27.09.2017

Wie Karmeliter in Mainz mit den neuen Medien umgehen

Zwischen Facebook und Kloster

Medienkompetenz ist heute gefragt. Auch für Ordensleute? Karmelitenpater Lorenz van Rickelen aus Mainz hat in die Pressearbeit hineingeschnuppert und sich dazu seine eigenen Gedanken gemacht. Von Nicole Weisheit-Zenz.

Pater Lorenz van Rickelen am Laptop im Karmelitenkloster in Mainz. | Foto: Nicole Weisheit-Zenz
Pater Lorenz van Rickelen am Laptop im Karmelitenkloster in
Mainz. | Foto: Nicole Weisheit-Zenz

Vielseitig interessiert war Lorenz van Rickelen schon immer. Weit spannender als Wissen aus Büchern aufzunehmen findet er es, wenn es aktiv vermittelt wird und praktisch anzuwenden ist. Gelerntes möchte der Karmeliterpater gern auch an andere weitergeben. Ob als Ordensmann, Stadtjugendseelsorger oder als Mensch. Sein 25-jähriges Professjubiläum hat der 49-Jährige inzwischen gefeiert. Nach seinem Theologiestudium absolvierte er einen Pastoralkurs für den Dienst in der Seelsorge sowie Fortbildungen. Seit 2009 lebt und arbeitet er in Mainz.

Die Landeshauptstadt schätzt er, auch wegen der vielfältigen kulturellen Angebote rund ums Jahr. Doch bei all dieser Fülle kommen ihm auch manchmal Zweifel: „Wir konkurrieren hier mit so vielem, da frage ich mich manchmal: Soll ich überhaupt etwas veröffentlichen über unseren Orden? Würde es bei den Redaktionen und Lesern womöglich zu leicht untergehen?“

Außer reinen Infos auch Menschliches bringen

Doch zögern und zaudern scheint seine Sache nicht zu sein. Daher war er gern mit dabei, als eine Fortbildung für Hauptamtliche aus dem Bistum angeboten wurde, ein Tageskurs rund um das Thema Pressearbeit. Referent der Fortbildung war Dr. Johannes Witting, der sich neben seiner Tätigkeit im Marketing auch kirchlich engagiert.

„Theorie und Praxis griffen ineinander, in Arbeitsaufgaben konnten wir selbst etwas verfassen und beim gegenseitigen Vorlesen merken, was schon gut ist oder verbessert werden könnte“, erinnert sich Lorenz van Rickelen.

Ein hilfreiches Handout gab es zum Nachlesen, mit Tipps zum Aufbau von Artikeln und zum lebendigen Schreiben: „Wichtiges sollte weit nach oben, da meist von unten her gekürzt wird; neben den reinen Infos sollten auch Zitate enthalten sein, nette Episoden, Menschliches eben“, fasst der Pater zusammen, was bei ihm haftengeblieben ist. Das Geschriebene laut zu lesen ist sinnvoll, um zu merken, wie es klingt: zu lang, verschachtelt? Oder flüssig und griffig? „Auch bei Fotos sollte eine gewisse Dynamik erkennbar sein“, hat er gelernt.

Grell und schrill möchte Pater Lorenz nicht daherkommen. Das würde nicht zu ihm und den Karmelitern passen, denen es eher um die Reduktion auf Wesentliches geht. Die Fortbildung hat ihn darin bestätigt: Es kommt darauf an, authentisch zu sein in dem, wie man sich und seine Angebote darstellt.

Stille Präsenz statt grelle Aktionen

„Wir als Orden mitten in der Stadt möchten nicht auffallen durch außergewöhnliche Aktionen, sondern eher durch stille Präsenz“, betont er. „Was wir machen, tun wir von Herzen.“ Neben den Angeboten im Kloster ist die Nacht der Lichter ein solches Projekt, auf das meist durch Plakate und Mundpropaganda aufmerksam gemacht wurde. Nun soll etwas stärker dafür geworben werden. Die nächste gibt es am 2. Dezember um 20 Uhr in der Kirche St. Ignaz in Mainz.

Für Homepage und Facebook nimmt Lorenz van Rickelen gern Unterstützung von Mitbrüdern an. Zehn Ordensmänner leben derzeit in Mainz. Dass die Ordensgemeinschaften nicht gerade wachsen, ist ihm bewusst. Doch missionieren und offensiv um Nachwuchs werben möchte er nicht. Viel wichtiger ist ihm, offene Türen und offene Ohren zu bieten für alle Interessenten. Das können Seelsorgegespräche sein für alle, die über wichtige Lebensthemen und christliche Lebensgestaltung reden möchten. Oder Supervisionen als bewährtes Berufsberatungsformat in der Arbeitswelt, mit Blick auf die eigene Rolle und das gesamte System. Für ihn ist dies ein „Dienst am Menschen“, ebenso wie bei seiner Tätigkeit im Jugendbereich, bei der er sich als „Teamplayer“ sieht. Gern steht er jungen Leuten Rede und Antwort zu seinem Lebensweg.

Zudem hält er die Schwelle niedrig zum Karmeliterkloster, wo Schulklassen einen Tag verbringen und sich mit Themen ihrer Wahl beschäftigen können. Beliebt sei bei Schülern der Blick auf Stärken und Schwächen, sagt Pater Lorenz, und Fragen zum Nachdenken: „Wo seht ihr euch jetzt, was habt ihr noch vor? Was wollt ihr verändern, was dazulernen? Dass Ordensleute wie er ja gar keine „Exoten“ sind, ist ein Aha-Effekt, den er häufig erlebt. Und dass es gut tut, offen zu sein für Neues.
 

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