08.11.2017

Was „Bless U“ nicht kann

„Die Fragen der Menschen“: Diesmal zum Thema Segen, von Robotern und Menschen. Was ist Segen und wer darf segnen? Heute antwortet Pastoralreferentin Janine Hannappel von Frankfurts Jugendkirche Jona.

Segensroboter "Bless U" Foto: EKHN
Vor kurzem war „Bless U“, der weltweit erste Segensroboter, in Frankfurt.
| Foto: EKHN

Was halten Sie von dem Segensroboter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau?
Ich freue mich, dass über diesen kleinen Roboter das Thema Segnen wieder diskutiert wird. Roboter spielen in unserem alltäglichen Leben eine immer größer werdende Rolle – ob es der kleine Saugroboter oder eine mit uns sprechende Fernbedienung ist. An diese alltagsnahe Erfahrung setzt dieser Segensroboter an. Das macht es uns leichter, Segen als alltägliches Geschehen wieder neu wahrzunehmen und uns damit auseinanderzusetzen. Das finde ich super. Im konkreten Umgang mit dem Roboter sind es sicher die Neugier und die niedrigere Hemmschwelle, die einen Erstkontakt erleichtern, Menschen wieder sensibilisieren und ihre eigenen Wünsche nach Segen wecken. Man sollte aber diesen Roboter als das ansehen, wofür er gebaut wurde: eine Kunstinstallation, die bewusst provozieren soll. Ein gelungenes Projekt, aber sicher keine ernsthafte Möglichkeit, den Segen Gottes weiterzugeben.

Was bedeutet „segnen“ genau?
Von der lateinischen Bezeichnung „benedicere“ wird Segen übersetzt mit „etwas Gutes sagen“. Genau das erfahren Menschen, die gesegnet werden. Gott ist bei ihnen, er will sie stärken und sie vor Schlechtem bewahren.

Janine Hannappel Foto: privat
Janine Hannappel I Foto: privat

Wer darf segnen?
Letztlich darf jeder Christ segnen. Wir alle sind zum allgemeinen Priestertum berufen, welches wir in Taufe und Firmung erhalten. Durch unsere verschiedenen Rollen im Leben haben wir unsere Aufgaben zum Segnen. Kleine Segensbringer begegnen uns jedes Jahr im Januar: Die Sternsinger haben den Auftrag, den Segen Gottes in alle Häuser zu bringen. In einem anderen Fall segnen Eltern ihre Kinder. Im Gottesdienst ist es dem Priester vorbehalten, am Ende der Feier den Segen zu sprechen. Es gilt also, auf den Anlass zu schauen. Vor allem ist es wichtig zu sehen: Der Segenschenkende ist letztlich nicht der Mensch, sondern Gott.

Wie sollen wir segnen?
Dass es nicht eine alleinige Form des Segnens gibt, zeigt sich schon an der Tatsache, dass es ein eigenes Segensbuch, das Benediktionale, gibt, in dem vielfältige, wenn sicher auch nicht alle Formen von Segen und Segensfeiern erläutert werden. Es ist eine wichtige Aufgabe für uns, dem Segen Empfangenden diesen sichtbar zu machen durch Zeichen, Worte und Gesten. Auch hier gilt es, auf Anlass und Beauftragung zu schauen. Ich finde es beispielsweise ein sehr wertvolles Zeichen, wenn Eltern dem Kind ein Kreuz auf die Stirn zeichnen und ihm dabei bewusst in die Augen schauen. So habe ich es selbst immer als Kind erlebt, wenn ich das Haus morgens verlassen habe. Es gilt, das eigene Gespür ernstzunehmen und dem anderen den Segen authentisch zuzusprechen.

Wen darf ich segnen? Muss der zu Segnende immer einverstanden sein? Darf ich als Christ einen „Andersgläubigen“ segnen?
Bei diesen Fragen geht es wohl nicht um eine Frage nach einem Gebot, das uns erlaubt und verbietet, andere Menschen zu segnen. Ich finde, segnen ist ein sehr persönliches Geschehen – ein Moment, in dem ich stellvertretend für Gott seinen Segen weiterschenke. Dabei gilt es vor allem, den Willen eines anderen Menschen ernstzunehmen. Natürlich darf ich Gott jederzeit bitten, beispielsweise einen anderen Menschen auf seiner Reise zu beschützen. Ich finde es jedoch sehr wichtig, nicht übergriffig zu werden. Ich bin nur der Mittler, es ist eine Verbindung zwischen Gott und dem Menschen, für den wir den Segen von Gott erbitten. Wenn die Person Gott ablehnt oder diesen Segen nicht möchte, sollten wir diese Freiheit respektieren und nicht versuchen, ihr Gottes Geschenk aufzudrängen.

Muss der zu Segnende immer anwesend sein?
Einen Segen stellvertretend für Gott einem Menschen zuzusprechen, ist ein sehr persönliches Geschehen. Wer schon mal erlebt hat, wie er einem anderen Menschen das zugesprochen hat, der weiß, wie wichtig es ist, dem anderen Menschen in die Augen zu sehen und vielleicht auch, ihm ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen. Das ist durch diese Nähe ein sehr persönlicher Moment. Wenn dies nicht möglich ist, schließt das jedoch die Möglichkeit eines Segens nicht aus. Gott braucht uns nicht als unmittelbares Transportmedium, ohne den Segen nicht möglich wäre. Es ist vor allem für unser menschliches Empfinden wichtig, aber nicht zwangsweise notwendig, dem Menschen direkt gegenüberzustehen.


Fragen zusammengestellt von Ruth Lehnen


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