Wie lange dauert nun die Weihnachtszeit tatsächlich?

In der ersten Generalaudienz dieses Jahres rief Papst Benedikt XVI. in Erinnerung, dass sich die liturgische Weihnachtszeit über 40 Tage erstrecke – bis zum 2. Februar. Nicht wenige Theologen sind jedoch der Meinung, die Weihnachtszeit ende mit dem Fest der Taufe Jesu.
Franz-Josef Schönbach, 65611 Brechen

 

Aus liturgischer Sicht gibt es eine klare Antwort. Die Weihnachtszeit erstreckt sich von Heiligabend bis zum Sonntag nach dem Fest Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Zum Weihnachtsfestkreis gehört auch der vorangehende Advent. In dieser Zeit sind die liturgischen Farben meist Violett (Advent) und Weiß (Weihnachtszeit). Auch das Stundengebet wird in dieser Zeit aus einem anderen Gebetbuch gebetet.
Das Fest der Taufe des Herrn ist dann sozusagen der erste Sonntag im Jahreskreis; die liturgische Farbe ist dann in der Regel Grün. Die liturgische Ordnung ist aber nur ein Aspekt, die Zeiten zu betrachten. Mit dem Weihnachtsfest in engem Zusammenhang stehen vier weitere Feste: Darstellung des Herrn am 2. Februar, Verkündigung des Herrn am 25. März, Mariä Heimsuchung am 2. Juli und Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni.
Die Erinnerung daran, dass Maria von Gott ein Kind empfing, wird naturgemäß neun Monate vor der Geburt des Gottesohnes gefeiert, also am 25. März. Zur Geburt eines jüdischen Sohnes gehörte außerdem, dass er acht Tage später beschnitten und als Erstgeborener Gott geweiht wurde. So sieht es die Tora vor. Das verband man oft 40 Tage nach der Geburt mit der rituellen Reinigung der Mutter (Lukas 2,22–24).
Diese jüdischen Rituale zum Lebensanfang feierten die Christen ab dem 4. Jahrhundert 40 Tage nach Weihnachten mit dem Fest Darstellung des Herrn oder Mariä Reinigung bzw. Lichtmess. Von 1570 bis 1970 endete die Weihnachtszeit auch erst mit diesem Fest am 2. Februar.
In seiner Katechese nun sagte Benedikt XVI.: „Wenn wir sie (die Weihnachtszeit, d. Red.) in einem weiten Sinn betrachten, erstreckt sie sich über 40 Tage …“. Er meint damit den gedanklichen Zusammenhang von der Geburt Jesu bis zu seinen ersten öffentlichen Auftritten am Jordan und in Kana. Den kann man unabhängig von der rein liturgischen Weihnachtszeit betrachten.
Roland Juchem