07.09.2017

Von der Evakurierung in Frankfurt waren auch katholische Einrichtungen betroffen

Wenn die Kirche zu bleibt

Mehr als 60 000 Menschen mussten in Frankfurt wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe evakuiert werden. Von der Maßnahme betroffen waren auch katholische Einrichtungen. Von Bernhard Perrefort.

Malteser helfen unter anderem bei der Evakuierung von Patienten. Insgesamt führten sie 130 Transporte aus. | Foto: Matthias Wach
Malteser helfen unter anderem bei der Evakuierung von Patienten. Insgesamt führten sie 130 Transporte aus. | Foto: Matthias Wach

Viel geschlafen hat Thorsten Staarmann nicht. Am Montagmorgen ist der Bereichsleiter der Malteser-Einsatzdienste in Frankfurt um 3 Uhr ins Bett gekommen. Aber er ist „sehr zufrieden. Alle Helferinnen und Helfer waren hoch motiviert und hoch professionell“, lobt Staarmann die Malteser-Gruppen, die nicht nur aus Frankfurt, sondern aus Bad Homburg, Rüdesheim, Wetzlar, Kelkheim, Limburg, Mainz und Fulda zur Unterstützung kamen.

Gut 200 Malteser leisteten am Samstag und Sonntag fast 3000 ehrenamtliche Helferstunden. Dazu zählten die Mitarbeit im Lagestab, die Evakuierung des Bürgerhospitals und von Altenheimen sowie die Betreuung der Menschen in der Notunterkunft Messe. Nicht nur das: Die Malteser stellten auch zahlreiche Krankentransport-, Rettungs-, Mannschaftstransport- und Einsatzleitwagen zur Verfügung. Besonders gefragt waren zudem die zehn Behindertentransportwagen der Fuldaer Malteser.

Mehrere Tage im Einsatz

Die Planung begann schon mittwochs. Am Freitag sei dann mit der Evakuierung begonnen worden. Gegen 19 Uhr am Sonntag habe der Rücktransport angefangen, zuerst die Patienten aus Krankenhäusern, dann Altenheimbewohner und andere Menschen, berichtet Staarmann. 60 Menschen, die anderweitig untergekommen waren, würden im Laufe des Montag rückverlegt.
Evakuiert wurde auch das St.-Marienkrankenhaus. Fast 50 Patienten wurden bereits ab Freitag ins St. Elisabethen-Krankenhaus in Frankfurt-Bockenheim verlegt, das ebenfalls zur Dernbacher Gruppe Katharina Kasper gehört. Um genügend Platz für die Evakuierung vorzuhalten, hatte das Elisabethen-Krankenhaus mit Bekanntwerden der notwendigen Evakuierung keine neuen Patienten aufgenommen, sodass genügend Betten zur Verfügung standen. Außerdem wurden in beiden Häusern geplante Operationen verschoben.

Krankenhaus und Altenheim

„Wir hatten das Glück, dass wir alle unsere Patienten sicher und durch die Rettungsdienste gut betreut in das St. Elisabethen-Krankenhaus nach Bockenheim verlegen konnten. Es lief alles reibungslos“, sagt Monique Bliesener, kaufmännische Direktorin beider Häuser. Und lobt Mitarbeiter und Menschen an wichtigen Schnittstellen wie Labor, Küche und Haustechnik für „hervorragende Unterstützung“. Die Geburtshilfe wurde von Samstagmorgen bis Montagmorgen komplett geschlossen, um Müttern und ihren Neugeborenen unnötigen Stress zu ersparen. Seit Montagfrüh ist das Marienkrankenhaus wieder betriebsfähig.

Viel organisieren musste ebenfalls Bernd Trost vom Franziska-Schervier-Altenpflegeheim in Frankfurt. Vier bettlägerige Bewohner des St.-Konradheimes wurden schon am Samstag aufgenommen. Am ganzen Sonntag waren rund 60 Menschen aus diesem Haus und aus der Einrichtung des „Lichtblick e.V.“ zusätzlich zu versorgen und zu betreuen. Und obwohl beide Einrichtungen „auch eigenes Personal mitbringen“, hatte Trost seine Leute gebeten, „bei Bedarf zu unterstützen“.

Wenn die Messe ausfallen muss

Weil die Kirchen St. Ignatius und St. Albert im Sperrbezirk lagen, entfielen Gottesdienste. Die jeweiligen Nachbargemeinden luden nicht nur zu Gottesdiensten ein, sondern öffneten sich auch den Evakuierten. Zum Beispiel St. Antonius: „Schnell war klar. Wir öffnen das Gemeindehaus. Es waren Lebensmittel eingekauft. Um 8 Uhr trafen die ersten Gäste ein: ältere Menschen, die sich hier auskannten aus unserer gemeinsamen Zeit Ignatius/Antonius“, berichtet Pastoralreferentin Beatrix Henrich. Nach Messe und Kindergottesdienst war Flohmarkt, zu dem einige Aussteller aber nicht kommen konnten. „Wer hier blieb, konnte Würstchen und Kuchen essen. Es wurden Biertische in den Hof gestellt, Familien, die beim Flohmarkt waren, blieben bis 19.30 Uhr im Hof. Später wurde noch mal Pizza gegessen“, beschreibt Henrich den Tag.

Redakteur Bernhard Perrefort
Redakteur
Bernhard Perrefort

Meinung: Man hilft sich – ganz einfach

Wenn das Auffinden und das Entschärfen der Weltkriegsbombe etwas Gutes an sich hatte, dann eines: Die Menschen rücken im Notfall zusammen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Da laden zum Beispiel Frankfurter ihnen wildfremde Menschen ins Haus oder in die Wohnung ein und verköstigen sie. Respekt. Alles ganz selbstverständlich. Wie schön wäre es, wenn sich dieses Menschelnde abseits von Katastrophen ein wenig in den Alltag retten würde.