14.06.2017

Priestertag zu Ehe - und Familienpastoral

Ein ausbaufähiger Schatz

Einen Vormittag lang befassten sich 170 Geistliche beim Priestertag in Fulda mit Ehe - und Familienpastoral in der heutigen Zeit. „Amoris Laetitia, das Wort der Bischöfe – und jetzt?“ lautete das Thema. Vier Theologen meldeten sich zu Wort.

Segen für Ehepaare und Familien. Foto: Hans-Joachim Stoehr
Der Segen für Ehepaare und Familien zählt zu den vielfältigen Angeboten
der Seelsorge für die „Keimzellen des Glaubens“. | Foto: Hans-Joachim Stoehr

Weihbischof Karlheinz Diez

„Amoris laetitia führt nicht auf den Weg der einfachen Lösungen. Im Gegenteil.“ Das sagt Weihbischof Karlheinz Diez über das Schreiben von Papst Franziskus (siehe „Zur Sache“). Diez gehört in der Deutschen Bischofskonferenz der Kommission für Ehe und Familie an. Aus dem Wort, das die Bischöfe im Februar vorstellten, nennt Diez vier Säulen für eine Ehe- und Familienpastoral:
1. Die Ehevorbereitung bedarf einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters.
2. Die Ehebegleitung soll verstärkt werden. Eheleute und Familien, insbesondere auch konfessionsverbindende Ehen, sollen in der Kirche Angebote für ihre Lebenssituation finden.
3. Die Familien sollen als Lernorte des Glaubens unterstützt und in dieser oft schwierigen Aufgabe gestärkt werden.
4. Die Zerbrechlichkeit von Ehe und Familie verlangt ein besonders sensibles Verhalten. Papst Franziskus hat dafür den Dreiklang von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern ins Gespräch gebracht.

Weihbischof Diez warnt davor, Amoris laetitia auf das achte Kapitel engzuführen. In diesem Kapitel geht es um die Frage der irregulären Situationen, etwa der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten. So weise der Papst darauf hin, das wichtiger als die Seelsorge für die Gescheiterten ist heute das pastorale Bemühen, die Ehen zu festigen und so den Brüchen zuvorzukommen (AL 307).

 

Seelsorgeamtsleiter Thomas Renze

Der Leiter des Seelsorgeamts weist auf viele Formen von Familien hin: Vater, Muter, Kinder, aber auch alleinerziehende Mütter/Väter oder sogenannte Patchwork-Familien, die sich etwa aus Kindern aus verschiedenen Beziehungen zusammensetzen. Für die Seelsorge ist die Familie de „Keimzelle des Glaubens“, der Ort, an dem Glaube als erstes weitergegeben wird. Wo dies geschieht, ist für Renze eine solche Familie ein „pastoraler Ort“. Für Renze sind in diesem Zusammenhang auch Kindertagesstätten Orte, an denen über Glauben in den Familien gesprochen werden kann. Renze nennt die vielfältigen Angebote, die es für Eheleute und Familien gibt. So verweist er beispielsweise auf Segnungsgottesdienste für Paare und Familie. Und er nennt die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL), die in den Städten Fulda, Hanau, Kassel und Marburg vertreten sind. „Wir haben einen großen Schatz an Möglichkeiten, der aber noch ausgebaut werden kann.“

 

Doris Meyer-Ahlen, Seelsorgeamt

„Nicht das viele Wissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das innerliche Verspüren und Schmecken der Dinge.“ Diesen Satz aus Amoris laetitia (Nr. 207) nennt Doris Meyer-Ahlen zur Ehevorbereitung. Meyer-Ahlen ist im Seelsorgeamt unter anderem für die Ehevorbereitungskurse zuständig. Nach dem Apostolischen Schreiben geht es in der Ehevorbereitung nicht so sehr darum, den ganzen Katechismus zu lernen. Vielmehr gehe es darum, dass die Paare „sich verstanden fühlen“. Hierbei spiele der erste Kontakt – meist zu einem Seelsorger – eine entscheidende Rolle, so die Erfahrung Meyer-Ahlens. Denn: Viele Paare erlebten eine Spannung: einerseits dem Wunsch, mit dem Segen Gottes ihren Weg der Ehe zu beginnen, andererseits und einer Verunsicherung, weil sie mit den katholischen Traditionen „fremdeln“. Die Theologin: „Dann kann es als sehr befreiend empfunden werden, wenn Pfarrer, Kaplan oder Diakon  mit  dieser  Spannung konstruktiv umgehen und die Chancen sehen.“ Meyer-Ahlen verweist auf das Papstschreiben, wonach Ehebegleitung kein „Fertigprodukt“ sei.  Wichtig sei vielmehr, dass in der Ehevorbereitung die Paare und ihr Weg im Mittelpunkt stehen. Sie sind die Subjekte, nicht die Objekte der Pastoral.


Rupert Scheule, Moraltheologe

„Ehevorbereitung und Ehebegleitung im Geist von Amoris laetitia beruhen auf der Freiheit der Beteiligten.“ Diese These vertritt Professor Rupert Scheule. Für den  Moraltheologen der Theologischen Fakultät Fulda bedeutet dies aber nicht , dass damit jeder mache könne, was er will. „Sich dieser Freiheit zu stellen, ist eine ernste Sache, denn das geht einher mit der Verantwortung und deren Folgen.“ Diese freie Entscheidung aus dem Gewissen könne einem niemand abnehmen. Die Folge: „Es geht darum, eine Entscheidung zu begleiten und nicht stellvertretend zu entscheiden.“ In „Amoris laetitia“ wird laut Scheule der Blick nicht nur auf das Objekt gerichtet, sondern auch auf die Umstände. Das gehöre dazu. Und: „Amoris Laetitia ist ein einziger Aufruf zur Seelsorge.“ Diese sei aber anspruchsvoll. Denn der Seelsorger müsse da sein, zuhören und auch einmal bereit sein, einfach nichts zu tun. Für den Moraltheologen steht fest: „Wer in seiner Ehe gescheitert ist, aber den Weg der Versöhnung geht, also Reue für das zeigt, was er falsch gemacht hat, Verzeihung sucht, sich verzeihen lässt und selbst verzeiht, legt auf gebrochene Weise ebenfalls Zeugnis von Gottes Liebe ab.“ Er gehöre in die Mitte des Volkes Gottes.“

 

Papstschreiben Amoris laetitia

Das Schreiben „Amoris laetitia“ – auf deutsch „Die Freude der Liebe“ – von Papst Franziskus erschien am 8. April 2016. Vorausgegangen waren die Bischofssynoden 2014 und 2015, die sich mit Ehe und Familie befassten. In der Folge haben die Bischöfe das Schreiben beraten. Als Ergebnis wurde am 1. Februar ein Wort veröffentlicht. Sein Titel: „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“.