16.05.2017

Professor Peter Kohlgraf an seinem bisherigen Arbeitsplatz

„Mein Busticket behalte ich“

Wo war der künftige Mainzer Bischof bisher tätig? Der Pastoraltheologe Peter Kohlgraf zeigt Journalisten seinen Arbeitsplatz: die Katholische Hochschule Mainz. Beim Rundgang spricht Kohlgraf darüber, was ihm wichtig ist. Von Anja Weiffen.

Professor Kohlgraf inmitten von Studierenden seines Kurses  Praktische Theologie an der KH. | Foto: Anja Weiffen
Professor Kohlgraf inmitten von Studierenden seines Kurses Praktische Theologie an der KH. | Foto: Anja Weiffen

Ins Grüne kann Peter Kohlgraf in seinem Büro an der Katholischen Hochschule (KH) Mainz schauen. Nur wenige Quadratmeter ist das Zimmer groß. Aber es wird ihm immer in Erinnerung bleiben, als der Platz, an dem er von seiner Wahl zum Bischof von Mainz erfuhr.

Gespräch mit Gläubigen und Nicht-Gläubigen

Rund 20 Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen nehmen an dem Rundgang durch die KH teil. Nur die Hälfte von ihnen passt in das Zimmer des Professors. Einer nach dem anderen steckt den Kopf durch den Türbogen, um einen Blick auf den bisherigen Arbeitsplatz des künftigen Bischofs zu erhaschen.

Peter Kohlgraf zeigt auf das Telefon hinter sich. „Ich war mit dem Fahrrad von meinem Wohnort Partenheim zur Hochschule gefahren, dementsprechend sah ich aus, als das Telefon klingelte und Domdekan Heinz Heckwolf am Apparat war und um ein Gespräch bat“, erinnert er sich. Als der Anrufer auf einen baldigen Gesprächstermin drängte, „sind bei mir die Lampen angegangen“, erzählt Peter Kohlgraf weiter.

Zusammen mit Professor Martin Klose, Rektor der KH, hat Kohlgraf zu dem Presserundgang eingeladen, um über seine Tätigkeit als Pastoraltheologe zu sprechen. „Aber auch um zu zeigen, dass jemand, der Bischof wird, vorher ein normales Leben geführt hat“, sagt Kohlgraf. Er fährt Fahrrad, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und möchte ein Stück seines normalen Lebens weiterführen. „Mein Busticket behalte ich. Es wird schon niemand im Bus in Panik geraten, wenn ich einsteige“, sagt der künftige Bischof augenzwinkernd.

Als Pastoraltheologe geht es ihm darum, mit Gläubigen, Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen ins Gespräch zu kommen. Der Glaube an Gott und Jesus Christus bleibt das Fundament, „aber wie wir unseren Glauben formulieren, das verändert sich immer wieder“. Mit seinen Studierenden, den künftigen Gemeindereferentinnen und -referenten, habe er darüber nachgedacht, wie sich Kirche aufstellen muss, um wirklich mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Von Lebenswelt junger Menschen her denken

Ein großes Anliegen ist Peter Kohlgraf die Schulpastoral, die  an der KH zu seinen Lehrveranstaltungen gehörte. Es sei wichtig, von der Lebenswelt junger Menschen her denken zu lernen, betont er.

Als Professor forschte Kohlgraf unter anderem zum Thema Vergeben und Versöhnen. Im Fokus stand eine Studie mit Ehepaaren, die danach befragt wurden, wie sie mit Verletzungen umgehen und wie sie einander vergeben. „Ich hatte bei der Studie den theologischen Part übernommen“, berichtet Kohlgraf. Die große Frage war: Können Christen besser vergeben? Das Ergebnis der Studie lautete: Nein. „Christen vergeben wie andere Menschen auch“, berichtet der Pastoraltheologe. „Christen sind nicht die besseren Menschen, das war eine wichtige Erkenntnis für mich.“

Ihm ging es bei der Studie auch um die Frage: „Was können wir von der Beziehungskompetenz dieser befragten Ehepaare für unsere pastorale Arbeit lernen?“
 

Gute Ergänzung in der Bischofskonferenz

Die Pastoraltheologie sei eine von mehreren unterschiedlichen Dimensionen der Theologie, erklärt der Professor. Eine Dimen-
sion, die durch ihn demnächst auch in der Bischofskonferenz vertreten sei. „Eine gute Ergänzung“, findet Kohlgraf.

 

Nachgefragt: „Man merkt, er steht hinter dem, was er sagt“

Vanessa Bilger Foto: Anja Weiffen
Vanessa Bilger
Foto: Anja Weiffen

Er ist humorvoll, aber genauso auch ernsthaft, sagt Vanessa Bilger auf die Frage nach dem Unterrichtsstil von Professor Peter Kohlgraf. „Es hat immer Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Er hat viel aus der Praxis erzählt, viele Beispiele gebracht, etwa aus seiner Zeit in der Schule als Schulseelsorger und Religionslehrer. Oder er hat berichtet, wie es in seiner Pfarrei ist. Das hat es für uns Studierende leichter gemacht, Dinge nachzuvollziehen“, berichtet Vanessa Bilger. Die 27-Jährige aus Stuttgart ist im sechsten Semester, hat die gesamten drei Jahre bei Professor Kohlgraf Praktische Theologie studiert und will Gemeindereferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden.

Auf die Frage, was sie am meisten an Kohlgrafs Art zu unterrichten schätzt, sagt die Studentin: „Man merkt, er steht hinter dem, was er sagt. Er ist davon überzeugt. Das hat uns Studierenden das Gefühl gegeben, wir können unser Christsein und unsere Arbeit in der Gemeinde gut miteinander verbinden.“

Als sie gehört hat, dass ihr Professor Bischof werden soll, „konnte ich das erst gar nicht glauben. Aber dann haben wir Studierende uns sehr über seine Wahl gefreut.“

Peter Kohlgraf bleibt bis zur Weihe Professor an der KH, lehrt aber nicht mehr. Seine Lehrveranstaltungen von 18 Semesterwochenstunden haben andere Lehrkräften der KH übernommen. Auch seine Tätigkeit als Dekan wird Professor Kohlgraf bis zur Weihe nicht mehr ausüben. Ende Mai soll ein neuer Dekan für den Fachbereich Praktische Theologie gewählt werden. (wei)

Infos zur KH: www.kh-mz.de

 

Zur Sache: Kirche und Welt im Austausch

Professor Peter Kohlgraf ist Pastoraltheologe. Die Pastoraltheologie reflektiert das kirchliche Handeln in dieser Welt und in der modernen Gesellschaft. Dazu braucht sie nicht nur ein theologisches Fundament, sondern arbeitet auch mit humanwissenschaftlichen Erkenntnissen, etwa der Psychologie und der Soziologie. Es geht ihr um einen ständigen Austausch zwischen dem Glauben der Kirche, ihrer Verkündigung, der kirchlichen Praxis und der gelebten Wirklichkeit der Menschen heute. (pm)