15.03.2017

Katholikenrat in Mainz: Stellungnahme gegen Rechtspopulismus

Schweigen unmöglich

Im Wahljahr 2017 bezieht der Katholikenrat Stellung: In seiner Frühjahrsvollversammlung hat das höchste Laiengremium des Bistums Mainz eine Stellungnahme gegen Rechtspopulismus vorbereitet. Von Maria Weißenberger.

Katholikenrat diskutiert. Foto: Tobias Blum
Katholikenrat diskutiert.                            Foto: Tobias Blum

Dass eine klare Stellungnahme in der gegenwärtigen Situation angesagt ist, darüber waren sich alle Mitglieder des Katholikenrats einig. Und sie nahmen sich fast drei Stunden Zeit, um den vom Vorstand vorgelegten Textentwurf eingehend zu diskutieren. Der Vorstand wird die besprochenen Ergänzungen und Anregungen in seiner Sitzung am 22. März einarbeiten und für die baldige Veröffentlichung sorgen, wie der Sprecher des Katholikenrats, Patrick Landua, ankündigte. Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Belz. Er ist Referent für politsche Bildung beim Diözesanverband des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) und arbeitet auch im Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Rheinland-Pfalz mit.
Der Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Andreas Püttmann hatte zu Beginn ins Thema Rechtspopulismus eingeführt. Wie er erläuterte, grenzt sich die „Neue Rechte“ von der faschis-tischen „alten Rechten“ ab. „Sie gibt sich ein intellektuelles Image, sucht Verbindungen ins bürgerlich- und christlich-konservative sowie nationalliberale Spektrum und betreibt dessen Radikalisierung“, sagte Püttmann. Vorbehalte gegen vermeintliche Feinde würden gepflegt, Vertreter des „Systems“ verächtlich gemacht.

Abgrenzen des „Eigenen“ vom Andersartigen

Andreas Püttmann. Foto: Tobias Blum
Andreas Püttmann.                  Foto: Tobias Blum

Püttmann bezog sich unter anderem auf die im ersten Quartal 2016 erhobene „Leipziger Mitte-Studie“ über autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Demnach seien bekennende AfD-Wähler etwa dreimal so oft wie die Gesamtbevölkerung ausländerfeindlich und chauvinistisch (das Wort steht für die Überzeugung vom höheren Wert der eigenen Nation, aber auch für eine Überhöhung des Männlichen, die Redaktion). Zudem seien sie mehr als die Gesamtbevölkerung antisemitisch eingestellt und neigten zur Diktatur.
Die ängstliche, auch aggressive Abgrenzung des „Eigenen“ vom Andersartigen werde zum „Kitt“ zwischen unterschiedlichsten Menschen, sodass die „neue Rechte“ in verschiedenen Parteien und Schichten Anhänger finde. „Schon begrifflich sollte der Kult des ,Eigenen‘ Christen fremdeln lassen, muss ein Jünger Jesu doch immer auch vom Anderen her denken“, sagte der Referent. Er machte darauf aufmerksam, dass in der Präambel des AfD-Parteiprogramms just „der Dreh- und Angelpunkt des grundgesetzlichen Normengefüges“ fehlt: die Menschenwürde.

 

Menschenbild der AfD

Auch sollten Christen aufhorchen, wenn es heißt: „Grundlage unserer politischen Überzeugungen ist ein differenziertes Menschenbild.“ Gerade hier werde der christliche Bezug vermieden. Überhaupt würden die Kirchen nicht als eigenständige gesellschaftliche Kräfte gewürdigt, sondern für anti-islamische Haltungen und eine „deutsche Leitkultur“ instrumentalisiert.
Christen können „unmöglich schweigen“ zu einem Denken, „das statt der gottgegebenen Würde jeder Person das Pathos der Volksgemeinschaft oder das Kalkül des Wohlstandsegoismus ins Zentrum der Politik stellt“, sagte Püttmann. Indem sich die Kirche der rechten Re-Ideologisierung durch falsche Propheten „christlicher Kultur“ entgegenstelle, könne sie ihr Menschenbild und ihre Sozialethik, „deren Kern ... die Freiheit ist“, klarer herausarbeiten.

 

Meinung: Mit Glauben unvereinbar

Von Maria Weißenberger

Maria Weißenberger Foto: Marie Eickhoff
Maria Weißenberger
Foto: Marie Eickhoff

Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die in den Rechtspopulismus abzudriften drohen, ist notwendig, meinte Andreas Püttmann beim Katholikenrat. Ob solche Gespräche eine Chance haben? Die Frage aus dem Kreis der Delegierten ist berechtigt. Wer bereits ein geschlossenes Weltbild entwickelt hat, ist kaum noch zu erreichen, machte der Referent deutlich: „Rechtspopulismus ist wie eine Droge, von der manche täglich eine gewisse Dosis brauchen. Da kommt man dann nicht mehr ran.“ Doch es gibt auch jene, die vielleicht die eine oder andere Aussage der AfD attraktiv finden, deren Haltung sich aber noch nicht völlig verfestigt hat. Mit ihnen lässt sich reden, ihnen können wir deutlich machen, dass wir für die Demokratie stehen und warum christlicher Glaube und Rechtspopulismus unvereinbar sind. Dies gilt es auch in den „eigenen“ christlichen Kreisen zu vermitteln. Zumal unübersehbar auch Christen zum Rechtspopulismus neigen – wenn auch, verglichen mit der Gesamtbevölkerung, eher wenige. Die zu erwartende Stellungnahme des Katholikenrats ist ein richtiger und wichtiger Schritt. Weitere müssen folgen.