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Rückseite

„Weiß, dass mein Erlöser lebt“

Leserreise der Kirchenzeitung zu den Passionsspielen in Oberammergau

Von Anja Weiffen

Dass sie nur alle zehn Jahre stattfinden und auf ein Jahrhunderte altes Gelübde zurückgehen, macht die Passionsspiele zu einer Sensation – und zum Pilgerziel. „Wir wissen nicht, ob wir noch einmal diese Chance haben“, lautet das Motiv vieler, mitzufahren. Was wird die Teilnehmer erwarten?

In diesem Jahr reicht die Inszenierung der Passionsspiele erstmals in die Nacht hinein – mit Lichtsymbolik. Die knalligen Farbeffekte der Lebenden Bilder (Mitte) kontrastieren mit den gedeckten Farben der Dekoration, den Kostümen der Schauspieler und mit den blendend weißen Gewändern des Engelchors. Foto: Arno Declair

„Tief im Süden des schönen Bayernlandes erstreckt sich an der tirolisch-bayerischen Grenze das wilde Karwendelgebirge, dessen graue, zerklüftete Felswände fast bis zu dreitausend Meter in die flatternden Wolkengipfel emporragen.“ So beginnt der Roman „Der Geigenmacher von Mittenwald“ über den Geigenbauer Matthias Klotz, der zur Zeit des Barocks über die Alpen nach Italien wanderte, um sein Handwerk zu lernen. Um dieselbe Zeit, im Jahr 1633, gelobten die Bewohner des nicht weit entfernten Oberammergau, alle zehn Jahre das Leiden Jesu zu nachzuspielen, wenn sie von der Pest befreit werden.

Begeisterte Pilger: Die 47 Teilnehmer mit Pallottiner-Pater Martin Neuhaus (6. von links) Fotos: Anja Weiffen

Wer daraufhin in Oberammergau ein Historienspektakel erwartet, wird überrascht. Zwar hebt die Neuinszenierung Geschichtliches hervor, nämlich, dass Jesus Jude war. Gleichzeitig treffen die Passionsspiele den Menschen von heute. Die rund 2000 Laienschauspieler erreichen es, das Leiden und die Botschaft Jesu so auf die Bühne zu bringen, dass die Darstellung die Zuschauer zutiefst in ganz unterschiedlicher Weise berührt. „Mich haben der Chor und die Solostimmen bewegt“, sagt Wilhelm Vonrhein, der in seiner Heimatgemeinde in Freigericht im Kirchenchor singt. Die Lebenden Bilder in ihren knalligen Farben beeindrucken beispielsweise Hans Schopferer aus Oberursel.

Die abendliche Inszenierung ermöglicht 2010 erstmals eine neue Lichtsymbolik. Die Schlussszene: Ein Engel trägt eine Schale mit Feuer auf die Bühne. Die Frauen am Grab zünden sich gegenseitig Kerzen an, als der Auferstandene erscheint. Nachdem alle Schauspieler die Bühne verlassen haben, bleibt nur die Schale mit Feuer im Dunkeln zurück. „Die Hoffnung auf die Auferstehung nehme ich mit“, sagt Hartmut Wittekind aus Kelkheim. Pater Martin formuliert die Botschaft mit den Worten Maria Magdalenas: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

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