19.01.2017

Lösung Haushaltshilfe?

Fragen der Menschen: Wenn Eltern pflegebedürftig werden

Mit Beginn des Jahres tritt eine Pflegereform in Kraft. Die bislang drei Pflegestufen werden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Was bedeutet das? Sind Pflegekräfte aus Osteuropa eine gute Lösung für pflegebedürftige Eltern und Großeltern? Fragen an Achim Eng, Leiter des Ressorts Altenhilfe beim Diözesancaritasverband Fulda.

Frage: Was bedeuten die geplanten Veränderungen bei den Pflegestufen für pflegende Angehörige?

Achim Eng von der Caritas Foto: privat
Achim Eng von der Caritas                                 Foto: privat

Eng: Statt drei Pflegestufen wird es künftig fünf Pflegegrade geben, die der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht werden. Bei dem neuen Begutachtungsinstrument wird nicht wie bei der bisher geltenden Methode die Zeit gemessen, die zur Pflege der jeweiligen Person durch Familienangehörige oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson benötigt wird, sondern es wird nach einer pflegefachlich begründeten Systematik durch Punkte abgebildet, wie weit die Selbständigkeit und die Fähigkeiten einer Person eingeschränkt sind. Anhand der Ergebnisse der Prüfung werden die Pflegebedürftigen in einen der fünf Pflegegrade eingeordnet. Dies bestimmt auch die Leistungen der Pflegekassen.“ Pflegende Angehörige sind bereits über ihre Pflegekasse informiert würden, welche neuen Leistungsbeträge sie erhalten: Für die Pflege zuhause gibt es Pflegegeld für Angehörige und Hilfe von Profikräften. Künftig soll es Pflegegrade statt Pflegestufen geben. Pflegegrad 1 kommt neu hinzu.

Ist es Ausbeutung, Pflegekräfte aus Osteuropa zu beschäftigen?
Nein, so lange gesetzliche Rahmenbedingungen eingehalten werden. (Mindestlohn, Arbeitszeitgesetzte …)

In welchen Fällen ist das eine gute Lösung zur Pflege der Eltern oder Großeltern?

Sicher reicht in den meisten Fällen ein ambulanter Pflegedienst aus. Alles darüber hinaus Gehende kann gut über Betreuung erfolgen.

Was kostet eine ausländische Pflegekraft durchschnittlich?

Darüber liegen der Caritas keine Informationen vor. Sofern etwa eine polnische Arbeitskraft bei der Caritas angestellt wird, erhält diese die geltende tarifliche Bezahlung. Die Caritas muss mindestens 40.000 Euro für ein Pflegefachkraft aufwenden; wenn diese älter und erfahrener ist jährlich sogar über 50.000 Euro.

Sollen die Pflegekräfte hier in Deutschland sozialversichert sein?

Hier ist ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bei einem deutschen Arbeitgeber anzustreben.

Wie lange dürfen sie hier arbeiten?

Polnische Pflegekräfte, als EU-Bürger, haben beispielsweise die Möglichkeit bei einem deutschen Arbeitgeber unbefristet angestellt zu werden. Allerdings muss die Pflegefachkraft in Deutschland anerkannt sein. Für andere Länder gilt das entsprechend. Wichtig ist immer, dass die ausländische Pflegefachkraft in Deutschland anerkannt wird. Dann sind Aufenthaltsverlängerungen von Nicht-EU-Staaten in der Regel kein Problem.

Ein nicht zu unterschätzendes Thema sind sicherlich auch Verständigungsprobleme. Wie wichtig sind aus Ihren Erfahrungen ausreichende Deutsch-Kenntnisse der Pflegekräfte?

Sehr wichtig! Wesentliche Kommunikation läuft über die Sprache. Es ist das A und O zu verstehen und verstanden zu werden.

Welche Alternativen gibt es?

Die Inanspruchnahme eines Ambulanten Pflegedienstes, Angebote der Verhinderungspflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege, ambulant-betreute Wohnformen.

Wie sollten die Rahmenbedingungen sein, wenn man seine Eltern selbst pflegen möchte?

Eine gute Möglichkeit bietet das Gesetz über die Pflegezeit (Pflegezeitgesetz), welches schon 1. Juli 2008 in Kraft getreten ist. Die Pflegezeit soll Arbeitnehmern gestatten, sich für eine begrenzte Zeitdauer ohne Entgeltfortzahlung von der Arbeit freistellen zu lassen oder in Teilzeit zu arbeiten, um pflegebedürftige Angehörige zu betreuen und zu versorgen, ohne dass dadurch das Arbeitsverhältnis gefährdet würde.

Fragen von Bernhard Perrefort.