Wer daraufhin in Oberammergau ein Historienspektakel erwartet, wird überrascht. Zwar hebt die Neuinszenierung Geschichtliches hervor, nämlich, dass Jesus Jude war. Gleichzeitig treffen die Passionsspiele den Menschen von heute. Die rund 2000 Laienschauspieler erreichen es, das Leiden und die Botschaft Jesu so auf die Bühne zu bringen, dass die Darstellung die Zuschauer zutiefst in ganz unterschiedlicher Weise berührt. „Mich haben der Chor und die Solostimmen bewegt“, sagt Wilhelm Vonrhein, der in seiner Heimatgemeinde in Freigericht im Kirchenchor singt. Die Lebenden Bilder in ihren knalligen Farben beeindrucken beispielsweise Hans Schopferer aus Oberursel.
Die abendliche Inszenierung ermöglicht 2010 erstmals eine neue Lichtsymbolik. Die Schlussszene: Ein Engel trägt eine Schale mit Feuer auf die Bühne. Die Frauen am Grab zünden sich gegenseitig Kerzen an, als der Auferstandene erscheint. Nachdem alle Schauspieler die Bühne verlassen haben, bleibt nur die Schale mit Feuer im Dunkeln zurück. „Die Hoffnung auf die Auferstehung nehme ich mit“, sagt Hartmut Wittekind aus Kelkheim. Pater Martin formuliert die Botschaft mit den Worten Maria Magdalenas: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“