20.04.2017

Wieder weißer Sonntag

Genau vor einem Jahr ist Kassandra Brehl zur Erstkommunion gegangen. Was ist noch übrig von der intensiven Zeit der Vorbereitung? Familie Brehl aus Wiesen bei Hofbieber erzählt davon, was sich durch das Fest verändert hat. Von Ruth Lehnen.

Andrea Sondergeld-Brehl, Tamina, Markus und Kassandra Brehl | Foto: Ruth Lehnen
Andrea Sondergeld-Brehl, Tamina, Markus und Kassandra Brehl
Foto: Ruth Lehnen

Andrea Sondergeld-Brehl weiß noch, dass sie ein weißes Kleid anhatte. „An mehr kann ich mich nicht erinnern“, sagt die Mutter von zwei Kindern über ihre Erstkommunion. Die liegt ja auch Jahrzehnte zurück, die Friseurin ist jetzt 46 Jahre alt. Bei der Kommunion ihrer beiden Töchter Tamina, heute 13, und Kassandra, heute 10 Jahre alt, ging es um so viel mehr als um weiße Kleider. Und das hat die ganze Familie bewegt: „Wenn man das alles so intensiv gemacht hat, um Jesus den Kindern näher zu bringen, dann erinnert man sich mehr.“

Die Familien einbeziehen, sich zuhause treffen, Gemeinschaft einüben

Für Kassandra, deren Erstkommunion jetzt ein Jahr her ist, ist alles noch ganz frisch. Die Zehnjährige hält stolz ihren Gebetswürfel in der Hand. „Den habe ich selbst gemacht“, erklärt sie: Sie hat sich für Abendgebete entschieden. Andere aus ihrer Gruppe haben Morgen- oder Mittagsgebete gewählt. Und braucht sie ihn auch, den Würfel? „Schon ab und zu“, ist die Antwort.

Kassandra Brehls Kommunionvorbereitung war anders als die ihrer Schwester Tamina, folgte einem neuen Konzept, das der Religionspädagoge Markus Tomberg zusammen mit seiner Frau Jutta Tomberg entwickelt hat. In einem Pilotprojekt des Bistums Fulda wurde versucht, die Familien mehr in die Vorbereitung des großen Tages mit einzubeziehen. Die Vorbereitung der fast 80 Kinder fand in Gruppen statt, die sich zuhause bei den Familien trafen. Dazu gab es Workshops, um mit der gesamten Gemeinde „auf dem Weg zur Erstkommunion“ zu sein, so der Titel des Kurses.

Kassandra holt die Gruppenkerze herbei: Fünf Namen sind darauf in Wachs geschrieben. Mit dieser Gruppe war sie auf dem Weg, Freundschaften sind entstanden, die bis heute halten. Von fünf Kindern haben sich vier entschieden, nach der Erstkommunion Messdiener zu werden.

Kassandras Mutter erinnert sich an den Start der Kommunionvorbereitung nach dem neuen Konzept, an den ersten Elternabend: „Wir standen alle erstmal da und wussten nicht, was los war. Wir sind mit einem riesengroßen Fragezeichen nachhause gefahren.“ Doch die Unsicherheit ist ziemlich schnell der Freude gewichen, an dem Weg der Kinder teilzuhaben. So war auch die Familie Sondergeld-Brehl Gastgeber, mit den Eltern der anderen Kinder entstanden Freundschaften oder wurde die Freundschaft vertieft.

„Es gab immer ein kleines Ritual bei jedem Grupentreffen: Alle wurden begrüßt, es wurde gebetet, und dann etwas gegessen und getrunken. Danach ging es um das jeweilige Thema.“ Die Gruppentreffen dauerten auch mal länger, ein Elternteil jedes Kindes war mindestens dabei, Geschwister kamen dazu, „es war gemütlich und schön“.

Kassandra hat dabei einiges mitgenommen, denn über Jesus redet sie mit viel Wärme: „Jesus war, wie es in den Büchern steht. Er soll sehr nett sein. Er wollte den Leuten immer helfen. Er ist für seinen Glauben gestorben. Und er hat Gelähmte geheilt.“

Mutter Andrea holt ein dickes Fotoalbum hervor, in dem sehr viele gemeinsame Aktionen dokumentiert sind. Zum Beispiel, wie die Gruppenkerze entstand: Die Symbole haben die Kinder mit Plätzchenformen aus Wachsplatten ausgestochen. Oder das Holzkreuz aus Zweigen, das bei einem Spaziergang entstand. Oder die bunten Bilder mit den Masken, das war an Fastnacht.

