16.08.2017

Zu Besuch bei Peter Kohlgraf in Mainz

Der Bischof wohnt „normal“

Drei Zimmer, Küche, Bad auf 100 Quadratmetern, unterm Dach eine schlichte Hauskapelle und Raum für Gäste. Von Prunk und Protz keine Spur in der Domstraße 12, wo der künftige Bischof Peter Kohlgraf jetzt eingezogen ist. Von Maria Weißenberger.

„Bischofssitz“: Auf dem Sofa im Wohnzimmer stellt sich der künftige Bischof freundlich und geduldig den Fragen und den Kameras der zahlreichen Journalisten. | Fotos: Maria Weißenberger
„Bischofssitz“: Auf dem Sofa im Wohnzimmer stellt sich der künftige Bischof freundlich und geduldig den Fragen und den Kameras der zahlreichen Journalisten. | Fotos: Maria Weißenberger

Der Flügel ist schon da. Und bereitwillig spielt Peter Kohlgraf den versammelten Journalisten ein Stück aus den „Kinderszenen“ von Robert Schumann vor – verbunden mit der Frage, wer das Stück erkennt. Einige bestehen den „Test“. Den Flügel, erzählt Kohlgraf, hat er sich in seiner Kaplanszeit Monat für Monat zusammengespart – und darauf ist er bis heute ein bisschen stolz.

Den Platz am Kachelofen gibt es hier nicht

Ein Lieblingsplatz in der neuen Wohnung? Der muss erst noch gefunden werden, sagt er auf die Frage einer Journalistin. In dem Haus im rheinhessischen Partenheim, wo er zuletzt wohnte, wäre es der Platz am Kachelofen gewesen, verrät er. Verwinkelt war es dort, aber auch gemütlicher – das wird wohl noch kommen, meint er. Noch ist nicht alles fertig: Von den Decken baumeln noch einfache Glühbirnen, Umzugskartons warten darauf, ausgepackt zu werden, Bilder müssen noch aufgehängt werden.

Ein paar Möbel fehlen noch – nicht alles, was in dem Partenheimer Haus stand, passt in die hohen Altbauräume in der Domstraße, denen die hellen Holztöne der Böden und Türen in Verbindung mit hellen Wandfarben ausgesprochen gut tun. Die Farben für seine Privaträume hat sich Professor Kohlgraf aus einer handelsüblichen Farbpalette selbst ausgesucht, informiert Diplom-Ingenieur Herbert Geib vom Dombauamt.

Die Wohnung Kohlgrafs liegt im zweiten Obergeschoss; im Dachgeschoss befinden sich zwei Gästezimmer und die kleine Privatkapelle mit einem einfachen Altartisch.

Auf zwei Etagen Büros und Besprechungsräume

Im Erdgeschoss und im ersten Stock sind die Büros für den Bischof und seine Mitarbeiterinnen, außerdem Besprechungsräume und eine Küche, die auch der Bewirtung von Gästen dient.

Die Privaträume stellt das Bistum dem Bischof als Dienstwohnung zur Verfügung; den ortsüblichen Mietwert muss er versteuern. Auch zahlt er die anfallenden Nebenkosten.

Das Haus mit einer Gesamtfläche von 380 Quadratmetern wurde von März bis Juli grundlegend saniert, wobei auch die veraltete Haustechnik erneuert wurde. Als der Dachstuhl im Sommer 2015 ausbrannte, verursachte auch das Löschwasser erhebliche Schäden. „Wir haben 700.000 Euro für die Sanierung veranschlagt“, erklärt Herbert Geib. Noch liegen nicht alle Rechnungen vor, aber er geht davon aus, dass der Kostenrahmen eingehalten wird. Etwa ein Viertel der Kosten übernimmt aufgrund des Brandschadens die Versicherung.

Vom Dorf in die Stadt – stimmt das Kohlgraf traurig das traurig? „Ich habe gern in Partenheim gewohnt“, sagt er. Doch die meiste Zeit seines Lebens hat er in Städten verbracht – und freue sich jetzt auch wieder auf das Stadtleben. Dass er im „Kalten Loch“ wohnt, wie die Mainzer die Domstraße nennen, das hat er gerade erst bei der Begrüßung von Domdekan Heinz Heckwolf erfahren. „Hoffentlich“, meint er, „bewahrheitet sich das nicht.“

Selbst wenn der Wind zuweilen kräftig durch die schmale Gasse bläst – Offenheit, Freundlichkeit und Humor sind so leicht nicht wegzupusten.

 

Hier geht es zur Bildergalerie mit einigen Eindrücken aus der Wohnung von Peter Kohlgraf.

 

Meinung: Privatsphäre achten

Redakteurin Maria Weißenberger
Redakteurin
Maria Weißenberger

Ja, ich will wissen, was die Kirche mit ihrem Geld macht – nicht zuletzt, weil es das Geld vieler ist, das ihr zur Verfügung gestellt wird. Deshalb finde ich es gut, wenn das Bistum Mainz für Transparenz sorgt – und Pressevertreter die Gelegenheit erhalten, sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass der künftige Mainzer Bischof „ganz normal wohnt“. Im Jahr 4 nach Tebartz-van Elst und dem Skandal um dessen Bischofshaus in Limburg ist das öffentliche Interesse daran nicht nur verständlich, sondern durchaus berechtigt. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob ein einziges schlechtes Beispiel Grund genug ist, jetzt Bischöfe und ihren Lebensstil grundsätzlich argwöhnisch zu beobachten.

Mehr als 30 Journalisten ziehen durchs Haus, besichtigen auch die privaten Räume, studieren das Etikett einer Weinflasche oder forschen nach, welche DVDs im Regal stehen. Und Peter Kohlgraf spielt das „Spiel“ mit, beantwortet geduldig jede Menge Fragen, gibt auf Wunsch am Flügel eine Kostprobe seines musikalischen Könnens. Wunderbar! Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Denn ein Zuhause, das bedeutet, wie Kohlgraf es auf eine Frage hin formuliert, vor allem Privatheit. Möge ihm nach dem ganzen Rummel in seiner ganz normalen Wohnung in Zukunft eine ganz normale Privatsphäre vergönnt sein.