11.05.2016

Der jüdische Witz hat das Morden der Nazis überlebt

Melancholie verfliegt

„Gute Geschichten sind knapp, gradlinig und zur Pointe zugespitzt. Die besten enden im Gelächter.“ So definiert Josef Joffe den Witz. Auch was einen guten jüdischen Witz ausmacht, kann man – humorvoll geführt – von ihm lernen…

Karikatur Foto: dpa
Nicht immer ist’s zum Lachen … Wer Joffe liest, kennt sich aber nachher aus.
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„Aber erzählen muss man ihn können“: Was nützt der schönste Witz, wenn der Erzähler diese Kunst nicht beherrscht? Josef Joffe kann Witze erzählen – sein Buch zeugt auf jeder Seite davon. Zugleich hat er den klaren Blick für das Unterscheidende, ein feines Gespür für die Zwischentöne und den Mumm für ein klares Urteil (Witz oder Nicht-Witz).

Ein weiterer großer Vorteil: Joffe ist selbst Jude. Deshalb gelingt ihm der Parcours um die Fettnäpfchen deutscher Vergangenheitsbewältigung ohne Geschmacksverirrung.

Ob es den jüdischen Witz überhaupt noch gibt? Schließlich haben die Nazis in Deutschland und Osteuropa vernichtende Arbeit geleistet. Doch Joffe findet dessen neue Heimat: Amerika, Kanada, Großbritannien. Was geblieben ist? Joffe: „Er funktioniert wie eh und je: das Wortspiel, die Aggression, die sich in Selbstironie auflöst, die zugespitzte, aber nicht verletzende Pointe, der schnelle Stich in die Blase der Selbstgefälligkeit … die Melancholie verfliegt im befreienden Gag …“ Ach, lesen und lachen Sie doch selbst! Joffe weiß, wovon er schreibt.

 

Zitiert: „Wir haben noch 72 Stunden Zeit“

Cover: Mach dich nicht so klein, du bist nicht so gross!Drei Witze von Josef Joffe aus seinem Buch über „den jüdischen Humor als Weisheit, Witz und Waffe“:

Zwei frisch eingewanderte Juden sitzen im Unabhängigkeitskrieg 1948 im Schützengraben an der Südfront. Während die ägyptischen Panzer immer näher kommen, geht den beiden die Munition aus; die Lage ist verzweifelt. Seufzt der eine: „Wenn uns die Briten schon ein Land geben mussten, das ihnen nicht gehört, warum konnten sie uns nicht die Schweiz schenken?“

Ein jüdischer Geschäftsmann klagt: „Seit einem Jahr mache ich nur noch Verluste.“ Sein Freund: „Dann mach doch das Geschäft zu.“ – „Und wovon soll ich dann leben?“

Gott beschließt, eine neue Sintflut zu schicken, und informiert die Abgesandten der drei Religionen: „Genug ist genug! In drei Tagen ist es vorbei mit der Menschheit!“ – Der Papst nach der Rückkehr zu seinen Schäflein: „Hüllt euch in Sack und Asche und tut Buße; das Ende naht.“ – Der evangelische Bischof: „Uns bleibt nur noch das inbrünstige Bitten um Gnade; damit Er uns erhöre und das furchtbare Schicksal von uns abwende.“ – Der Oberrabbiner: „Juden, wir haben noch 72 Stunden Zeit, um zu lernen, wie man unter Wasser lebt.“

 

Buch zu gewinnen

Die Kirchenzeitung verlost fünf Exemplare des Buchs „Mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß“ (19,99 Euro) aus dem Siedler Verlag. Bitte rufen Sie am Dienstag, 17. Mai, von 10 bis 10.15 Uhr an.
Telefon: 06131 / 2875535