14.03.2017

Tipps zur Erkommunionvorbereitung

„Wir müssen nach den Goldstücken suchen“

Nur Pfarrgemeinde ist zu wenig. Die Mithilfe der Familie ist gefragt, wenn es um die Vorbereitung zur
Erstkommunion geht. Der Mainzer Pastoraltheologe Hubertus Brantzen hat für Eltern ein Büchlein geschrieben: „Auf dem Weg zum großen Fest“. Hier erklärt er, was sie und die Katecheten für die Kinder tun können.

Erstkommunion-Kerzen Foto: fotolia
Glückliche Erfahrungen sind die Ausgangslage für das große Fest der
Erstkommunion, das nach Meinung von Hubertus Brantzen ruhig freudig
und üppig gefeiert werden darf. | Foto: fotolia/ bilderstoeckchen

Frage: Was ist für Sie eine gelungene Erstkommunionvorbereitung?

Hubertus Brantzen: Ich würde es als Erfolg zählen, wenn die Kinder die Erfahrung machen, dass Kirche toll ist, weil sie dort als Einzelner wertgeschätzt werden.  Ganz wichtig ist, dass sie ein Gefühl dafür bekommen, dass ihnen der Gott des Lebens im Alltag nahe ist und sie so etwas wie eine personale Gottesbeziehung entwickeln.  

Und das geht nur mit den Eltern?

In der Familie spielt sich das wirkliche Leben ab. Wenn Kinder nur in der Pfarrei von Gott hören, bleibt der Glaubensinhalt reine Theorie, ein Hobby, und hat nichts mit ihrem wirklichen Leben zu tun.

Wie gewinnt man als Katechet engagierte Eltern?

Lob ist die beste Motivation. Die Katecheten sollten wertschätzen, dass Eltern in ihrer Erziehung bewusst oder unbewusst die Grundlage geschaffen haben für die Erstkommunionvorbereitung. Wenn sie ihre Kinder trös-ten, geben sie ihnen ein Gefühl, eine Ahnung davon, wie sich der liebende Gott den Menschen zuwendet. Oder wenn sie mit ihren Kindern darüber reden, was die Geburt für ein großes Wunder war, so zeigen sie ihnen, dass es eine Wirklichkeit gibt, die größer ist als die sichtbare. Oder wenn die Familie zusammen zu Abend isst, ist das eine ähnliche Erfahrung wie die Eucharistie.
Darauf können wir eingehen und die Eltern ermutigen, den Weg mit den Kindern gemeinsam weiterzugehen. Hier gibt mein Buch einige Impulse.

Und wenn die Kinder keine solche Erfahrung gemacht haben und die gemeinsame Mahlzeit nicht üblich ist?

Hubert Brantzen Foto: privat
Hubertus Brantzen

Das gibt es kaum. Bei einem Geburtstag oder einer anderen Feier haben die Kinder sicher schon mal mit der Familie an einem Tisch gesessen. Solche Erfahrungen sollten die Katecheten den Familien bewusst machen und sie davon erzählen lassen.

Wenn sich die Familie vornimmt, die Erstkommunion zum Anlass zu nehmen, sich mehr mit religiösen Themen zu beschäftigen: Wie kommt man miteinander ins Gespräch?

Es ist sicher nicht schlecht, sich einen Abend frei zu halten, um einmal offen über die Frage nach Gott zu reden. Das ist allerdings nicht genug Zeit, damit die Kinder verstehen, dass der Glaube für das Leben der Familie eine wesentliche Bedeutung hat. Nur, was sich im Alltag regelmäßig abspielt, ist für sie prägend.

Dafür eignen sich religiöse Rituale. Ein Beispiel wäre, dass sich die Familie abends zusammensetzt und jeder erzählt, was er Schönes und Schwieriges erlebt hat. So fühlt sich jeder wahrgenommen und kann die Erlebnisse des Tages verarbeiten. Zum Abschluss machen alle ein Kreuzzeichen. Damit wird das alltägliche Leben im Glauben verankert.

Wenn die Eltern uneins sind in religiösen Fragen: Wie soll die Familie damit umgehen?

Das ist eine schwierige Situation. Für Kinder ist es irritierend, wenn die Eltern in entscheidenden Fragen des Lebens unterschiedliche Ansichten haben. Hierbei ist es wichtig, dass die Eheleute res-pektvoll mit der Überzeugung des anderen umgehen.

Wenn die Mutter zum Beispiel gerne in die Kirche geht und der Vater die ganze Zeit betont, wie unvernünftig er den Glauben findet, dann ist das für die Kinder sehr verwirrend. Sie haben dann das Gefühl, sie müssten sich für und gegen einen Elternteil entscheiden.

Irgendwann kommt die Frage, was Eucharistie überhaupt ist. Wie würden Sie es ihrem Kind erklären?
Ich würde es so versuchen: „Wenn du etwas, was zu deiner Mama gehört, in der Hand hast, zum Beispiel ihre Kette, die Augen schließt und ganz fest an sie denkst, dann ist es doch so, als wäre sie wirklich da. So ähnlich ist es bei der Eucharistie. Jesus hat uns versprochen: „Wenn ihr von diesem Brot esst, bin ich ganz nah bei euch.“

Vor der Erstkommunion steht die erste Beichte. Viele Eltern stehen der Beichte eher skeptisch gegenüber. Was raten Sie ihnen?

Meistens sind Befürchtungen, dass die Kinder bei der Beichte unter Druck gesetzt werden, völlig unbegründet.

Der Großteil der Seelsorger möchte mit den Kindern ein gutes Gespräch führen. Wenn die Mädchen und Jungen ihre Probleme vorbringen können und ihnen die Liebe Gottes zugesagt wird, dann ist es oft für sie eine entlastende Erfahrung.

„Egal, was passiert ist, mit Gott kann ich immer darüber reden und er hört mir zu.“ Diese Botschaft sollte bei den Kindern ankommen. Damit sind die Eltern bestimmt einverstanden.

Oft scheint ja der Festinhalt unter dem Geschenkeberg zu verschwinden. Wie kann man das verhindern?

Ich würde es erst gar nicht versuchen. Das sorgt nur für Unmut, denn für die Kinder sind sie nun mal wichtig. Eltern und Katecheten sollten eher Geschenke und Festinhalt miteinander verbinden. In der Vorbereitungsstunde könnten sie mit den Kindern über ihre Geschenke reden und ihnen erklären, dass sie so viele bekommen, weil es etwas Besonderes ist, zum Mahl der Eucharistie eingeladen zu werden. Wissen die Katecheten, dass einige Kinder ein neues Smartphone bekommen oder eins besitzen, könnten sie ihnen am Abend noch ein Gebet auf ihr Gerät schicken.

Sie haben vier Kinder und viele Jahre selber Erstkommuniongruppen geleitet. Was können Sie aus eigener Erfahrung raten?

Ich finde es wichtig, immer positiv zu denken. Es hilft nichts, darüber zu jammern, dass es in den Familien kaum noch religiöse Rituale und so wenig Wissen gibt. Stattdessen gilt es, die glücklichen Erfahrungen der Familie, die Sorge der Eltern um die Kinder und das, was an Glaubensinhalt noch präsent ist, hervorzuheben. Wir müssen nach den Goldstücken suchen.

Interview: Theresa Breinlich

Buch-Cover Auf dem Weg zum großen FestHubertus Brantzen: Auf dem Weg zum großen Fest. Hinführung zur Erstkommunion für Eltern; Herder, 48 Seiten, 4,99 Euro