17.08.2017

Sommerferien-Programm für Daheimgebliebene im Bistum Limburg

Zuhause ist es schön

Nicht jeder kann sich Urlaub in der Ferne leisten. Daher bieten katholische Einrichtungen Sommerferien-Programme für Daheimgebliebene an. Wie war in diesem Jahr die Resonanz? Anken Bohnhorst-Vollmer hat sich umgehört.

Pfarrer Gereon Rehberg Foto: privat
Pfarrer Gereon Rehberg
Foto: Sascha Braun

Pfarrer Gereon Rehberg, Domgemeinde St. Georg, Limburg: Wir bieten eine „Stadtranderholung“ (SRE), die bereits 1957 vom damaligen Dompfarrer Reith ins Leben gerufen wurde. Anfangs fand das Programm für drei Wochen im Staffeler Wald statt. 500 bis 600 Kinder waren dabei. Zum Mittagessen gab es Eintopf der von Frauen der Gemeinde zubereitet wurde. Omnibusse der Post hatten die Kinder damals morgens und abends befördert. Der Unkostenbeitrag lag bei 50 Pfennig pro Tag und Kind.

Ein paar Jahre später ging es im Sommer dann in den Wald nach Hambach – da allerdings schon mit Zelten, Bänken und Klapptischen.

1965 wurde die Aufgabe die Stadtranderholung vom katholischen Jugendamt übernommen und 1968 nach Waldernbach verlegt. Seit neun Jahren fällt die SRE in den Aufgabenbereich der Pfarrei St. Hildegard, die das inzwischen auf zwei Wochen festgelegte Sommerprogramm auf der Burg Waldmannhausen durchführt. Rund 165 Kinder sind Jahr für Jahr dabei. Sie werden von einem Leitungsteam und mehr als 30 Betreuern versorgt. Seit 2013 ist Pastoralreferentin Katharina Kunkel fester Bestandteil in der SRE, zu dessen Abschluss regelmäßig der Dompfarrer zu einem Besuch mit Eis kommt.

 

 

Pfarrer Frank Schindling
Pfarrer Frank Schindling
Foto: privat

Pfarrer Frank Schindling, St. Birgid, Wiesbaden: Es gibt zwar auch während der Sommerferien Veranstaltungen, aber kein explizites Ferienprogramm bei uns in St. Birgid. Was Kinder und Jugendliche betrifft, bieten wir jedoch eine Vielzahl von Freizeiten an: So waren wir mit Kindern unterwegs, dann waren wir mit Jugendlichen in Schweden und fahren mit Jugendlichen nach Ungarn. Letztere Fahrten bieten wir für einen im Blick auf die Ziele relativ günstigen Teilnehmerbeitrag von nur 444,44 Euro an – immer mit dem Hinweis, dass auch diejenigen mitfahren können, deren Eltern diesen Betrag nicht ganz aufbringen können. Dieses Angebot nehmen auch in diesem Jahr wieder einige Familien in Anspruch. Mehr als 130 Kinder und Jugendliche aus unserer Pfarrei haben an einem dieser Angebote in diesem Sommer teilgenommen.

 

 

Ute Schäfer Foto: privat
Ute Schäfer Foto:privat

Ute Schäfer, Kirche und Arbeit, Katholische Erwachsenenbildung, Frankfurt: Unser Motto lautet: „Urlaub ohne Koffer 2017: Zusammen unterwegs in den Sommerferien.“ 700 Menschen mit kleinem Geldbeutel, Familien und Einzelne, konnten in den ersten drei Ferienwochen einen Tagesausflug und einige Mehrtagesfahrten unternehmen, für fünf Euro pro Tag und Person „all inklusive“. Es ging beispielsweise ins Phantasialand, zu einem Schulbauerndorf oder zum Wandern in die Rhön, dazu gab es eine „Kreuzfahrt“ mit dem Schiff nach Seligenstadt, drei Tage im Kloster Maria Laach, einen Besuch im Hamam für gestresste Frauen und Mütter. Die buntgemischte Frankfurter Stadtgesellschaft war unterwegs: Junge und Alte, Menschen verschiedener Religion und Herkunft, auch Geflüchtete, haben zusammen Spaß gehabt, sich entspannt und genossen, zu einem Urlaubserlebnis besonderer Art eingeladen gewesen zu sein. „Ihr habt uns nicht vergessen…“, sagte eine Reisende nachdenklich.

Die Einladung kommt seit zehn Jahren von einer ökumenischen Initiative unter Federführung der Katholischen Erwachsenenbildung. Seit zwei Jahren gehört auch eine Moscheegemeinde dazu. Mitarbeiter von zwölf Einrichtungen und Verbänden entwickeln und begleiten das Reiseprogramm. Die Finanzierung geschieht unter anderem aus Mitteln des Bistums Limburg, der katholischen und evangelischen Kirche Frankfurt, Eigenmitteln der Beteiligten, Zuschüssen von Stiftungen sowie Spenden und Kollekten.

 

 

Barbara Faustmann
Barbara Faustmann
Redakteurin

Meinung: Urlaub auf Balkonien

Urlaub auf Balkonien, so wird es genannt, wenn Menschen nicht verreisen (können). Früher hatte das einen faden Beigeschmack, wie „haben die kein Geld für Urlaub?“. Heute ist das anders. Günstiger Urlaub daheim oder in der eigenen Umgebung, wie ihn kirchliche Einrichtungen vielerorts anbieten, ist oft schon Trend, unabhängig vom Einkommen der Reisenden. Entschleunigen heißt die Parole. Nichts mit den Riesenstaus, mit überfüllten Fliegern oder billigen Hotels am Hut zu haben, das denken sich inzwischen viele. Kirche mischt in den Ferien erfolgreich mit, und zwar für jeden.