13.02.2015

Martin Werlen: "Das Heute im Blick" und den Glauben in Herz und Hirn

Glut unter der Asche

Wer noch nicht das Glück hatte, Pater Martin Werlen persönlich zu begegnen, der mag als eine bereichernde und beglückende Entschädigung sein neues Buch zur Hand nehmen: „Das Heute im Blick“. Ein Buch mitten aus dem Unterwegssein. Ein Glaubenszeugnis. Feurig. Wärmend. Ansteckend. Von Johannes Becher.

Glut Foto: Bilderbox
Mit dem lebendigen Glauben ist es wie mit der Glut – man muss ihn zum Lodern bringen. Foto: bilderbox

„Eine Kirche, in der alles klar ist, ist nicht katholisch.“ Pater Martin spricht Klartext: Wer sich nicht bewegt, in Dogmen einmauert, der verliert seinen lebendigen Bezug zu den Menschen und zu Gott. Denn der ist einer, der bis ins Heute mit den Menschen unterwegs ist und ihre Nähe sucht. Martin Werlen mag die Suchenden, die Frager, die Neugierigen. Er ist selbst einer. Immer unterwegs. Das traut sich nur jemand zu, der voll Vertrauen ist. Voll Vertrauen in seinen Gott.

Martin Werlen ist kein Traditionalist, aber einer, der daran glaubt, dass der Glaube seine Kraft nicht verliert. Manchmal ist sie verborgen. Versteckt. Sein Verständnis von Tradition ist anders als das der reinen Bewahrer. Martin Werlen teilt es mit Thomas Morus: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Schon im „Jahr des Glaubens“ hat er 2012 einen Vortrag gehalten mit dem Titel „Miteinander die Glut unter der Asche entdecken“. Man muss Staub wegfegen, sich trennen von dem, was leer geworden ist. Und dann genau hinschauen: Denn unter der Asche glimmt die Glut des Glaubensfeuers.

Cover: "Heute im Blick"„Provokationen“ für die Kirche heißt es im Untertitel des neuen Buchs. Pro-vokation versteht Pater Martin wörtlich. Als heraus-rufen. Er will die Asche „Asche“ nennen. Sagen, was gestorben ist. Tot. Vorbei. Er will aufdecken. Freilegen. Seine Provokation hat auch den Klang von gerufen, berufen …

Als die Amtszeit von Martin Werlen als Abt von Einsiedeln 2013 nach zwölf Jahren abläuft, darf er gemäß benediktinischer Tradition eine Sabbatzeit genießen. Er soll und will dem neuen Abt nicht im Weg sein und deshalb macht er sich auf den Weg: nach Ungarn in die Abtei St. Martin in Pannonhalma und nach Jerusalem in die Dormitio-Abtei auf dem Zion. Der Alt-Abt ist Anfang 50. Jung im Herzen und im Geist. Per Anhalter reist er durch das Westjordanland, begegnet den Konfliktparteien – Menschen – im Nahen Osten und hört ihre Erzählungen. Er begegnet den Vertretern vieler christlicher Kirchen, er spricht mit Suchenden, Ungläubigen und Frommen…

Sein Buch erzählt von seinem Lebensweg. Ganz persönlich. Offen. Ehrlich. Manchmal fragend und tastend, zuweilen fordernd und ungeduldig. Und Pater Martin wäre nicht authentisch, wenn nicht der 100. und letzte seiner aufgeschriebenen Schritte ein Gebet wäre. Es beginnt: „Du bist ein Gott der Überraschungen!“ Beten mitten im Unterwegssein; so, wie es Gott gefällt.

Den Vortrag „Miteinander die Glut unter der Asche entdecken“ gibt es für 10 Euro unter:
www.kloster-einsiedeln.ch

Vortrag von Pater Martin am Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr,
im Heinrich-Pesch Haus, Frankenthaler Straße 229, in Ludwigshafen

Die Kirchenzeitung hat fünf Exemplare des Buchs von Pater Martin Werlen verlost.
Die Gewinner sind:
Erika K. aus Nastätten,
Maria F. aus Fritzlar,
Rosemarie E. aus Marburg,
Waltraud R. aus Heidesheim,
Hildegard S. aus Herschbach.
Herzlichen Glückwunsch!