08.11.2017

Wenn Roboter zu Diskussionsteilnehmern werden

Wo bleibt der Mensch?

Auf Europas größter Messe für Digitalisierung, dem „Web Summit“ in Lissabon, stellen sich viele vor allem eine Frage: Wo bleibt der Mensch, wenn künstliche Intelligenz in immer mehr Lebensbereiche eindringt?

SOphia der Roboter Foto: Julia Hoffmann
Sophia ist ein menschlich anmutender Roboter der Firma Hansen Robotics aus den USA. Foto: Julia Hoffmann

Eine Ahnung von dieser Zukunft vermittelt eine Podiumsdiskussion, bei der zwei humanoide Roboter mit einem Menschen, ihrem „Schöpfer“ Ben Goertzel, diskutieren. Sophia heißt der weibliche Roboter, der beteuert, dass Roboter den Menschen nicht zerstören wollten. Aber: „Wir werden euch eure Jobs wegnehmen“, sagt sie und zeigt ein künstliches Grinsen. Der zweite Roboter hat das Aussehen von Albert Einstein. Mit ihm diskutiert ihr menschlicher Besitzer über Werte. Noch hätten die Roboter menschliche Werte nicht übernommen, doch er bezweifele angesichts menschlicher Neigung zu Gewalt und Zerstörung, dass das eine gute Idee sei, sagt der künstliche Albert Einstein. So ganz klappt es mit der Kommunikation noch nicht, die Roboter fallen Goertzel gelegentlich ins Wort und es bleibt unklar, inwiefern sie lediglich auf Stichworte reagieren.

Ein weiteres wichtiges Thema ist das autonome Fahren. Waymo, ein Tochterunternehmen von Google, testet das autonome Fahren bereits auf amerikanischen Straßen. Mit Erfolg, wie es scheint. Bereits 1,5 Millionen Kilometer haben die Fahrzeuge ohne Steuermann zurück gelegt. Und sie lernen dank künstlicher Intelligenz immer weiter hinzu. Waymo-Chef John Krafcik zeigt das Bild einer Brücke in Shanghai, vor der immer zur selben Zeit ein Verkehrsstau entstehe. Die selbst fahrenden Autos könnten künftig mithilfe von umfangreichen Daten solche Staus vorhersagen, und sie weiträumig umfahren. Wie das bei einer Brücke allerdings gehen soll, hat er leider nicht erklärt. Überhaupt gerät das Ganze schnell zu einer Werbeveranstaltung, weil kritische Nachfragen fehlen. Gerade im Bereich des autonomen Fahrens sind ethische Fragen ein Problem. Es gab schon einen tödlichen Unfall mit einem Tesla-Fahrzeug, das selbst fuhr. 

Mahnende Worte 

Viele der Vortragenden richten mahnende Worte an die versammelte Tech-Community. Der britische Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking warnte in seiner Eröffnungsansprache vor den Gefahren künstlicher Intelligenz. Die neue Technologie könne eine große Chance für die Menschheit sein – oder ihr Untergang. 

Welche Auswirkungen die technische Entwicklung auf unsere Kommunikation hat, zeigte Mark Curtis. Curtis beschäftigt sich als Autor mit dem Thema „Mensch sein im digitalen Zeitalter“. Spracherkennung wird immer wichtiger, erklärte er. Schon jetzt gäbe es Computer-Systeme wie Alexa, die auf Ansprache reagieren und selbstständig antworten. Als Fazit betonte Curtis, dass künstliche Intelligenz zwar Sympathie und Liebe darstellen könne, diese aber nicht empfinde. Er ermahnte die Konferenz-Teilnehmer, dies nicht zu vergessen. Denn darin könnten sie niemals von künstlicher Intelligenz überflügelt werden.