13.01.2016

Wie ein Zisterzienser die Welt des Geldes christlich durchdringen will

Reich werden mit Gott

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt.“
So steht es im Evangelium. Gilt das denn jetzt auch schon nicht mehr? Der Buchtitel des Zisterziensers Gregor Henckel-Donnersmarck legt das nahe. Auf den ersten Blick… Von Johannes Becher.

 

Geld Foto: fotolia
Geld ist genug da. Die wesentliche Frage: Wie wird es gerecht verteilt auf alle?
Foto: fotolia

Denn in der Tat glaubt der Autor an das Gute im Reichen. Es gibt sie doch, die Menschen, die verantwortlich mit ihrem Vermögen umgehen. Und so können die Gedanken von Henckel-Donnersmarck als Plädoyer für die Prinzipien der klassischen katholischen Soziallehre verstanden werden (einige Gegenakzente setzen die Bücher unter „Tipps“ in der Randspalte rechts). Denn seine zehn Grundsätze für den wirtschaftlichen Erfolg singen das Hohelied der Demut, geißeln die Gier, stärken die Rede vom Recht auf Privateigentum und stellen materielles Vermögen unter den Gemeinwohlvorbehalt. Kurz: „Reich sein allein ist noch keine Sünde.“ Erst der Umgang mit den Gütern offenbart die „christliche Lektion“:

„Wem es in seinem materiellen Reichtum an Demut mangelt und wer meint, sich alles erlauben zu können, nur weil er viel Geld hat, der begeht tatsächlich eine schwere Sünde.“

Was also sollen „Reiche“ tun, die die christliche Lektion der Demut verstanden haben? Henckel-Donnersmarck: „Es ist die Pflicht der Vermögenden, die Welt an ihrem Reichtum partizipieren zu lassen, und zwar so, wie es ihnen nach kluger Prüfung sinnhaft und nützlich erscheint.“ Und so macht er den Vorschlag, doch das Wort „Vermögen“ lieber klein zu schreiben: Wer Geld hat, der „vermag“ damit die Welt zu verändern.

Cover Buch: GeldWer seinen zehn Prinzipien folgt, um sich christlich sauber „Wohlstand zu schaffen“, der begeht keine Sünde, sondern handelt moralisch wertvoll. Und der Mönch nennt das: „Reich werden mit Gott.“
Das schreibt ein Mann, der als Abt in Heiligenkreuz in Österreich selbst große Verantwortung für die Güter und Werte seines Klosters hatte. Und der alles Wirtschaften stets im benediktinischen Geist der „Regula“ – ora et labora et lege – beten, arbeiten, lesen – verstanden hat: Er sieht alles Wirtschaften als eine Form der Beziehung unter Menschen, im Dienst ihrer Bedürfnisse, allzeit ehrlich, mit dem Blick für das Wohl aller und das der Schöpfung, nicht zerfressen von Geldgier und Ehrgeiz, immer voller Hoffnung … Ein ehrbarer Kaufmann eben.

Sorgt euch um die Work-Life-Balance, „verwechselt nicht Firma und Familie“, kauft nur ethisch saubere Aktien. Und alles gute Schaffen soll unter dem Geist des Gebets stehen. Kluge Spenden müssen sein, bei ererbtem Reichtum könnte es eine Stiftung werden, ein maßvoller Luxus darf sein. „Ihr begeht keine Sünde, indem ihr eure weltlichen Bedürfnisse in guter Weise befriedigt.“

Ist der Alt-Abt ein Träumer? Irgendwie scheint es weltfremd, was er schreibt in Zeiten von Bankenrettung und Börsengötzen. Denn die Frage nach den Sünden des Systems – „der strukturellen Sünde“, wie sie die Befreiungstheologen nennen – bleibt offen. Genügt da die unverbrüchliche Hoffnung auf das Gute im Menschen? Darauf, dass es doch Einzelne gibt und geben kann, die mit ihrem Reichtum allen dienen wollen? Wie aber begegnet man „christlich“ all den Heuschrecken im System?

 

 

Die Kirchenzeitung verlost fünf Exemplare des Buchs „Reich werden auf die gute Art“ (9,99 Euro) aus dem Verlag Herder. Bitte rufen Sie am Montag, 18. Januar, von 10 bis 10.15 Uhr an.
Telefon: 06131 / 2875535

 

Zitiert: Über den Geiz

„Für den Vermögenden ist der Geiz das Laster, das sein Vermögen im ethischen, aber auch im wirtschaftlichen Sinn, wertlos werden lässt. Der Geizige, der sich an sein Geld klammert, vermag damit nichts mehr in Bewegung zu setzen, er ,vermag‘ nichts mehr mit seinem ,Vermögen‘, wird unfähig, Almosen zu geben und macht sich zum Sklaven seines Geldes.“
Gregor Henckel-Donnersmarck