29.11.2017

Bistumsprozess im Bistum Fulda

„Sie haben Ideen? Fangen Sie an!“

Eine szenische „Bushaltestelle“ mit den Bistumspatronen als Wartenden, oder vier „Zimmer der Veränderung“ errichtet mit Stellwänden. Sie gehören zum ersten von fünf Foren für hauptamtliche Mitarbeiter zum Bistumsprozess. Von Hans-Joachim Stoehr.

Szenisches Spiel an der Bushaltestelle: die Heiligen (von links) Edith Stein (Eva-Maria Baumgarten), Bonifatius (Peter Borta) und Elisabeth (Tanja Röbig).
Szenisches Spiel an der Bushaltestelle: die Heiligen (von links) Edith Stein
(Eva-Maria Baumgarten), Bonifatius (Peter Borta) und Elisabeth (Tanja Röbig).
Foto: Hans-Joachim Stoehr

„Von Ihnen hängt entscheidend ab, dass der Prozess gelingt“, betont Generalvikar Gerhard Stanke bei dem Treffen im Propsteihaus in Petersberg.

Bonifatius und Elisabeth zum Bistumsprozess

Was würden die beiden Bistumspatrone Bonifatius und Elisabeth zum gegenwärtigen Bistumsprozess sagen? Antworten dazu gab es bei einem szenischen Spiel an einer „Bushaltestelle“. Bonifatius: „Ich verstehe das alles nicht. Ich habe ja auch geplant. Aber ich habe mich vor allem gefragt, was die Menschen brauchen. Deshalb ging es mir vor allem um die Verkündigung der Frohen Botschaft. Aber hier höre ich immer nur von Strukturveränderungen.“ Und Elisabeth fragt: „Hat jemand von Jesus gesprochen, seiner Liebe zu den Menschen? Danach sehnen sich doch die Menschen, geliebt zu werden – von Gott, von den Anderen.“

Dem Eindruck, es gehe beim Bistumsprozess vorrangig um das Reduzieren der Pfarreienzahl auf 45, stellt Generalvikar Gerhard Stanke die geistliche Dimension entgegen, die Verkündigung der Frohen Botschaft. Was damit gemeint ist, erläutert Seelsorgeamtsleiter Ordinariatsrat Thomas Renze. Wenn nur 50 Prozent der Christen glauben, dass Christus auferstanden ist, und nur 40 Prozent, dass sie selber auferstehen werden, dann könne man als Kirche damit nicht zufrieden sein. „Seelsorge bedeutet da, zu überlegen, wie wir Menschen begreiflich machen können, dass wir die ,beste Botschaft‘ zu bieten haben.“

Das Logo des Bistumsprozesses
Das Logo des Bistumsprozesses

Angesichts der großen Unterschiede in der Seelsorge – katholisch geprägte Rhön und nordhessische Diaspora – kann da ein einziges Konzept für alle überhaupt funktionieren?, fragt eine Teilnehmerin. Dazu sagt Domkapitular Christof Steinert, die Strategischen Ziele sähen gerade vor, auf die jeweils örtliche Situation zu schauen. „Und wann können die Pfarreien starten“, will eine Teilnehmerin wissen. Generalvikar Stanke: „Wenn Sie Ideen haben, fangen Sie an. Feuer frei!“

Welche Phasen es in einem Veränderungsprozess gibt, erläuterte Domkapitular Steinert anhand eines Gangs durch vier „Zimmer der Veränderung“. Start war im „Zimmer der Zufriedenheit“. Die Haltung dazu sei: Es soll alles so bleiben, wie es ist. Zuviel Veränderung wird als „nicht gut“ angesehen. Der zweite Raum ist das „Zimmer der Verleugnung“. Kennzeichnend ist nach innen Unbehagen und nach außen „Trotz“.

Wendepunkt im „Zimmer des Chaos“

Im „Zimmer des Chaos und der Konfusion“ passiert Entscheidendes. Das Alte trägt nicht mehr, das Neue ist noch nicht in Sicht. Aber am Tiefpunkt angekommen, wächst die Bereitschaft zu Veränderung, wenn auch noch mit Angst und Unsicherheit. Im vierten Raum, dem „Zimmer der Erneuerung“, lichten sich dann die Wolken, die Selbstsicherheit kehrt zurück sowie der Drang, Dinge neu zu gestalten. Steinert: „Zu diesem vierten Raum gelangen wir nur, wenn wir die anderen Zimmer durchlaufen haben.“