13.10.2017

Der Papst hat da mal ne Frage

Ich beantworte sie – ein Selbstversuch

Von Sarah Seifen

Postkarte Umfrage zur Jugendsynode Foto: BDKJ-Bundesstelle

Der Papst guckt aus Werbepostkarten-Regalen in Bars, Kneipen und Cafés. Der Grund dafür: Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) verteilt gerade 50.000 Postkarten deutschlandweit. Er will Werbung machen für eine Umfrage. Der Papst „hat da nämlich mal ne Frage“. Beziehungsweise 50. Bis Ende November sollen wir antworten. Wir – das sind alle zwischen 16 und 29 Jahren. Ich falle ins Raster. Ich darf mitklicken. Ich gebe dem Papst Antworten.

Sarah Seifen
Sarah Seifen
Volontärin

Mein erster Eindruck: Was soll das? Statt der angekündigten deutschen Version, sehe ich den italienischen Titel: „I Giovani, la fede e il discernimento vacozionale.“ Ich bin ratlos. Ein Klick in ein Kästchen oben rechts erlöst mich. Es gibt die Fragen auch in Deutsch. „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ steht über der Umfrage.

Ich beginne mit Angaben zu meinem Alter, Wohnort, Familienstand, Job. Achtung: Dein Heimatland solltest du dann doch auf Italienisch kennen, bei „D“ sucht man nämlich vergeblich. Jetzt hat sich der Italienisch-Kurs im Auslandsstudium doch gelohnt: Germania.

Es geht also – entgegen meinen ersten Erwartungen – um mich. Und mein Umfeld. Wie ist mein Selbstbild? Welche Konflikte sehe ich? Was erfüllt mich? Welchen Einrichtungen vertraue ich? Ganz unscheinbar, inmitten sämtlicher staatlicher Obrigkeiten, erscheint dort auch die katholische Kirche.

Ich kreuze an: 1=gar nicht bis 10=absolut. Vertraue ich der Polizei 5, 6 oder 7? Was bedeutet das? Drei Seiten später verliere ich langsam die Geduld. Meine Konzentration lässt nach.

Im nächsten Schritt geht’s um Kirche, Glauben, Religion: „Gehörst du einer Religionsgemeinschaft an?“ Der Papst lädt alle ein. Katholiken und Nicht-Katholiken. Wäre ja schön, wenn auch andere Gläubige (oder Nicht-Gläubige?) diesen Bogen in die Hände kriegen. Vielleicht helfen ja die Postkarten. Die spannendste Frage für mich: Wie stellst du dir Gott vor? Antworten gibt es viele: Gott ist für mich....Liebe, Nutzlosigkeit, Freiheit? Ich kreuze „Geheimnis“ an.

Dann geht’s ans Eingemachte: Was ist verbesserungswürdig in der katholischen Kirche? Drei Kästchen darf ich ankreuzen. Konkrete Antworten fehlen allerdings. Soll die Kirche mehr beten, stärker den Frieden fördern, Glaubenswahrheiten verteidigen? Hier wäre ein Zusatzfeld mit eigenen Antworten angebracht.

Nach weiteren Fragen zu meinem Onlineverhalten zeigt die Prozentleiste 85 Prozent. Fast ist es geschafft.

Die letzte Seite überzeugt mich. Es lohnt, durchzuhalten! Endlich nicht nur Kästchen zum Anklicken, sondern Platz zum Tippen. Zum Mitteilen, zum Auf-mich-aufmerksam-machen: „Abschließende Fragen“. Was habe ich als Jugendliche positiv erlebt in der Kirche? Und was möchte ich erzählen, was im Fragebogen nicht vorkam? Da fällt mir einiges ein.

Abgesendet. Bin gespannt, was dabei rauskommt. Jetzt seid ihr dran.

Übrigens: Die Umfrage soll den Bischöfen bei Entscheidungen helfen. Die treffen sich nächstes Jahr im Oktober zur Bischofssynode in Rom. Die Antworten nutzen also – wie, das werden wir sehen.