06.09.2017

Neues Modell zur Erstkommunionvorbereitung

Kirche kann auch anders

Den Satz „So haben wir es immer schon gemacht“ komplett vergessen. Das haben sich Haupt- und Ehrenamtliche im Dekanat Mainz-Süd vorgenommen und ein bistumsweit einmaliges Modell der Erstkommunionvorbereitung entwickelt. Von Theresa Beck.

Drei mit neuen Ideen zur Erstkommunionvorbereitung: Verena Krey, Eva Weinitschke und Andrea Keber (von links) präsentieren das neue Angebot, bei dem sie mitgewirkt haben. | Foto: Theresa Beck
Drei mit neuen Ideen zur Erstkommunionvorbereitung: Verena Krey, Eva Weinitschke und Andrea Keber (von links) präsentieren das neue Angebot, bei dem sie mitgewirkt haben. | Foto: Theresa Beck

Sich frei machen von alten Vorstellungen. Auf die Frage konzentrieren: Wie ticken Familien heute? Das beschäftigt Haupt- und Ehrenamtliche im Dekanat Mainz-Süd seit November 2016. Ein Projekt, das die Mitwirken-den begeistert. „Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, mal völlig frei denken zu können und was Neues zu schaffen. Das Umdrehen der Perspektive fand ich sehr spannend. Danach zu fragen, was Familien brauchen, statt zu überlegen, wie ein fertiges Konzept umgesetzt werden kann“, sagt Eva Weinitschke aus Nieder-Olm, die seit vielen Jahren ehrenamtlich Katechetin ist.

Ehrenamtliche haben etwa beobachtet, dass viele Angebote eher Mädchen als Jungen Spaß machen. Einige Eltern sagten, dass sie die vielen Termine vor dem Fest als sehr anstrengend empfinden. „Es ist nicht Sinn der Sache, dass Familien Teile der Erstkommunionvorbereitung als Belastung sehen. Wir wollen ja ihre Herzen erreichen“, sagt Verena Krey, Gemeindereferentin in Lörzweiler und Leiterin des Projekts. „Mir ist es wichtig, den Eltern zu zeigen, dass wir ihre Wünsche im Blick haben.“ Andrea Keber, Mitorganisatorin aus Nieder-Olm, ergänzt: „Wir sollten nicht immer erklären, wie sie alles in der Kirche richtig machen sollen, sondern auf sie hören.“

In der Pfarrei oder pfarreiübergreifend

Nach einem Klausurtag und fünf weiteren Treffen haben Verena Krey und fünf Ehrenamtliche aus drei Pfarreien mit dem Referat Gemeindekatechese des Bistums ein Modell entwickelt. Dabei können Eltern und Kinder zwischen der Kommunionvorbereitung in der Pfarrei oder pfarreiübergreifenden Treffen wählen. Alle Kinder des Dekanats im Erstkommunionalter und ihre Familien sind eingeladen. Beide Angebote werden beworben.

An vier Sonntagen finden die Vorbereitungsnachmittage statt. Die Themen stehen fest: „Wer bist du denn, Jesus“, „Auf zu neuen Abenteuern mit Jesus“, „Auf Jesus ist echt Verlass“ und „Mit Jesus kann man super feiern“. Sicher ist auch schon, wie ein Vorbereitungstag abläuft. Er beginnt mit einem biblischen Impuls und einer Katechese, dann vertiefen die Kinder und möglicherweise ihre Familien das Thema in Gruppen. Es folgt eine Eucharistiefeier, zum Abschluss essen alle gemeinsam zu Abend. Die Erstkommunion wird am letzten Sonntag der Treffen gefeiert oder nach Absprache in der Heimatpfarrei.

Logo des neuen Angebots im Dekanat Mainz-SüdWie sich die Kinder mit den Themen beschäftigen, ist noch offen. „Wir schauen, wer sich anmeldet, und versuchen, passende Angebote zu machen, ohne den Inhalt aus den Augen zu verlieren. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Jungen und Mädchen gerne töpfern, andere machen lieber Pantomime, werkeln mit Naturmaterialien oder gehen raus in die Natur. Nur wenn die Kinder mit dem Herzen dabei sind, kann der Glaube wachsen“, erklärt Eva Weinitschke. „Die Eltern sind eingeladen, ihre Ideen und Fähigkeiten einzubringen.“

Die Eucharistiefeier ist besonders wichtig. „Die Kinder können dabei einbringen, was sie an dem Tag erlebt haben. Darum geht es ja, dass wir unsere Lebenswirklichkeit vor Gott bringen, seine Gegenwart feiern und uns beschenken lassen“, sagt Krey.

„Wir können uns keine Konkurrenz machen“

Könnten die Katecheten in den Pfarreien ein zweites Angebot nicht als Konkurrenz verstehen? „Das ist absolut nicht unsere Absicht“, sagt Verena Krey. „Beide Konzepte sind gleich gut, nur eben nicht für alle Familien passend. Wer in der Gemeinde verwurzelt ist, für den ist es sicher gut, vor Ort an der Vorbereitung teilzunehmen. Andere Familien finden vielleicht ein Wochenendprogramm besser. Wir wünschen uns nur, dass die Familien eine Wahlmöglichkeit haben.“

Auch die Gefahr, dass die Familien keinen Anschluss an die Gemeinde bekommen, sieht die Gemeindereferentin nicht. „Uns ist es wichtig, dass sie eine Beziehung zu Jesus entwickeln und erfahren, dass sie eingeladen sind, diese im Mahl zu feiern.“ Dies könnten die Kinder in der Heimatpfarrei erleben, es gebe aber noch mehr Möglichkeiten. „Wir können uns in der Kirche gar nicht Konkurrenz machen, denn wir gehören alle zusammen“, sagt Krey.

Noch ist offen, wie viele sich anmelden. Für Andrea Keber ist das neue Modell aber schon ein voller Erfolg: „Für mich ist es toll zu sehen, dass Kirche in der Lage ist, etwas völlig Neues zu entwickeln und umzusetzen, und das in kurzer Zeit.“

 

Zur Sache: „Netzwerken“

2014 starteten Haupt- und Ehrenamtliche unter Leitung von Dekan Hubert Hilsbos den Dekanatsprozess. Es geht darum, Netzwerke zu schaffen, die neue Wege für eine lebendige Kirche suchen. Dabei entstand die Idee einer neuen Form der Kommunionvorbereitung.
Die Vorbereitungsnachmittage des neuen Modells dauern jeweils von 15 bis 18 Uhr. Der erste Termin ist Sonntag der 26. November, der letzte am 18. März.
Info: Verena Krey, Telefon 06138/981135, E-Mail: v.krey@kath-dekanat-mainz-sued.de