau in einem Männerkloster mit visitiert, sagt Äbtissin Elisabeth Kralemann. „Wir Frauen konnten uns auf diese schrittweise Entwicklung einlassen, weil wir die Unterstützung unserer Mitbrüder erfuhren. In all den Jahren sind Vertrauen und eine geschwisterliche Weggemeinschaft gewachsen. Wir lernen voneinander und ergänzen uns mit unseren unterschiedlichen Gaben.“

Aber nicht nur die Gleichstellung der Ordensleute bewegt die Mönche und Nonnen beim Treffen in Engelthal. Auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Orden beschäftigt die Teilnehmer des „Generalkapitels“. Abtpräses Albert Schmidt: „Auch bei uns werden die meisten Gemeinschaften kleiner und älter. Wir suchen – gemeinsam und jedes Kloster für sich – die Situation nüchtern zu erfassen und gläubig zu gestalten.“ Der heilige Benedikt fordere in seiner Regel die Mönche und Nonnen dazu auf, zu „hören, was der Geist den Gemeinden sagt“.

Bestehen für alle Zeit nicht garantiert

Zudem wurde bekannt, dass die Zisterzienserabtei Himmerod in der Eifel aufgelöst werden soll. „Die Auflösung der Abtei Himmerod geht uns nahe“, sagt Schmidt. „Wir wissen, wie schmerzlich ein solcher Einschnitt ist, denn wir haben in den vergangenen Jahren auch bei uns das Ende einer klösterlichen Gemeinschaft erlebt.“ Keinem Kloster sei ein Bestehen für alle Zeit garantiert. „Ich habe aber das Vertrauen, dass Gott das Geschenk des Mönchtums in der Kirche erhalten wird.“

 

Stichwort: Beuroner Kongregation

Im Mittelalter haben sich Klöster in Folge des Konzils von Trient zu Bündnissen zusammengeschlossen. Ziel war und ist es, die Zusammenarbeit der Klöster untereinander zu verbessern. Die einzelnen Klöster bleiben dabei selbstständig und sind föderalistisch organisiert.

Im deutschsprachigen Raum gibt es 15 solcher Kongregationen, darunter die Beuroner Benediktinerkongregation, ihr gehören 17 Gemeinschaften an – neun Männer- und acht Frauenklöster. Teil der Beuroner Kongregation sind in der Region die Benediktinerinnenabteien in Engelthal, Eibingen und Fulda.

www.benediktiner.de


Nachgefragt: Erstmals Treffen in einem Frauenkloster

Elisabeth Kralemann Foto: privatElisabeth Kralemann, Äbtissin der Benediktinerinnenabtei in Engelthal: Dass die Versammlung der Beuroner Kongregation in diesem Jahr erstmals in einem Frauenkloster – und gerade bei uns in Engelthal – zu Gast war, erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist für mich ein sichtbares Zeichen, dass die Bemühungen der letzten Jahre um Gemeinsamkeit und Wechselseitigkeit Frucht getragen haben.

 

 

 

Dorothea FlanderaDorothea Flandera, Äbtissin der Benediktinerinnenabtei in Eibingen: Für mich ist es das erste Generalkapitel. Schon seit meinem Eintritt in die Abtei St. Hildegard habe ich die Verbundenheit der Klöster in der Kongregation als sehr positiv erfahren. So empfinde ich es als aus der Geschichte der Kongregation „harmonische“ Konsequenz, dass ein Generalkapitel auch in einem der Frauenklöster stattfindet.

 

 

 

Benedikta KrantzBenedikta Krantz, Äbtissin der Benediktinerinnenabtei in Fulda: Es war sicher mehr als eine einfache Geste. Für mich kommt dadurch die Dimension einer wirklichen Geschwisterlichkeit, des gleichwertigen und partnerschaftlichen Umgangs von Schwestern und Brüdern und die Erfahrung von lebendiger und weiterführender Begegnung sowie gegenseitiger Anerkennung zum Ausdruck.