24.01.2018

Bischof Georg Bätzing lädt zum Neujahrsempfang des Bistums Limburg

Glaubwürdigkeit beweisen

Die Zeichen stehen auf Wandel und Veränderung: So lautet der Tenor des Neujahrsempfangs des Bistums. Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft trafen sich im Limburger Bischofshaus.

Bischof Bätzing im Gespräch
Ein gefragter Gesprächspartner: Bischof Georg Bätzing suchte beim Neujahrsempfang die Begegnung mit vielen Menschen.| Foto: Barbara Faustmann

„Die Zeit ist erfüllt.“ Dieses Zitat aus der Predigt von Bischof Georg Bätzing griff Generalvikar Wolfgang Rösch auf, um deutlich zu machen, „dass wir in einer Zeit voller Ambivalenz leben“. Beim Neujahrsempfang des Bistums stellte er fest: „Einerseits erleben wir große Wachstumszahlen in der Wirtschaft. Aber wir machen auch die Erfahrung einer großen Umbruchssituation, die verbunden ist mit Verunsicherungen, Ängsten und einer Perspektivsuche.“ Deswegen wolle das Bistum das Jahr 2018 nutzen, um weiter nach Perspektiven für die Zukunft zu suchen, vor allem im Prozess der Kirchenentwicklung.

Der Kirche gehe es ähnlich wie Parteien, Medien, Verbänden oder Gewerkschaften: „Wir sind davon überzeugt, dass wir etwas zu geben haben, aber das wird nicht von allen so wahrgenommen“, sagte Rösch vor mehreren hundert Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft. „Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit immer wieder neu beweisen.“ Eine Diagnose, eine Analyse sei schnell gestellt, aber die Suche nach einer Therapie noch nicht abgeschlossen. „Es gibt kein Patentrezept für die Umgestaltung der Gesellschaft“, betonte der Generalvikar. Wie wir Umbrüche zuließen, sei eine Frage der grundsätzlichen Haltung: ein Einstellungswechsel, der noch mehrere Generationen beschäftigen werde.

Kirchenentwicklung muss weitergehen

Die Sehnsucht nach Veränderung in der Kirche sei groß, unterstrich Rösch. „Wir hoffen auf einen Perspektivwechsel und wollen ihn befördern“, begründete er, weshalb der Prozess der Kirchenentwicklung im Bistum Limburg unbedingt weitergehen müsse. An die Vertreter von Politik, Kirche und Gesellschaft gewandt, sagte er: „Wir sitzen alle im selben Boot.“ Er sei sehr gespannt darauf, wie die Gesellschaft in Zukunft gestaltet werde.

„Zeit ist relativ.“ – „Zeit ist Geld.“ – „Zeit ist kostbar.“ – „Die Zeit drängt.“ In seiner Predigt im Limburger Dom machte Bischof Georg Bätzing darauf aufmerksam, dass Zeit eine große Rolle im Leben spielt, dass sie ein begrenztes Gut ist. „Kaum jemand hat noch Zeit, alle haben Termine.“ Denn keine Zeit zu haben, bedeute: „Ich bin wichtig. Mich braucht jemand.“ Er wies auf die „zwangsentschleunigten Modernisierungsopfer“ hin – Arbeitslose, chronisch Kranke, junge Migranten und Illegale: „Sie haben ein ganz anderes Zeitempfinden als wir“, so Bischof Bätzing.

„Die Zeit drängt.“ Das Zeitempfinden der ersten christlichen Generationen spreche der Apostel Paulus im Korintherbrief aus: „Bald ist es soweit, und der Herr macht sein Versprechen wahr, wiederzukommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ Wenn die Christen damals so empfunden hätten, „dann war alles relativ, nicht nur die Zeit. Dann geht es nur mehr darum, am Ende aufrecht dazustehen, wach, bereit, die Augen fest auf Christus gerichtet, den Anfang und das Ende der Zeit“, unterstrich Bätzing. Die ersten Christen glaubten: Die Zeit ist kurz, weil die Ewigkeit schon auf der Schwelle steht. Wenn heute die Zeit als drängend, verdichtet, kurz erlebt werde, habe das einen ganz anderen Grund: „Für viele unserer Zeitgenossen gibt es nur diese Zeit, die wenigen Lebensjahre als einzige Chance. An eine Ewigkeit glauben sie nicht.“

„Die Zeit ist erfüllt.“ Was Jesus als Auftakt seiner ganzen Verkündigung sage, klinge nicht nach Druck und Dringlichkeit, „sondern wie eine Einladung“. Als Beispiele zum Vergleich nannte Bätzing den Sonntagvormittag seiner Bischofsweihe: „Viele hatten noch viel zu tun, nur ich nicht. Es war noch nicht das große Ereignis, aber kurz davor.“ Oder die Stunden am Sterbebett seiner Mutter: „Als nichts mehr zu machen war, nur mehr da sein.“ Solche Augenblicke seien kostbar, „und für mich merke ich: Immer dann fange ich ganz intuitiv an zu beten.“ (kai)