31.05.2017

„Zwei und alles.“ – Ein neues Projekt der katholischen Kirche in Frankfurt für Paare

Offen für alle Beziehungen

Paar-Sein soll vor allem Liebe und Leben bedeuten. Es kann auch abenteuerlich, dramatisch, inspirierend, anstrengend oder spannend sein. Für Paare hat die
katholische Kirche in Frankfurt ein neues Projekt entwickelt: „Zwei und alles.“ Von Barbara Schmidt.

Präsentieren die Einladung zur Premiere mit dem Logo von „Zwei und alles” (von links): Ruth Bornhofen-Wentzel, Michael Thurn und Simone Krämer. | Foto: Barbara Schmidt
Präsentieren die Einladung zur Premiere mit dem Logo von „Zwei und alles” (von links): Ruth Bornhofen-Wentzel, Michael Thurn und Simone Krämer. | Foto: Barbara Schmidt

Von nichts kommt nichts – der alte Spruch gilt auch für die Liebe. Paare kennen das: Wenn im Alltag die Zeit fehlt, sich gemeinsam Gutes zu tun, fängt es schnell an zu kriseln. In Frankfurt nimmt sich die katholische Kirche jetzt genau dieses Problems an. Prävention statt Krisenbewältigung heißt die Devise.

Paare zu stärken sei wichtig, sagt Ruth Bornhofen-Wentzel aus ihrer Erfahrung als Leiterin der Ehe- und Sexualberatung im Haus der Volksarbeit. Ihre Einrichtung hat mit den „Frankfurter Paartagen“ da bereits gute Erfahrungen gesammelt. Da kam die Idee richtig, gemeinsam mit der Frankfurter Stadtkirche, vertreten durch Bezirksreferent Michael Thurn, und der Pfarrei St. Jakobus, wo Simone Krämer als Pastoralreferentin ebenfalls das Thema stark machen möchte, ein entsprechendes Projekt auf die Beine zu stellen.

Alle Beteiligten haben festgestellt: „Wie viel Paare bedeuten, wird oft nicht honoriert.“ Und: „Sie fallen in der Wahrnehmung von Kirche und Öffentlichkeit oft hinten runter. Der Fokus liegt eher auf der Familie.“ Zeit also, das zu ändern, fanden die drei Projektträger – und haben es angepackt. Herausgekommen ist „Zwei und alles“. Unter diesem Stichwort sollen Paare künftig in Frankfurt „Angebote für das Leben zu zweit“, so der Untertitel, finden können. Einige davon, wie die Frankfurter Paartage eben oder die Ehevorbereitungs-Kurse, gab es bereits, andere, wie ein Tanzkurs in St. Jakobus, ein „Pilgern für Paare“ oder ein „Spiritueller Stadtspaziergang auf den Spuren von Liebe, Romantik und Tragik“ sind eigens für das Projekt kreiert worden.

Viele dieser Angebote hätten „etwas Passageres“ (etwas Vorübergehendes), sagt Ruth Bornhofen-Wentzel. Das heißt, sie setzen keine dauerhaften Kontakte mit Kirche voraus oder erwarten diese künftig. Zeitgemäß sei das, finden die Projekt-Macher, denen zudem wichtig war, dass „Zwei und alles“ Paare jeder Couleur ansprechen möchte und eben nicht ausschließlich Ehepaare. Ob jung verliebt oder lange schon ohne Trauschein zusammen, ob schwul oder wiederverheiratet geschieden, hier will Kirche bewusst offen sein für jede Beziehung. „Eben zwei – und alles“, sagt Simone Krämer.
Damit es eine „Wiedererkennbarkeit“ gibt, wie Michael Thurn sagt, wurde in der Vorbereitungsphase auch ein Logo entworfen, das den Schriftzug „Zwei und alles“ mit zwei Punkten in weiß und orange auf dunklem Grund versieht, die aber keine sauberen Ränder haben, sondern sogenannte „Spritzpunkte“ sind, früher hätte man wohl Klekse gesagt. Das Logo lasse viele Assoziationen zu, sagt Simone Krämer, es mache deutlich, dass da, wo zwei miteinander in Berührung kommen, etwas ausstrahle, es immer auch ein Umfeld gebe.

Start mit „Paaren auf der Couch“ im Kino

Starten soll das Projekt, das vom Bistum Limburg mit 15 000 Euro für die ersten drei Jahre unterstützt wird, am Freitag, 2. Juni. Ausgesucht haben sich die Macher dafür nicht etwa eine Kirche oder ein Gemeindehaus, sondern ein Kino. „Das gilt ja als besonders romantischer Ort“, nennt Krämer einen der Gründe. Im Kino Orfeos Erben, Hamburger Allee 45, wird das Projekt vorgestellt. Dazu gibt es „Paare – eine Kurzfilmreihe über Paare auf der Couch“, die Regisseur Johann Buchholz für den Fernsehsender Arte gedreht hat. Ein kurzes Podiumsgespräch mit Stadtdekan Johannes zu Eltz und Ina Hartwig, Frankfurts Kulturdezernentin, wird den Abend abrunden.

Informationen zum Projekt gibt es vom Start an auch im Internet: www.zweiundalles.de.

 

Meinung: Ehrenwertes Projekt

Ein Kommentar von Bernhard Perrefort

Bernhard PerrefortNiemand wird ausgeschlossen, also diskriminiert, bei diesem Angebot „Zwei und alles“. Paare, in welcher Konstellation sie auch leben, können es nutzen. Die Initiatoren im katholischen Frankfurt, Haus der Volksarbeit, Bezirksbüro und Pfarrgemeinde St. Jakobus, sind mit dem Projekt sicherlich schon ein ganzes Stück weiter als viele andere katholische Entscheidungsträger, nicht nur in Deutschland. Sie haben alle Paare im Blick. Denn längst nicht mehr leben sie ausschließlich in Ehen zusammen. Von den 20,4 Millionen Paaren in Deutschland waren 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 17,5 Millionen als Ehepaare registriert und 2,9 Millionen gemischt- oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Alle basieren auf Liebe, entsprechend können überall Probleme auftreten.
„Zwei und alles“ bietet in vielfältiger Form Paaren Unterstützung an. Ein ehrenwertes Projekt, das hoffentlich viele Nachahmer findet.