24.10.2017

Wormser Dom in 360-Grad-Optik

Per Mausklick durch Mauern

Technik als Auftakt der Tausend-Jahr-Feier des Wormser Doms: Interessierten bringt ein 360-Grad-Rundgang am Bildschirm ein uraltes Gemäuer auf
zukunftsträchtige Weise näher. Das passt auch zum Motto des Domjubiläums. Von Christian Burger.

Wormser Dom von oben
So kann eine 360-Grad-Dachlandschaft am Wormser Dom aussehen. | Foto: Torsten Hemke

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie die Orgel im Dom Sankt Peter zu Worms klingt? Oder wie es unter den schweren Metallgittern in der Gruft des Wormser Doms aussieht? Seit vergangener Woche ist es möglich, alle Facetten des Doms in Worms von zuhause aus virtuell zu entdecken. „Wir wollen den Dom auf vielfältige Weise sichtbar und erlebbar machen“, erklärt Pfarrer Tobias Schäfer, Propst am Dom in Worms. Dieses Projekt steht in Verbindung mit der Tausend-Jahr-Feier des Doms in Worms, die im Juni 2018 stattfindet.

„Aufgeschlossen“, so lautet das Motto für das Jubiläumsjahr. Es bezieht sich auf den Petrusschlüssel, der sowohl das Domwappen als auch das Wormser Stadtwappen ziert. Ziel ist es, Besucher mit Gott und Religion in Berührung zu bringen und ihnen außergewöhnliche Erlebnisse zu ermöglichen, auch mithilfe neuer Medien.

„Wir wollen uns zeigen und den Menschen einen Zugang eröffnen“, betont Propst Schäfer. So können Nutzer bei dem virtuellen Rundgang auch Räume erleben, die sonst nicht zugänglich sind, wie beispielsweise die Sakristei. Dort lassen sich selbst die Schränke durch einen simplen Klick öffnen. So wird die Computermaus zum virtuellen Schlüssel. „Wir durchdringen Mauern und schaffen Zusammenhänge, die real gar nicht darstellbar sind“, freut sich 3D-Panorama-Künstler Torsten Hemke.

Rundgang-Projekt auch in Mainz und Dresden

Hemke hat bereits die Dresdner Frauenkirche und den Mainzer Dom in Szene gesetzt. Seit dem Frühjahr ist er nun mit dem Rundgang-Projekt in Worms beschäftigt und hat jeden Winkel des Doms abfotografiert. Die Idee, das Bauwerk und Gesamtkunstwerk „Dom“ aus unterschiedlichsten Winkeln zu bestaunen, hat ihn von Anfang an fasziniert. „Man kann durch den Dachstuhl laufen, zum Fenster raus und wieder rein und dann die Kuppel vom Hochaltar von oben betrachten“, erklärt er begeistert.

Drohnenpilot Remigius Wloczkowski hat ihn bei dem Projekt unterstützt und bei gutem Wetter den Dom und ein paar umliegende Gebäude einige Wochen stundenlang umflogen und abgelichtet. „Die Feinarbeit ist sehr schwierig, da muss jedes Foto perfekt sitzen“, sagt er. Die Aufnahmen wurden am Computer bearbeitet, und so entstand dann der 3D-Effekt. Und wenn man sich mit der Computermaus ganz hoch in den Himmel über den Dom wagt, dann „wird Worms quasi zur Erdkugel“, sagt Torsten Hemke.

Doch für die Jubiläumsfeier plant Panoramakünstler Hemke noch eine weitere adrenalingeladene Attraktion. Ein VR-Projekt. VR ist die Abkürzung für virtuelle Realität und verschafft dem Nutzer Zugang zu einer Welt, in der er sich frei an Orten bewegen kann, die in der Wirklichkeit nicht zugänglich sind. So will Torsten Hemke es den Besuchern der Feierlichkeiten im Juni ermöglichen, auf einer Plattform zwischen den Osttürmen des Doms zu stehen und in luftiger Höhe zu balancieren.

Jeder einzelne Riss, jeder einzelne Dachziegel

Drohnenpilot Remigius Wloczkowski (links) und 3D-Panorama-Künstler Torsten Hemke auf dem Domgerüst. | Foto: Christian Burger
Drohnenpilot Remigius Wloczkowski (links) und 3D-Panorama-Künstler Torsten Hemke auf dem Domgerüst. | Foto: Christian Burger

Dazu braucht es keineswegs einen Aufzug, sondern nur eine VR-Brille, die einfach aufgesetzt wird. „Am Ende sehen Sie jeden Riss und jeden einzelnen Dachziegel. Das wird sensationell“, meint Drohnenpilot Remigius Wloczkowski. Die Besucher stehen dabei sicher an einem Geländer im Besucherzelt, doch die Eindrücke können so real wirken, dass schon manch einer bei erster Benutzung das Gleichgewicht verloren hat.

„Wir sind kein Eventpark“

Ordinariatsrat Thomas Klumb, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Mainz, beschreibt die technischen Attraktionen als einen ersten Schritt, der sowohl Spannung, als auch Neugier erzeugen soll. „Wir sind kein Eventpark, aber wir wollen trotzdem vermitteln, dass es ein Erlebnis sein kann, sich mit dem Dom zu beschäftigen“, sagt er und überlegt: „Vielleicht, wenn noch Zeit und Ressourcen übrig sind, gibt es irgendwann auch noch einen virtuellen Bungee-Sprung vom Dom.“

Wer den 360 Grad-Rundgang durch den Wormser Dom erleben möchte, kann dies im Internet tun unter: www.bistum-mainz.de

 

Zur Sache: „Lichtbrücke“ zwischen Dom und Lutherkirche

Doch nicht nur die Tausend-Jahr-Feier des Wormser Doms im nächsten Jahr im Juni steht an, sondern auch eine besondere Verbindung im Zeichen der Ökumene zum 500-jährigen Reformationsjubiläum in diesem Jahr. Dazu wird vom 27. Oktober bis 1. November abends zu jeder vollen Stunde mit großen Strahlern eine unübersehbare „Lichtbrücke“ zwischen dem Dom und der Lutherkirche in Worms erschaffen. „Diese vielfarbige Brücke soll ein Zeichen dafür sein, dass wir als Christen gemeinsam unterwegs sind“, sagt Pfarrer Tobias Schäfer, Propst am Wormser Dom. Auch Fritz Delp, Pfarrer der Luthergemeinde, freut sich über diese Verbindung und vor allem darüber, dass Propst Schäfer am Reformationstag die Predigt in der Lutherkirche halten wird. Scherzhaft fügt er an: „Und gerne wieder, das muss dann aber nicht nochmal 500 Jahre dauern.“ (cb)