Lahnsteiner Ärztin Sabine Gies hilft, die Ausbreitung von Ebola zu vermeiden

Langfristiges Ziel Hygiene

Seit Monaten pendelt Sabine Gies, Tropenärztin aus Lahnstein, zwischen Deutschland und den westafrikanischen Staaten. Sie arbeitet für das Missionsärztliche Institut in Würzburg. Ihre Aufgabe: Die Prävention der Infektionskrankheit voranzubringen. Von Anken Bohnhorst-Vollmer.

Sabine Gies Foto: Anken Bonhorst-Vollmer
Sabine Gies bereitet Krankenhäuser, die an die Ebola-Zentren Liberia und Sierra Leone angrenzen, so vor, dass eine weitere Ausbreitung der Infektionskrankheit vermieden werden kann. Foto: Anken Bohnhorst-Vollmer

Ebola mag aus den Schlagzeilen verschwunden sein, aber nicht aus den betroffenen Ländern Westafrikas. Liberia gilt inzwischen zwar als Ebola-frei, aber Guinea und Sierra Leone sind noch lange nicht so weit.

Am 8. August 2014 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO Ebola zum internationalen Gesundheitsnotfall. „Endlich!“, sagt Dr. Sabine Gies vom Missionsärztlichen Institut Würzburg, der Katholischen Fachstelle für internationale Gesundheit. Monatelang waren Nachrichten über die sich ausbreitende lebensgefährliche Infektionskrankheit „nicht durch die Berichterstattung durchgekommen, weil andere Dinge auf der Tagesordnung standen“, erläutert die aus Lahnstein stammende Ärztin. Die Unruhen in Syrien, die sich zuspitzende Ukraine-Krise und schließlich die Fußball-Weltmeisterschaft waren die vorherrschenden Themen, obwohl die Hilfsorganisationen in Westafrika bereits seit dem Frühjahr berichteten, dass der Ebola-Ausbruch nicht mehr zu kontrollieren sei. Dennoch dauerte es bis zum Sommer, ehe diese Warnungen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erlangten und Hilfsmaßnahmen und -programme anliefen.

„Wir als Fachstelle sind hier gefordert“, entschied das Missionsärztliche Institut unmittelbar nach der WHO-Meldung. Da hatte die 51-jährige Ärztin gerade ihre Tätigkeit in Würzburg aufgenommen, nachdem sie zuvor 15 Jahre in Burkina Faso gearbeitet und am Tropeninstitut in Antwerpen geforscht hatte. Nach Deutschland war sie zurückgekehrt, weil die „Anbindung“ wichtig ist, sagt Gies, deren Liebe zu Afrika aus einer Brieffreundschaft aus Schülertagen entstand. Medizin habe sie studiert, um anschließend als Ärztin nach Afrika zu gehen, erzählt sie. Ihre erste Stelle in Burkina Faso erhielt sie über den Deutschen Entwicklungsdienst.

Private und berufliche Kontakte nach Deutschland hat Sabine Gies dennoch immer gehalten. Und im Frühjahr vergangenen Jahres war eigentliche eine Phase in der Heimat geplant. Aber dann kam Ebola. „Ich glaube, es gibt einen Plan dahinter, dass eins nach dem anderen kommt“, sagt sie. Deshalb sei es ihr leicht gefallen, sich sofort auf die neue Richtung auf ihrem Lebensweg einzulassen.

Das Fatale an dem Ebola-Ausbruch sei gewesen, dass anfangs niemand die Dramatik richtig eingeschätzt habe. Tatsächlich war diese Infektionskrankheit in Afrika zwar seit Langem bekannt und immer wieder lokal ausgebrochen. Die Erkenntnis lautete aber, „Ebola ist so tödlich, dass es sich nicht ausbreiten kann“, stellt die Tropenmedizinerin nüchtern fest. Der schnelle und tödliche Verlauf begrenzte den Radius der Verbreitung. Das Ebola aber, das im vergangenen Jahr zu wüten begann, hatte eine andere Struktur.

Die Krankheit könne nur eingedämmt werden, wenn eine ausreichende Infektionsprävention erfolge, lautete die Analyse der Katholischen Fachstelle für internationale Gesundheit in Würzburg. Dr. Sabine Gies sollte mithelfen, die Krankenhäuser in den Ländern, die an die Ebola-Zentren Liberia und Sierra Leone angrenzten, so vorzubereiten, dass sie eine weitere Ausbreitung von Ebola vermeiden könnten. Nur so können Burkina Faso, Mali, die Elfenbeinküste und der Senegal geschützt werden.

Allerdings sind ihrer Beobachtung zufolge die Gesundheitssysteme in den westafrikanischen Ländern derart abgewirtschaftet worden, dass Hygiene und Desinfektionsmaßnahmen äußerst mangelhaft sind. Und wenn Krankenhäuser selbst zur Infektionsquelle werden, ist das ein „Super-GAU“, sagt Gies. „Wer bringt denn dann noch seine Kranken in die Klinik?“ Auch die Mitarbeiter der Krankenhäuser seien gefährdet. Von rund 10.000 Ebola-Toten sind etwa 500 medizinisches Personal.

„Sauberes, konsequentes Arbeiten“ sei die wichtigste Aufgabe, sagt die Ärztin. Das müsse immer wieder vermittelt werden. Deshalb ist Sabine Gies in den letzten Monaten mehrmals nach Burkina Faso und in den Senegal gereist, um mit lokalen Partnern in Krankenhäusern Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten. Dabei solle das vorhandene System durchaus eingebunden werden, betont sie. Allerdings funktioniere das „nicht immer“. 

„Hygiene ist ein langfristiges Ziel“, betont Gies. Sie muss erlernt und geübt werden – und sie erfordert finanzielle Mittel, die „leider immer knapp sind“.