01.09.2017

Kommentar

Zum Umgang mit Geflüchteten

Mit einem Appell an die Nationen hat Papst Franziskus für eine Überraschung gesorgt: Ungewöhnlich konkret fordert er in seiner Botschaft zum 104. Welttag des Flüchtlings und Migranten beispielsweise, Armut als legitimen Fluchtgrund anzuerkennen. Katholische Politiker in Deutschland reagierten stolz und ermutigt, aber auch skeptisch: Ist das Programm des Papstes praktisch überhaupt umsetzbar?


Papst Franziskus’ Forderungen zum Welttag des Flüchtlings und Migranten sind nicht radikal, zumindest nicht radikaler als die Heilige Schrift. Es ist nur konsequent, als Christ die moralische Verpflichtung ernst zu nehmen, jeden Nächsten, also auch Fremden, zu lieben wie sich selbst. Wer sich mehr Sorgen um das Geld macht, das es braucht, um Geflüchtete aufzunehmen, zu betreuen und zu fördern, als um deren Leben, der macht keine christliche Politik. Wer eine Obergrenze für Asylbewerber einführen will, das von Anschlägen übersäte Afghanistan oder Libyen als sicheres Herkunftsland betrachtet, in den Arbeitsmarkt integrierte Geflüchtete abschiebt und Familien trennt, der sollte seine Politik nicht christlich nennen dürfen. Franziskus hat die Messlatte für katholische Politik so hoch angesetzt, wie sie es eben sein muss.

Es ist ja nicht so, als seien seine Forderungen unmöglich umzusetzen. Rechnet man Deutschlands Einwohner in Millionen, dann wäre es so, wie wenn 83 Leute in der Kneipe sitzen – ein Fremder kommt hinein, und alle sagen: „Jetzt ist es aber zu voll hier!“ Deutschland schafft das, und es kann noch viel mehr schaffen. Ja, auch die anderen Länder Europas müssen mitziehen. Aber die unterlassene Hilfeleistung anderer kann keine Ausrede sein, selbst nichts weiter zu tun. Die Botschaft des Papstes steckt voller Ideen: Kurzfristig sind mehr legale Wege nach Europa und auch Deutschland zu öffnen, langfristig mit Diplomatie und nachhaltiger, uneigennütziger Entwicklungshilfe Fluchtursachen wie Krieg und Perspektivlosigkeit zu bekämpfen. 

Von Philipp Adolphs

 

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Die vollständige Botschaft des Papstes finden Sie auf der Seite des Vatikan.