22.11.2017

10 Jahre Arbeitskreis „Bewahrung der Schöpfung“ in Mainz

„Ein wunderbares Kleinod“

Schön ist die Erde. Vor allem vom All aus gesehen. „Wir müssen das Staunen wieder lernen, sagen Jürgen Nikolay und Johannes Brückner vom Arbeitskreis „Bewahrung der Schöpfung“ in Mainz. Nur so kommt der Umweltschutz voran. Von Anja Weiffen.

Sonnenuntergang über dem Pazifischen Ozean, aufgenommen von der Crew der Raumstation ISS | Foto: @ Image courtesy of the Earth Science and Remote Sensing Unit, NASA Johnson Space Center
Sonnenuntergang über dem Pazifischen Ozean, aufgenommen von der Crew der Raumstation ISS | Foto: @ Image courtesy of the Earth Science and Remote Sensing Unit, NASA Johnson Space Center

Der Blick zu den Sternen hat schon in biblischen Zeiten geholfen. Als Hiob Gott sein Leid vorwarf, sprach Gott: „Wo warst du denn, als ich die Erde gründete? Sag an, wenn du so große Einsicht hast! Wer setzte fest ihr Maß?“ und „Hast du denn Einsicht in den weiten Raum der Erde? Gestehe es, ob du sie ganz begreifst! Wo ist der Weg zum Aufenthalt des Lichtes, die Finsternis, wo hat sie ihren Platz?“ (Hiob, 38) Gott beantwortet zwar Hiobs Fragen nicht, aber sein Verweis auf die Weiten des Kosmos ändert Hiobs Perspektive.

Viele Leute „machen es sich bequem“

So eine frische Perspektive wünscht sich mancher heute beim Umweltschutz. Das Ringen um Maßnahmen zum Stopp der Erderwärmung ist zäh. Kyoto, das war vor 20 Jahren. Vergangene Woche ging die 23. Klimakonferenz in Bonn zu Ende. „Ein mühsames Ackern“, so empfindet Jürgen Nikolay die Entwicklung des Themas auch in seinem Umfeld. Seit zehn Jahren engagiert sich der Dekanatsreferent des Dekanats Mainz-Stadt im ökumenischen Arbeitskreis (AK) „Bewahrung der Schöpfung“. Seit zehn Jahren gibt es den Arbeitskreis im Dekanat. „Wir müssen wieder das Staunen über die Schöpfung lernen, um sie bewahren zu können. Auf den moralischen Zeigefinger reagieren viele Menschen sehr allergisch“, weiß er. Die Liste der Aktivitäten des AK ist lang, aber von Erfolg möchte Nikolay nicht sprechen. Dennoch: „Der Schöpfungsgottesdienst jedes Jahr Anfang September kommt gut an, der ist inzwischen etabliert.“

Viele Leute verdrängen oder leugnen das Problem des Umweltschutzes, „sie machen es sich bequem, um ihr Leben nicht ändern zu müssen“. Klar sieht der Pastoralreferent eines der Grundübel, das einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung schwer macht: Das Wirtschaftssystem stellt das Geld in der Vordergrund. „Obwohl es nur ein Tauschwert ist und immer einen Gegenwert braucht, hat es sich verselbstständigt.“

Die Gier nach unendlich viel Geld und Materiellem, das sei mit einem endlichen Planeten nicht vereinbar, davon ist auch Dr. Johannes Brückner überzeugt. Dabei sei die Grundlage der Welt gar nicht materiell. „Energie, Strukturen und Eigenschaften, das ist das Fundament des Universums Welt, nicht die Materie.“ Der pensionierte Physiker und Katholik aus Mainz-Ebersheim ist seit vier Jahren zusammen mit seiner Frau Marita im AK „Schöpfung“ aktiv. Der 68-Jährige hat früher am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie gearbeitet und war unter anderem an Mars-Missionen der NASA beteiligt. Dadurch hat sich bei ihm ein besonderes Bewusstsein für die Kostbarkeit unseres Planeten entwickelt.

Der Mars ist kein Ersatz für die Erde

„Wer denkt, dass wir auf dem Mars unterkommen könnten, wenn die Erde kaputt ist, den muss ich enttäuschen“, sagt Johannes Brückner halb scherzend, halb ernst. „Abgesehen von der Riesenentfernung, um überhaupt dorthin zu gelangen, ist die Atmosphäre des Mars sehr dünn. Wir müssten immer Raumanzüge während Spaziergängen tragen. Zudem fehlt dem Mars ein schützendes Magnetfeld, wie es die Erde hat. Die kosmische Strahlung würde unser Erbgut zerstören, deshalb müssten wir ,unterirdisch‘ leben. Dagegen ist die Erde ein wunderbares Kleinod.“

Johannes Brückner sieht die Menschheit erstmals an einem Punkt, an dem sie auf die Geschichte des Universums und des irdischen Lebens zurückblicken kann. „Wir sind in der Lage, einen ,roten Faden‘ in dieser Geschichte zu sehen. Wir befinden uns gerade in einem neuen Abschnitt der Evolution. Mit unserem Bewusstsein ist uns die Möglichkeit gegeben, erkennen zu können, was falsch läuft.“ Dieses Bewusstsein sei ein Auftrag, betont der Wissenschaftler. „Der Umgang mit der Erde sagt etwas über uns selbst aus. Wir müssen wieder lernen, achtsam zu leben, auch mit uns selbst.“

Interessierte am Arbeitskreis „Bewahrung der Schöpfung“ können sich wenden an: Jürgen Nikolay, Telefon 06131 / 25 36 01, E-Mail: dekanat.mainz@bistum-mainz.de

 

Zur Sache: Zehn Jahre Arbeitskreis

Auslöser war der Protest gegen das geplante Kohlekraftwerk in Mainz: Daraus entstand vor zehn Jahren der ökumenische Arbeitskreis „Bewahrung der Schöpfung“ des Dekanats Mainz-Stadt. Zehn Engagierte treffen sich seitdem regelmäßig und setzen sich für den Umweltschutz ein. Zum Zehnjährigen veranstaltet der Kreis Impulse unter dem Motto „Fairness für Mensch und Planet“.

Der nächste Impuls ist am 26. November um 17 Uhr in der Josefskapelle, Hintere Christofsgasse 4, in Mainz, mit Musik, Bildern und einer Lesung aus dem Buch „Eine Hand voll Sternenstaub“ von Lorenz Marti.
Weitere Impulse 2018: Am 18. März (Gottesdienst zur Papst-Enzyklika) und 10. Juni (Vortrag von Dr. Brückner zur Papst-Enzyklika). Mehr Infos gibt es hier.