10.04.2018

Der Fragende

Ob es ein Leben nach dem Tod gibt? „Keine Ahnung, aber ich finde es spannend, darüber nachzudenken“, sagt Philipp Engel, Redakteur beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. In seiner Sendung „Engel fragt“ hat er darüber mit Menschen unterschiedlichen Glaubens gesprochen. Von Julia Hoffmann.

Philipp Engel Foto: hr
Philipp Engel auf der Suche nach Antworten. Foto: hr

Was ist ein guter Freund? Gibt es Wunder? Hilft beten? In der Sendung „Engel fragt“ geht es um religiöse und ethische Fragen, und um Fragen des Zusammenlebens. Auch um solche, auf die niemand eine eindeutige Antwort hat. „Als Journalist will ich nicht so tun, als wüsste ich alles“, sagt Philipp Engel. Ihn interessiert, was die Menschen „da draußen“ denken. „Ich suche mir die Antworten von lebenserfahrenen Experten“, sagt er. Das sind entweder Menschen, die er auf der Straße trifft, oder in ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld besucht.

Wenn ihn seine beiden Töchter fragen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, sagt er, er wisse es nicht. „Vielleicht bin ich da auch zu verkopft.“ Er erzählt ihnen, welche Weltanschauungen es gibt, und unterstützt sie bei ihrer Suche nach einer Antwort. Die Frage beantworten mag er nicht. „Weil ich es einfach nicht weiß.“

Nicht zu wissen bedeutet für  Engel aber nicht, nicht zu suchen. „Ich sehe mich als neugierig Fragenden, Suchenden“, sagt der 50-Jährige. Religionen faszinieren ihn: „Mit welcher unglaublichen Tiefe und Ernsthaftigkeit dort hoch philosophische Fragen betrachtet und beantwortet werden, finde ich spannend.“

„Die Tiefe, das Berührende von Religion wird überdeckt.“

In der heutigen Zeit begegne Religion einem hauptsächlich in negativer Art und Weise: Terrorismus, Fundamentalismus, Kindesmissbrauch, Machtmissbrauch. „Die Tiefe, das Berührende, die komplexen Fragestellungen, werden davon überdeckt“, sagt er.
Und was schreibt er, wenn er auf dem Amt ein Formular ausfüllen soll, in das Feld der Religionszugehörigkeit? „Das behalte ich für mich“, sagt er. „Als Journalist bin ich erstmal für alle da. Also für alle Religionen.“ Aber: „Meine Schwiegermutter, katholisch, hat mal gesagt, ich sei eigentlich der gläubigste Mensch in der Familie. Da musste ich sehr lachen, aber vielleicht hat sie sogar recht.“ Er findet, Glaube habe ohnehin sehr viel mit Suchen zu tun, auch mit Zweifeln und mit „Nicht-unbedingt-alles-Wissen“.

Engel begegnet immer wieder Leuten, die ein gefestigtes, klares Gottesbild haben. „Das finde ich manchmal beneidenswert. Aber ich kann das nicht, dieses Talent habe ich nicht“, sagt er. Wenn er einen Gottesbegriff habe, dann sei der vergleichbar mit dem Begriff der Liebe. Sie sei ähnlich schwer zu fassen. Und nicht personifiziert. „Die Liebe sitzt auch nicht irgendwo, sondern es ist ein Gefühl, das auch flüchtig sein kann. Es kann da sein, es kann nicht da sein. Es kann zwischen zwei Menschen plötzlich ganz extrem da sein. Und dann wieder weg.“

Auf diese Weise nähert sich Philipp Engel dem Glauben. Er will sich auch nicht der Gegenposition verschreiben, dem Nihilismus, die ja auch denkbar sei. „Wenn alles komplett sinnlos ist, keinen Sinn ergibt, dann ist das zumindest traurig.“

Manchmal tut Zertreuung gut, doch die Suche geht weiter

Philipp Engel hat Politikwissenschaft studiert und Fragen des Zusammenlebens dabei aus einer rationalen Perspektive betrachtet. Er findet es spannend, sich bei seiner jetzigen Arbeit den Themen mal „von der anderen Seite“ zu nähern.

Viele Menschen kämen auch gut durchs Leben, ohne sich wahnsinnig viele Gedanken zu machen über den Sinn dahinter. Er hat mit einem Kollegen aus der Kirchenredaktion einmal darüber diskutiert. Dieser war der Meinung, viele seien wahrscheinlich damit zufrieden, dass es samstags die Fußballbundesliga gibt und abends danach ein Bier. „Ich glaube inzwischen, er hat recht“, sagt Engel. Aber taugt Fußball als Ersatzreligion? „Er gibt auch keine Antwort auf die Frage, was nach dem Tod kommt“, sagt er.

Es sei anstrengend, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Die Menschen würden viel zudecken den lieben langen Tag, glaubt er. Whatsapp, Arbeit, Fernsehen. „Viele sind glaube ich mit dem Zerstreuungsangebot ganz zufrieden.“ Auch er braucht das manchmal. Dann sitzt er mit seinen Töchtern auf der Couch und schaut sich mit ihnen den „Bachelor“ an. Oder er geht ins Fußballstadion. Zu Eintracht Frankfurt. Manchmal fiebert er auch mit Nürnberg. Dort ist er aufgewachsen, „eine verblasste Liebe“.

Trotzdem: „Wenn ich in den Sternenhimmel schaue und mich frage, was ist dahinter und dahinter und dahinter. Da kannst du entweder Angst bekommen, oder staunend werden.“

 

Zur Sache: „Engel fragt“

Die Sendung „Engel fragt“ ist dienstags um 21.45 Uhr im Hessischen Rundfunk zu sehen. Wiederholungen am Samstag und Montag.
Oder im Internet

Die nächsten Sendetermine:

  • „Bin ich schön?“, 16. April, 10.35 Uhr
  • „Wie sieht die perfekte Kindheit aus?“, 17. April, 21.45 Uhr, Wiederholungen: 21. April, 17.45 Uhr, 23. April, 10.35 Uhr
  • „Vor wem hat Deutschland Angst?“, 24. April, 21.45 Uhr; Wiederholungen: 28. April, 17.45 Uhr, 30. April, 10.35 Uhr