Der Fuldaer Christoph Gregor Müller gehört zum Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Ein Professor als Ritter

Zu Besuch bei einem Ritter. Weder Rüstung noch Schwert sind in Fulda bei Christoph Gregor Müller zu entdecken. Aber viel Leidenschaft für das Heilige Land. Von Ruth Lehnen.

Christoph Gregor Müller Foto: Christoph Gregor Müller
Christoph Gregor Müller vor der Theologischen Fakultät Fulda
Foto: Ruth Lehnen

Aus dem Jungen aus dem Ulstertal in der Rhön, Sohn eines Dorfschulmeisters und einer Organistin, Nachzügler mit drei größeren Geschwistern, ist ein Professor geworden. Einer, der jetzt eine neue Heimat hat, auch wenn er die alte liebt. Die neue Heimat heißt Heiliges Land. Christoph Gregor Müller kann gar nicht mehr genau sagen, wie oft er schon in Israel und Palästina war. Dort schaute er wie gebannt in den Sternenhimmel, dort lernte er die Wüste kennen, die Bedeutung des Wassers, die kargen Gegenden. Die Heimat Jesu, den See Gennesaret, Jerusalem.

Die Orte sprechen zu ihm und helfen ihm, seine Arbeit zu tun: Der 52-Jährige ist Professor für Neues Testament an der Theologischen Fakultät Fulda. „Hier hat Jesus gestanden“ – das ist für ihn nicht das Wichtigste bei seinen Besuchen im Heiligen Land. Ihm geht es darum, dass das Land die Evangelien verständlich macht. Zum Beispiel, wenn es heißt: Jetzt geht es hinauf nach Jerusalem. Im wahren Sinne des Wortes bergauf.

Hilfe für die Christen in der Heimat Jesu

Die Verteidigung und Förderung des katholischen Glaubens im Heiligen Land – so hieß ursprünglich der Auftrag der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Dafür sollen sie Hilfstruppen in aller Welt sein. Sie kämpfen nicht mit Waffen, sondern mit Geld, Gebet und Einfluss. Müller gehört seit 1997 dazu. Hauptaufgabe ist es heute, die Christen im Heiligen Land zu unterstützen. In Teilen Israels, in Palästina und Jordanien gibt es immer weniger Christen: „Der Auszug ist gewaltig“, sagt Müller. Arabische Christen haben wenig Chancen auf gute Arbeitsplätze, auf Wohnungen, die für Familien geeignet sind.
Geld fehlt überall: für die Priesterausbildung und Pastoral, für Krankenhäuser und Sozialstationen, für Altenheime. Der Orden vom Heiligen Grab unterstützt zum Beispiel die Universität von Betlehem, gibt Geld für Schulen und Kindergärten und sieht dabei nicht auf das Glaubensbekenntnis: So werden auch viele muslimische Schüler gefördert. Der Tenor bei allem aber ist: Christliche Gemeinde darf da nicht aussterben, wo Jesus selbst zuhause gewesen ist. Für diese Ziele engagiert sich der Priester und Professor aus Fulda. Er organisiert unter anderem Pilgerfahrten für Ordensmitglieder und Einkehrtage für die neuen Mitglieder des Ordens.

Vor Ort ist der Orden nach Provinzen organisiert: Müller ist „Provinzprior der Rhein-Main-Provinz“. Deutschlandweit engagiert er sich als „Geistlicher Zeremoniar“. Für die Investitur – die Aufnahme der neuen Ritter und Damen – im Oktober in Mainz bereitet er jetzt schon die Gottesdienste vor. (siehe „Zur Sache“).

Ritter in ihren Gewändern Foto: Ruth Lehnen
Ritter in ihren weißen Mänteln bei einem Treffen in Sankt Georgen in Frankfurt
am Main. Foto: Ruth Lehnen

Mit dem weißen Mantel und den schwarzen Baretts der Herren, dem schwarzen Mantel und Schleier der Damen sehen Ritter und Damen schon ein wenig aus der Zeit gefallen aus. Müller gibt zu, dass manches am Erscheinungsbild auch der Ritterromantik des 19. Jahrhunderts geschuldet ist. Denn anders als man denken könnte, entstammt der Ritterorden vom Heiligen Grab nicht dem Mittelalter, sondern ist eine Neugründung von Papst Pius IX. aus dem 19. Jahrhundert, um das damals begründete Lateinische Patriarchat von Jerusalem zu unterstützen.

Müller verteidigt das Outfit: Der Mantel sei ein „Ausbuchstabieren“ des Taufkleides, weder Schmuck noch Auszeichnung, sondern solle dazu dienen, „dass man darunter verschwindet“ und in die Gruppe eintritt. Er legt Wert auf das spirituelle Profil des Ordens, das sich im persönlichen und gemeinsamen Gebetsleben zeigt. Die Mitglieder in einer Region sollen Anteil nehmen am Leben der anderen, nicht nur um sich kreisen, sondern sich engagieren für den Glauben: „Wer sich das zu Herzen nimmt, bleibt auf Kurs.“

In der Öffentlichkeit haben die modernen Ritter, seien es Malteser, Johanniter, Deutschordensritter oder eben die vom Heiligen Grab, oft das Image von Wohlbetuchten, die vor allem Geld spenden sollen. Dieser Eindruck sei irreführend, sagt Müller: „Bei uns ist auch der Winzer, die Lehrerin, der Gemeindepfarrer.“ Trotzdem: Spenden für die Aufgaben im Heiligen Land, durchaus auch hohe, sind erwünscht und Teil des Ritterlebens. Also doch eine Elite?

Nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe kämpfen

Mit dem Lions-Club – auch hier ist Müller Mitglied – und Rotary hat der Orden gemeinsam, dass man nicht einfach eintreten kann, sondern angesprochen und eingeladen werden muss, bevor man aufgenommen werden kann. Bei der Aufnahme wird gefragt, ob der Kandidat, die Kandidatin bereit ist, nicht mit Krieg und Gewalt, sondern mit Glaube, Hoffnung und Liebe für Christus zu streiten: „Sind Sie bereit, diesem Ideal zu folgen?“ Müller hat „Ja“ dazu gesagt und es nicht bereut.

 

Zur Sache: Investitur in Mainz

Jerusalem-Kreuz Foto: Ruth Lehnen
Jerusalem-Kreuz auf dem Mantel einer Dame.
Foto: Ruth Lehnen

Die Aufnahme in den Ritterorden vom Heiligen Grab erfolgt in einem feierlichen Ritus, der Investitur genannt wird. Die nächste Investitur findet am 10. Oktober um 15.30 Uhr im Mainzer Dom statt. Dabei wird der Bischof von Aachen, der Provinzprior von Rheinland-Westfalen ist, acht Ritter, vier Damen und vier Priester in den Orden aufnehmen, darunter den Erzabt von Beuron, Tutilo Burger. Die Investiturfeier besteht aus der Heiligen Messe, verbunden mit dem Gelöbnis der Kandidaten und der Übergabe des Jerusalemkreuzes und des Ordensmantels als Zeichen der Ordenszugehörigkeit.
Die männlichen Kandidaten mit Ausnahme der Priester werden zum Ritter geschlagen: Bischof Heinrich Mussinghoff wird ihre Schulter mit dem Schwert berühren. (nen)

www.investitur-in-mainz.de