Schwester Beate will den Mut, radikal Gott zu vertrauen

Bei den "Profis" im Glauben (2)

Schwester Dr. Beate Glania ist Missionsärztliche Schwester und in ihrer Gemeinschaft verantwortlich für die Ordensausbildung. Zudem ist sie Geistliche Mentorin in Sankt Georgen in Frankfurt. Ruth Lehnen fragte sie: Fühlen Sie sich als "Profi im Glauben"?

Schwester Beate: Das Wort ‚Profi‘ kommt mir in Bezug auf meinen Glauben nicht in den Sinn. Natürlich habe ich schon viel über meinen Glauben und meine Sehnsucht nach Gott nachgedacht und gesprochen. Darüber hinaus habe ich mich für ein Leben in der Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern entschieden, das diesem für mich wichtigsten Aspekt in meinem Leben Raum gibt. Doch Gott wirklich zu vertrauen, bleibt mit und ohne Theologie, mit und ohne Orden, die Herausforderung im Glauben. Da bin ich immer wieder am Anfang.

Was müsste einen „Profi im Glauben“ auszeichnen?

Der Mut, radikal Gott zu vertrauen.

Pfarrer, Gemeindereferentin oder Pastoralreferent: Sind das „bezahlte Christen“?  Oder ist das völlig abwegig?

Ich werde bzw. meine Gemeinschaft wird für meinen Dienst als Pastoralreferentin, als Mentorin für Theologiestudierende bezahlt. Es ist die berufliche Tätigkeit, die bezahlt wird, nicht das Christentum. Die Beziehung zu Gott, zu Jesus, die uns als Christen ausmacht, ist nicht bezahlbar, sie ist aber die Hauptmotivation, einen pastoralen Beruf zu ergreifen. Für mich war und ist es motivierend, das, was mich selbst begeistert, die Gottsuche und die Nachfolge Jesu, mit zu meinem Beruf zu machen und andere dabei zu unterstützen.

Schwester Dr. Beate Glania möchte,
dass Menschen über ihren persönlichen
Glauben sprechen lernen. Foto: privat

 

Der Profi begegnet dem Amateur – dem normalen Gläubigen auf der Straße, in der Gemeinde. Was können die beiden voneinander lernen?

Wie Glauben konkret gelebt wird und welche Zweifel aufkommen; wie Erfahrungen mit Gott aussehen können; über Nicht-Erfahrungen sprechen; und sich so heilsam als suchende Menschen zu begegnen…

 

Wohin wendet sich der Profi, wenn die Zweifel kommen?

Wenn mir Fragen kommen in Bezug auf meine Gottesbeziehung, versuche ich Gott zu fragen, was er mit dieser oder jener Situation sagen will. Dazu hilft mir ein aufmerksamer Blick auf das, was in meinem Alltag geschieht – wie es der schöne Satz von Alfred Delp sagt: „Gott umarmt uns mit der Wirklichkeit.“ Und ich komme mit vertrauten Mitschwestern darüber ins Gespräch.

Beruflich für die Kirche arbeiten: An welche Grenzen kommt man da? Und was ist das Schöne daran?

Die Kirche ist so menschlich - mit allem Schönen und Schwierigen, was dazugehört. Das ist nicht immer leicht zu akzeptieren, besonders wenn das, was geschieht, dem Evangelium widerspricht. Gleichzeitig wüsste ich keinen besseren Ort als unsere katholische Kirche, meinen Glauben zu leben und andere darin zu bestärken. Dass ich das in Deutschland als Frau in der Kirche hauptamtlich und verantwortlich tun kann und andere dazu ermutige, empfinde ich als Geschenk.

In seinem neuen Schreiben sagt Papst Franziskus: „Heute kann man bei vielen in der Seelsorge Tätigen, einschließlich der gottgeweihten Personen, eine übertriebene Sorge um die persönlichen Räume der Selbständigkeit und Entspannung feststellen, die dazu führt, die eigenen Aufgaben wie ein bloßes Anhängsel des Lebens zu erleben, als gehörten sie nicht zur eigenen Identität.“ Stimmen Sie dieser Analyse zu, und wenn, was ist dagegen zu tun?

Wenn Seelsorger und Seelsorgerinnen eine lebendige Beziehung zu Gott haben und ihren Glauben mit anderen in vertrauten Beziehungen teilen können, sind sie weniger in Gefahr, sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Solche lebendigen Beziehungen im Glauben und aus dem Glauben laden ein, mit anderen zu teilen. Sie sind aufregend und drängen in die Tat. Echte Glaubensgespräche sind persönlich und motivierend. So wird der Alltag in der Seelsorge froh und nicht ‚grau‘; vielmehr strahlen wir Freude aus, die ansteckend ist. Es kostet Mut und ist gleichzeitig unabdingbar, über unseren persönlichen Glauben zu sprechen. Dies zu lernen muss meines Erachtens ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung zur Seelsorge sein.