08.11.2017

Die Kirche nicht nur putzen

Was Frauen im Ehrenamt leisten, ist beachtlich. Grund genug, für sie einmal den roten Teppich auszurollen. So geschehen bei der Diözesanversammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) in Wackernheim.

Von Maria Weißenberger

Frauen beim Tag der kfd Foto: kfd
Das Bewusstsein von Frauen für den Wert ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit nimmt zu. | Foto: kfd

„Das bisschen, was ich mache ...“: Nicht selten spielen Frauen allzu bescheiden herunter, was sie unentgeltlich für Kirche und Gesellschaft leisten. Zählen sie ihre ehrenamtlichen Einsätze einmal auf, merken sie bald, dass eine Menge zusammenkommt: der Elternbeirat, die Bürgerinitiative für den Spielplatz, der Runde Tisch zu sozialen Fragen im Stadtteil, die Kommunion- oder Firmvorbereitung, der Pfarrgemeinderat, der Frauenverband ... Ach ja, der Kuchen fürs Pfarrfest ... Und für den Kirchenschmuck sorge ich ja auch ...

Auf dem roten Teppich, der im Emmaus-Saal der Filialgemeinde Wackernheim ausgerollt ist, erzählen kfd-Frauen einander in Partner-Interviews, was sie alles leisten und schon geleistet haben. „Das Ehrenamt würdigen und neue Wege gehen“, so war der Tag überschrieben. Warum das Diözesanleitungsteam das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat? „Es ist wichtig, dass wir mehr zeigen, was wir tun – und dass wir die Zukunft in die Hand nehmen“, findet die kfd-Diözesanvorsitzende Ingrid Kraus. Die Zeiten haben sich geändert – und mit ihnen die Ehrenamtlichen: „Das Bewusstsein dafür, dass wir vieles leisten, ist gewachsen, und damit haben sich auch die Wünsche und Erwartungen ans Ehrenamt gewandelt“, erklärt sie.

Die Zeit reicht oft nicht für alles

Gleichzeitig stoßen Frauen, die sich engagieren, an ihre Grenzen: „Viele haben mehrere Ehrenämter, und oft reicht die Zeit gar nicht mehr für alles, was wir gern möchten.“ Das wirkt sich auch im Verband aus: „Wir stellen uns die Frage, wie wir Frauen motivieren können, sich in der kfd einzusetzen.“ Die Hausfrau, die sich bei aller alltäglichen Arbeit ihre Zeit einigermaßen frei einteilen kann – und auf die Pfarrgemeinden und Verbände lange Zeit zählen konnten – gibt es nicht mehr. „Die Frauen heute sind in der Regel erwerbstätig, ja sie müssen erwerbstätig sein, wenn das Geld für die Familie reichen soll“, weiß Ingrid Kraus.

Was entscheidet darüber, ob Frauen trotz Familie und Beruf noch ehrenamtlich aktiv werden? „Dass ihr Engagement gesehen wird, dass ihre Stärken erkannt und gewürdigt werden – das ist wichtiger geworden“, sagt Ingrid Kraus. Frauen von heute wollen Verantwortung übernehmen, sie wollen mitgestalten – nicht nur Handlangerinnen und Lückenbüßer sein. „Sie wollen nicht nur die Kirche putzen, sondern auch etwas dazu sagen.“ Bei aller Wertschätzung gibt es auch viel Frust – den die Frauen bei der kfd-Diözesanversammlung keineswegs unter den roten Teppich kehren. So manches Erlebnis, das sie schildern, macht deutlich: In der Kirche ist es oft besonders schwer, als Ehrenamtliche Verantwortung zu übernehmen.

Zu viel von Personen abhängig

Da ist die Frauengruppe, die den Frauengottesdienst vorbereiten „darf“, den selbstverständlich der Pfarrer. hält. Da ist die Firmkatechetin, die trotz ihrer Erfahrung den Verlauf jeder Gruppenstunde haargenau vorgeschrieben bekommt. Da ist der Gemeindereferent, der den von Ehrenamtlichen erarbeiteten Kindergottesdienst völlig „umwirft“, nachdem er wochenlang signalisiert hat: „Das kann man so machen.“ Da ist die Ehrenamtliche, die einen Zuschuss beantragt, mit dessen Hilfe sie sich einen Ehrenamtskurs leisten könnte – und die darauf verzichten muss, weil alles Geld für die Kirchenrenovierung nötig ist. Da sind Ehrenamtliche, die ihre Termine verschieben müssen, damit Sitzungen in der Dienstzeit der Hauptamtlichen stattfinden können ... Erlebnisse, die Ingrid Kraus zeigen: „Es ist zu sehr von den Hauptamtlichen abhängig, was Ehrenamtliche dürfen.“

 

MEINUNG

Soweit der Pfarrer will?

Maria Weißenberger
Maria Weißenberger
Redakteurin

Ehrenamtliche Arbeit ist unverzichtbar. Nicht erst dann, wenn es an Hauptamtlichen mangelt – sondern weil wir als getaufte und gefirmte Christen alle berufen sind, mit unseren Gnadengaben Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die uns bewegt.

Der Wille dazu ist – gerade bei vielen Frauen – noch vorhanden. Daher brauchen wir Priester und andere Hauptamtliche, die nicht nur Arbeit übertragen, sondern auch Verantwortung. Viele Ehrenamtliche bringen dazu aus Beruf oder Lebenserfahrung Qualifikationen mit. Sie zu fördern und weiter zu qualifizieren, das muss sich die Kirche leisten. Viele investieren mehr als Zeit in ihre Ehrenämter – aber es darf nicht Bedingung für ein freiwilliges Engagement sein, Geld genug zu haben, um Material und Fortbildung zu finanzieren.

Und wer beruflich in der Kirche arbeitet, muss sich bewusst sein: Die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen, die dafür ihre Freizeit nutzen, gehört dazu. Da muss gewiss nicht jeder Abend „geopfert“ werden, aber die Abstimmung auf die „Zeitfenster“ Ehrenamtlicher ist unabdingbar.
Gut, dass die kfd am Thema dranbleibt. Hoffentlich nicht nur sie.