23.08.2017

Bäuerin Brigitta Brähler-Fischer im Porträt

Wenn Gott für uns ist

Ihr Alltag ist mit der Erde verbunden. Bäuerin Brigitta Brähler-Fischer bewirtschaftet einen Hof in der Nähe von Fulda. Geerdet ist auch ihr Glaube, den sie im Alltag lebt. Von Hans-Joachim Stoehr.

Alltag einer Landwirtin: Brigitta Brähler-Fischer bei ihren Kühen im Stall | Foto: Hans-Joachim Stoehr
Alltag einer Landwirtin: Brigitta Brähler-Fischer bei ihren Kühen im Stall | Foto: Hans-Joachim Stoehr

Die Geräusche der Autobahn A 7 sind auf dem gesamten Hofgelände zu hören. Kein Wunder – die Fernstrecke von der Nordsee bis zu den Alpen verläuft nur wenige hundert Meter vom Anwesen entfernt. Dort lebt die Großfamilie von Brigitta Brähler-Fischer. „Wir hören die Autobahn nicht mehr“, sagt die 50-Jährige, die seit ihrer Geburt auf dem elterlichen Hof wohnt.

Die Rhönautobahn wurde in den 1960er Jahren zwischen Bad Hersfeld und Würzburg gebaut. Da, wo heute Lastwagen und im Sommer Urlauber nach Norden und Süden unterwegs sind, waren einst landwirtschaftliche Flächen des Brählerschen Hofs. Die Landwirtschaft ist auch der Grund, weshalb Brähler-Fischer bisher nicht so oft in den Urlaub gefahren ist. „Aber in Jerusalem und Rom war ich schon. Das war sehr schön“, sagt sie voll Begeisterung.

Maispflanzen verdecken Blick auf Rhönberge

Die Landwirtin geht mit ihrer Tochter Marielena (9) über den Hof. Sie zeigt in die Richtung der fast zwei Meter hohen Maispflanzen. „Wenn der Mais noch kleiner ist, kann man bis in die Rhön schauen“, sagt sie. Im Stall stehen ein Dutzend Milchkühe sowie die etwa gleiche Zahl Rinder. Sie weist auf den Kopf einer Kuh hin. „Sie haben noch Hörner. In größeren Betrieben geht das nicht. Da ist die Gefahr groß, dass sie sich verletzen.“

Auf dem Hof leben drei Generationen. Brähler-Fischers Eltern im alten Haus, sie mit ihrer Familie in einem neueren. Und alle helfen sich gegenseitig. Tochter Marielena beispielsweise sammelt die Eier ein im Hühnerstall, füttert die Schweine. Und – ihre liebste Beschäftigung – sie kümmert sich um die Kälbchen.

Brähler-Fischer kennt sich in der Landwirtschaft nicht nur wegen ihrer Herkunft gut aus. Sie hat nach dem Abitur in Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Ihr Mann Rainer ist ebenfalls Landwirt in Rasdorf, 30 Kilometer nordöstlich vom Hof der Brählers.

Die Landwirtin verweist im Stall auf eine Tradition. Der Palmbüschel, der ein Jahr lang das Kreuz in der Wohnstube zierte, wird auf ihrem Hof nicht ins Osterfeuer geworfen, sondern im Stall aufgehängt.
Brigitta Brähler-Fischer stammt aus einer „sehr religiösen Familie“. Zwei Brüder ihres Vaters und ein Cousin sind Priester. Ein Cousin ihrer Oma wurde ebenfalls Priester. Eine weitere Verwandte ist Ordensfrau geworden. Sie selbst ist gern in der Kirche aktiv, ist in ihrer Heimatgemeinde Lektorin und Kommunionhelferin, war lange Zeit im Pfarrgemeinderat. Auf Bistumsebene gehört sie dem Katholikenrat an. Sie würde sich gern mehr in der Kirche engagieren, schafft das aber zeitlich nicht.

„Der Glaube gibt mir Halt. Wenn ich denke, es geht nicht mehr, wende ich mich vertrauensvoll an Gott“, sagt sie. Ihr Leitspruch lautet: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Immer wieder im Leben habe sie erfahren: „Viele Dinge fallen mir zu, ohne dass ich etwas dazutue.“ Und: „Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein“, fügt sie hinzu. Sie habe oft im Leben erfahren, dass jemand ihr zur Seite steht, sie hält. „Manche nennen das einen Schutzengel.“

Sie erinnert sich an eine schwere Erkrankung ihres Vaters im vorigen Jahr. „Er hatte eine Thrombose in den Beinen, die Nieren versagten, in der Lunge war Wasser. Die Ärzte fragten: ,Was machen wir bei einem Herzstillstand?‘ Da hab’ ich die ganze Nacht gebetet, den Himmel bestürmt“, erinnert sie sich. Ihr Vater überlebte, leidet aber immer noch an den Folgen der Erkrankung.

„Mit Gott reden wie mit einem guten Freund“

Der Bäuerin ist ein Satz wichtig geworden, den sie in einer Radioansprache gehört hat. Darin lud der Sprecher die Zuhörer ein, „mit Gott zu reden wie mit einem guten Freund“. Die Landwirtin sagt: „Ich mache das oft am Tag.“ Christsein geschehe durch Nächstenliebe. „Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten werdet ihr sie erkennen.“ Deshalb engagiert sie sich auch bei den Maltesern in Fulda. Seit einigen Jahren kümmert sie sich als Koordinatorin um den Schulsanitätsdienst (siehe „Zur Sache“). Was ihr selbst wichtig ist, will sie jungen Menschen weitergeben.

Und dann sind da noch die anderen Bäuerinnen, die wie sie selten Urlaub haben und jeden Tag frühmorgens im Stall stehen. Für sie bietet sie ein jährliches Bäuerinnenseminar an. „Das sollen Tage sein, in denen sich die Frauen mal etwas Gutes tun können – zum Wohlfühlen und Weiterbilden.“

Beim Gang über den Hof sind Brigitta Brähler-Fischer und ihre Tochter bei der Scheune angekommen. Dort liegt ein Berg voll Gerstenkörner. „Den konnten wir noch rechtzeitig hier trocken einlagern“, freut sich die Bäuerin.

Zur Sache: Sanitätsdienst in der Schule

Brigitta Braehler-Fischer Foto: Malteser
Brigitta Brähler-Fischer
Foto: Malteser

„Sie möchten sich für andere einsetzen, Nächstenliebe praktizieren“, sagt Brigitta Brähler-Fischer über die Mädchen und Jungen, die sich ehrenamtlich im Schulsanitätsdienst engagieren. „Wir möchten mit der Ausbildung erreichen, dass die jungen Menschen helfen und nicht nur zuschauen.“ Sie nennt ein besonders krasses Beispiel: „In den USA haben Jugend-
liche zugeschaut und mit Handys gefilmt, wie ein Mensch ertrank, anstatt zu helfen.“ Die Malteserin: „Die Sanitäter leisten einen wichtigen Dienst für die Schule. Sie können aber auch Erste Hilfe leisten in der Familie oder anderswo. Sie sind also auch wichtig für die gesamte Gesellschaft.“ (st)