23.11.2017

Gibt es neue Ideen zur Erstkommunionvorbereitung im Bistum Limburg?

Die Mischung macht's

Bald startet die Erstkommunionvorbereitung. Viele Pfarreien neuen Typs sind mitten drin im Prozess und der Umsetzung neuer Ideen. „Der Sonntag“ hat nachgefragt: Gibt es auch neue Wege in der Erstkommunionvorbereitung? Von Nadja Quirein.

Erstkommunionkerzen Foto: fotolia
Bis die Erstkommunionkerzen brennen, ist es ein weiter Weg der Vorbereitung
für die Erstkommunionkinder. Foto: fotolia

„Die Gründung der Pfarreien neuen Typs betrifft alle Bereiche“, sagt Pfarrer Kirsten Brast von der Pfarrei St. Martin Idsteiner Land und spricht von „gravierenden Änderungen“. Diese betreffen auch die Erstkommunion-
vorbereitung: „Einiges ist anders als vorher“, sagt der Pfarrer. Zum Beispiel fänden die Gruppenstunden nicht mehr wie früher an den jeweiligen Kirchorten statt, sondern zentral an einem Ort an jeweils fünf Samstagen. So sei auch die Umsetzung eines gemeinsamen neuen Konzeptes gewährleistet. Bereits zum zweiten Mal werde dies in seiner Pfarrei so geregelt. Die kleinen Kirchorte allerdings werden nicht vergessen. Damit die Verbindung zu allen Kirchorten bestehen bleibt, fänden dort zusätzlich verschiedene Veranstaltungen der Erstkommunionvorbereitung statt.

Ja, vieles habe sich geändert seit dem Zusammenschluss der Pfarreien zu Pfarreien neuen Typs, bestätigt auch Pfarrsekretärin Anett Herzmann von der früheren Pfarrei St. Josef Niederahr, die seit 2016 St. Laurentius Nentershausen angehört. Das betreffe zum Beispiel Verwaltungsaufgaben und Organisatorisches wie die Anmeldung zu Taufen oder die Vorbereitung für Gottesdienste oder Beerdigungen. So würden Anmeldungen zu Taufen neuerdings über ein Pfarrbüro und nicht wie früher in den jeweiligen Pfarreien organisiert.

Was sich jedoch nicht geändert hat, ist die Erstkommunionvorbereitung, so Herzmann. Es sei keine Notwendigkeit vorhanden, daran etwas zu ändern, was bisher so gut funktioniert hat, sagt sie. Nicht zusammengefasst an einem neuen Ort, sondern wie gehabt in den einzelnen Pfarreien fänden die Gruppenstunden statt, berichtet die Pfarrsekretärin über die Erstkommunionvorbereitung. Dadurch seien die Gruppen weiterhin klein und würden von der wertvollen Arbeit der engagierten Ehrenamtlichen vor Ort profitieren.

Auch in der Gemeinde Unsere Liebe Frau Wetzlar bleiben die Gruppenstunden weiterhin an den jeweiligen Kirchorten, sagt Diakon Junusz Sojka, der als Koordinator die Erstkommunionvorbereitung mit den beiden Ehrenamtlichen Dr. Annemarie Hamann und Martina Stamm organisiert und durchführt. Schon vor knapp neun Jahren hätten sie sich mit der Umstrukturierung beschäftigt und so ein Konzept entwickelt. Anders als früher finde nun eine zentrale Katechetenschulung und ein Info-Abend für die Eltern statt.

Eine Mischung aus zentralen und dezentralen Veranstaltungen innerhalb der Erstkommunionvorbereitung ist es, die bei St. Bonifatius Wiesbaden umgesetzt wird. Sie seien die zweite Pfarrei im Bistum, die zu den Pfarreien neuen Typs zählte und somit gebe es in Rahmen der Umstrukturierung bereits seit 2012 Veränderungen in der Erstkommunionvorbereitung, erklärt Pastoralreferentin Jutta Fechtig-Weinert. Seit also fünf Jahren gibt es ein gemeinsames Konzept für alle Kirchorte, erklärt die Pastoralreferentin.

Während die Gruppenstunden und die Erstkommunionfeiern weiterhin an den Kirchorten bleiben, gibt es auch Veranstaltungen, bei denen alle Kinder zusammenkommen. Dazu gehören der Dankgottesdienst nach der Erstkommunion, Wochenendfahrten oder die Kindererstbeichte. Auch Taufen von Kindern, die während der Erstkommunionvorbereitung stattfinden, werden an einem Ort gefeiert. „Eltern und Kinder sind bei der Kommunion aber nicht an den Kirchort gebunden. Bei bestehenden Freundschaften der Kinder beispielsweise kann innerhalb der Kirchorte gewechselt werden“, erklärt die Pastoralreferentin. Anders als früher gibt es nicht mehr an jedem Kirchort einen Mitarbeiter aus dem Pastoralteam, der mit der Erstkommunionvorbereitung betraut ist, sondern ein Team aus Kollegen sei nun zusammen mit einem Helferteam dafür zuständig.

Auch in der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau ist es eine Mischung aus zentralen und dezentralen Elementen, die in die Erstkommunionvorbereitung einfließt. „Es ist nicht alles beim Alten geblieben“, sagt Gemeindereferentin Verona Mockenhaupt. Die Gruppenstunden bleiben zwar, vorausgesetzt, es gibt genug Kinder, an den jeweiligen Kirchorten, aber die Feiern finden zentral statt.

„Unsere 13 Kirchorte werden für die Feiern zu vier zentralen Orten zusammengefasst“, weiß die Gemeindereferentin und betont die Wichtigkeit der Elternarbeit für die Pfarrei. Deshalb, und auch für die Bindung zwischen Eltern und Kindern, fährt beispielsweise beim Erstkommunionwochenende auch jeweils ein Elternteil mit. Neu seien auch die Mitmach-Gottesdienste, zu denen die Eltern mit ihren Kindern außerhalb des regulären Gottesdienstes kommen. Die Kinder fühlen sich mit Begleitung der Eltern sicherer und wachsen kindgerecht in den Gottesdienst hinein, während für die Erwachsenen auch ein neuer Zugang zur Kirche geschaffen werden kann.

 

Meinung: Keinen Kirchort vergessen

Bernhard Perrefort, Redakteur
Bernhard Perrefort,
Redakteur

Was vor Ort gut klappt, sollte auch nicht geändert werden. Wenn genügend Kapazitäten für die Erstkommunionvorbereitung in Kirchorten vorhan-den sind, muss sie nicht unbedingt zentral stattfinden. Und so verstehe ich das Prinzip Pfarreien neuen Typs auch: All das, was im Kirchort aus personellen Gründen nicht mehr allein leistbar ist, lässt sich in der größeren Einheit, der Pfarrei neuen Typs, besser regeln. Nicht zu unterschätzen: Durch gemeinsame Aktivitäten lernen sich ehemals selbstständige Pfarreien gut kennen und können Vorbehalte abbauen. Wo könnte man damit auch besser beginnen als bei den Kleinen? Wichtig bei alledem ist aber trotzdem, „die Kirche im Dorf zu lassen“, wie es in einer Redewendung heißt. Was bedeutet: Alle Kirchorte müssen während der Erstkommunionvorbereitung – wie auch immer – zum Zuge kommen. Dann profitieren alle Gläubigen davon. Ein weiterer großer Vorteil: Die Arbeit lastet nicht nur auf wenigen Schultern an einem Kirchort, sie verteilt sich auf mehr engagierte Menschen. Dann wird auch niemand überfordert.