Der Kurs setzt weniger auf Lektionen, die zu lernen sind, als auf gemeinsames Erleben. Und auf Gemeinsamkeit überhaupt: So sollen Kinder mit Behinderungen auch einbezogen sein, zum Beispiel in Kassandras Gruppe. „Das war überhaupt kein Problem,“ hält Andrea Sondergeld-Brehl fest.

In der Gruppe haben die fünf Kinder viel vom Kirchenjahr mitbekommen, Weihnachtsvorbereitung, Ostervorbereitung. Und sie waren unterwegs: Bei den Workshops konnten die Kinder auswählen, was ihnen Freude macht. Zum Beispiel wurde Brot gebacken, es gab eine Rallye, die Kinder konnten lernen, Rosenkränze zu knüpfen, eine Gruppe schaute sich die Dipperzer Kirche genauer an, eine andere erlebte eine Orgelführung.

WhatsApp, so heißt ein Nachrichtendienst im Internet, erwies sich für die Kommunioneltern, vor allem für die Mütter, als ideale Austauschplattform. Und die WhatsApp-Gruppe „Erstkommunion“ existiert immer noch und wird gern genutzt.

Erst vor kurzem kam eine Geburtstagseinladung: Zu dem Fest werden sich wieder alle treffen.

Tamina, Kassandras Schwester, schaltet sich mal kurz ein, um zu betonen, dass auch sie eine schöne Erstkommunionvorbereitung hatte. Und dass auch sie ein schönes Album hat. Obwohl die Vorbereitung anders lief. Und die Bibelgeschichten kennt sie als Leseratte sehr gut, die Kinderbibel hat sie seinerzeit verschlungen. Ihre Mutter ist dankbar dafür, sagt aber: „Bei der Vorbereitung jetzt waren wir als Eltern mehr integriert, bei Tamina war es meist so, dass wir sie nur gefahren und abgegeben haben.“

Nach so vielen Jahren noch mal ganz neue Erfahrungen mit Kirche

Über diese neue Erfahrung mit der Kirche freut sie sich: „Ich komme schon aus einer katholischen Familie, aber manchmal schläft das alles so ein, und man geht dann nur noch an Weihnachten und Ostern in die Kirche.“ Die Verbindung zur Kirche ist wieder stärker geworden. Auch Markus Brehl, der gerade von der Arbeit als Textilveredler nachhause kommt, ist froh, dass er „sich darauf eingelassen hat“, auf diese neue Form. Und stolz auf seine beiden Töchter. Denn er war selbst Messdiener und sieht es gern, dass seine Töchter jetzt als Messdienerinnen in seine Fußstapfen treten. Und wer sich noch freut, ist die Oma. Kassandra sagt: „Die ist nämlich sehr gläubig und geht sehr gern in die Kirche.“

 

Zur Sache: Das bleibt, das wurde verändert

Am Weißen Sonntag 2017 gehen in Margretenhaun 22 Kinder zur Erstkommunion. Ihre Vorbereitung ist gegenüber dem Pilotprojekt, von dem auf diesen Seiten berichtet wird, nochmal verändert worden. „Wir sind zu den Kindergruppen zurückgekehrt“, berichtet Pfarrer Andreas Matthäi. Es habe sich herausgestellt, dass eine Vorbereitung in den Familien für manche Eltern schwierig gewesen sei, weil oft das kirchliche Hintergrundwissen fehle. Vom Pilotprojekt wurden aber viele Veränderungen der Vorbereitung übernommen: vor allem die Workshops, die sehr gut angenommen wurden. Auch 2017 wurden die Eltern einbezogen, zum Beispiel bei der Taufgedächtnisfeier, dem Bußgottesdienst und dem Abschluss mit allen Familien. Ein „Inklusionskind“ ist diesmal nicht dabei. Auf Kinder mit Behinderungen und ihre Eltern sensibel einzugehen, ist für Matthäi selbstverständlich. (nen)