11.04.2017

Schüler des Theresianums in Mainz gründen Schülergenossenschaft

Genossenschaft für Schüler

Emsig wie die Bienen engagieren sich Schülerinnen und Schüler des katholischen Gymnasiums Theresianum in Mainz für eine große Sache: eine Schülergenossenschaft – die erste im Raum Mainz. Entwickelt hat sie sich aus einer Imker-AG. Von Karin Weber.

Alle Mitglieder der Genossenschaft unterzeichneten die Satzung in der Gründungsversammlung. | Foto: Karin Weber
Alle Mitglieder der Genossenschaft unterzeichneten die Satzung in der Gründungsversammlung. | Foto: Karin Weber

„Nachhaltig wirtschaften – solidarisch handeln“ stand über der Gründungsveranstaltung der ersten eingetragenen Schülergenossenschaft (eSG) in Mainz. Seit Anfang April führen Schülerinnen und Schüler des Theresianums eigenverantwortlich ein Schülerunternehmen, das auf dem genossenschaftlichen Unternehmensprinzip gründet.

Unternehmensform, die dem christlichen Menschenbild entspricht

Die Idee hierzu wurde in der Imker-AG des Ganztagsgymnasiums in Trägerschaft des Bistums geboren, denn der geschleuderte Honig der Schulbienen sollte verkauft werden. Schulleiter Stefan Caspari schlug den Jugendlichen die Gründung einer eSG vor: „Diese Unternehmensform entspricht sowohl dem christlichen Menschenbild als auch der katholischen Soziallehre. Denn egal, wie viel ein Mitglied einzahlt, es hat nur ein Stimmrecht.“
Seit der ersten Informationsveranstaltung im November lernen die jungen Unternehmensgründer mit Unterstützung des rheinisch-westfälischen Genossenschaftsverbands in einem geschützten Rahmen, wie unternehmerisches Handeln funktioniert. Sie erhalten Einblicke ins Berufsleben, sammeln ökonomische Erfahrungen und tragen soziale Verantwortung.

Nach einer Marktanalyse unter den Mitschülern stand die Entscheidung, in den Pausen neben Honig auch gesunde Snacks sowie fair gehandeltes Schulmaterial zu verkaufen. In weiteren Treffen unter pädagogischer Begleitung von Kristina Käfer legten sie die Grundsteine für das Schülerunternehmen, stellten einen Businessplan auf und formulierten ihre Satzung. Der Schüler Tianmu Wang, der die Gründungsversammlung leitete, erklärte Rechte und Pflichten der Mitglieder sowie die Organe der SG, bevor er die Satzung zur Abstimmung gab.

„Office & Snacks“ steht nun auf dem Logo der Schülerfirma. Die Mainzer Volksbank (MVB) begleitet die Gründerinnen und Gründer mit Know-how bei ihren Schritten ins Unternehmertum. Eine Genossenschaft müsse sich tragen, strebe aber nicht nach Gewinnmaximierung, sondern arbeite nachhaltig, demokratisch, solidarisch und fair, bilanzierte der Vorstandsvorsitzende der MVB, Uwe Abel. „Das sind Werte, die es lohnt zu fördern.“ Auch Dr. Gertrud Pollak, Dezernentin im Bistum für Schulen und Hochschulen, lobte das klare Wertekonzept der Schülergenossenschaft. Daniela Schmitt, Staatssekretärin im rheinlandpfälzischen Wirtschaftsministerium, versprach, das Projekt eng zu begleiten und idealerweise in andere Schulen zu vermitteln.

 

Meinung: Solidarisch wirtschaften

Herzlichen Glückwunsch zur Gründung der ersten Schülergenossenschaft in Mainz! Interessant, dass gerade die Bienen den Anstoß zur Gründung gegeben haben, wo sie doch auch gemeinschaftlich wirtschaften. So machen es jetzt auch die Schülerinnen und Schüler des Theresianums. Sie lernen dabei wirtschaftliches Handeln, das leider oft zu kurz kommt im Schulunterricht. Und sicher lernen sie auch viel für ihr Leben: Etwa, wenn sie sich mit ihren Genossinnen und Genossen auf einen Wirtschaftsplan einigen müssen oder eine neue Marketing-Strategie entwickeln. Einerseits werden sie spüren: Das kann ich nicht allein entscheiden, ich muss mich mit anderen einigen. Andererseits lernen sie gerade auch, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, damit die Genossenschaft als Ganzes funktioniert. Ähnlich wie bei den Bienenvölkern auf dem Schuldach. Hoffentlich macht das Projekt Schule und inspiriert weitere Schulen, Schülergenossenschaften zu gründen.

Von Julia Hoffmann