05.10.2017

In einer Kita in Fulda werden die Strategischen Ziele ganz praktisch umgesetzt

Kostbare Körner berühren

Auf die Kindertagesstätte St. Paulus in Fulda trifft zu, was in den Strategischen Zielen des Bistums als „pastoraler Ort“ beschrieben wird. Dort wird Kindern altersgemäß vermittelt, was christlicher Glauben bedeutet. Zum Beispiel das Erntedankfest. Von Hans-Joachim Stoehr.

Kita-Leiterin Ruth Mock lädt Kinder und Gäste ein, die Ähren in der Hand mit der Musik zu bewegen. | Foto: Hans-Joachim Stoehr
Kita-Leiterin Ruth Mock lädt Kinder und Gäste ein, die Ähren in der Hand mit der Musik zu bewegen. | Fotos (2): Hans-Joachim Stoehr

„Das Brot schmeckt gut“, sagen einige Kinder. In der Gruppe, die im Stuhlkreis versammelt ist, hat jeder Junge und jedes Mädchen ein Stück Bauernbrot gegessen. Zuvor war es den Kindern in die zu einer Schale geformten Handflächen gelegt worden. Es herrscht – fast andächtige – Stille im Turnraum, nicht nur, weil Gäste mit im Stuhlkreis sitzen und an der Erntedankfeier teilnehmen. Generalvikar Gerhard Stanke wird von Kita-Leiterin gebeten, vor dem Essen des Brots ein Segensgebet zu sprechen. Die Kinder hören aufmerksam zu. Im Stuhlkreis dabei sind auch Ortspfarrer Jan Kremer und Michael Will, der sich als Kurator um die wirtschaftlichen und personellen Belange der Kita kümmert.

Sorgsam umgehen mit Gaben der Schöpfung

„Kostbar“ und „dankbar“ – mit diesen beiden Begriffen lässt sich das Fest charakterisieren. Die Gaben der Schöpfung sind kostbar. Deshalb lädt Kita-Leiterin Ruth Mock die Kinder ein, sorgsam mit dem umzugehen, was die Erde schenkt. Die Kinder erhalten jeweils eine Ähre in die Hand. Sie werden eingeladen, die Getreidestengel strahlenförmig an der runden Decke auszulegen, die in der Mitte des Stuhlkreises liegt. Auf der Decke steht eine Glasvase, die mit Getreideähren gefüllt ist.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Kindergarten auf dem bewussten Erleben des Jahreskreises. „Nun im Herbst ernten wir die Früchte, die im Frühjahr ausgesät wurden“, erklärt Leiterin Mock. Auf der Terrasse vor den Gruppenräumen stehen Kübel mit Erde, in denen ebenso Pflanzen wachsen wie in den Hochbeeten, die von Eltern errichtet wurden. Darin wachsen beispielsweise Karotten.

„Die Botschaft dahinter ist: All diese Früchte hat der gute Gott für uns wachsen lassen“, so Mock. Die Vermittlung geschehe dabei – entsprechend der Entwicklung – über die Sinne, über Symbole, die sie im Wortsinn begreifen“. Die Kindergartenleiterin: „Wir wollen, dass die Kinder mit dem Herzen sehen. Was wir mit den Kindern machen, soll sie berühren.“

Ein Mädchen „begreift“ Körner in einer Schale Foto: Hans-Joachim Stoehr
Ein Mädchen „begreift“
Körner in einer Schale
Foto: H.-J. Stoehr

Auch bei der Erntedankfeier dürfen die Kinder die Gaben berühren. Eine Erzieherin hält eine Schale in den Händen, in der sich Weizenkörner befinden. Jedes Kind darf mit Händen die Körner ertasten. Als ein Junge etwas länger das Getreide erspürt, bleibt die Erzieherin ruhig. Die konzentrierten Kinder werden nicht abgelenkt. Danach geht eine Erzieherin mit einer Schale Erde reihum.

Auf einem Tisch stehen kleine Körbe mit Erntegaben – Gemüse- und Obstsorten, aber auch Marmelade. Jedes Kind darf sich ein Körbchen aussuchen. Das aber soll es nicht für sich behalten, sondern weiter schenken an ein anderes Kind. Zur Vorbereitung auf das Erntedankfest haben die Kita-Gruppen einen Bauernhof besucht. „Viele Kinder wissen nicht, woher Mehl, Eier oder Milch kommen. Auf dem Hof konnten sie Kühe, Schweine und Hühner sehen, konnten Ähren abschneiden.“ Später hätten sie aus den Ähren die Körner geholt, die zu Mehl gemahlen wurden, aus dem im Backofen Brot entstand.

Täglicher Wetterbericht mit Symbolen

„Wir wollen die Kinder sensibel machen für die Schöpfung und den Umgang mit ihr“, betont Mock. Dazu gehört auch das Beobachten des Wetters. „In jeder Gruppe ist jeden Morgen ein Kind damit beauftragt, das Wettergeschehen anhand von Symbolen an einer Tafel kenntlich zu machen. Dahinter steht die Botschaft: Der gute Gott schickt Sonne und Regen, damit Pflanzen wachsen können.

In den Gruppenräumen finden sich eine Vielzahl von Pflanzen, Getreideähren. Im Frühjahr wird ausgesät. „Die Kinder können beobachten, wie die Pflanzen wachsen.“ Zu Ostern zeigt sich dann schon das Grün. Neues Leben ist entstanden. „Das passt zur Botschaft von Ostern.“, so Mock. An Ostern bekommt auch jede Gruppe eine neue verzierte Jesus-Kerze. Sie wird bei Festen und anderen Anläsen jeweils angezündet.

Mock ist überzeugt: „Was Kinder hier erlebt haben an religiösen Erfahrungen, das tragen sie in ihrem Herzen, manches mögen sie vergessen, sie verlieren diese Erfahrungen aber nicht.“