31.10.2018

St. Martinsbräuche im Bistum Mainz

Öffentlichkeitsarbeit fürs Teilen

St. Martin ist einer der bekanntesten Heiligen. Kinder lieben Laternenumzüge und Martinsspiele. Wie gestalten Gemeinden das Fest? „Glaube und Leben“ hat in vier Gemeinden mit dem Patrozinium St. Martin nachgefragt.

Laternen im Dunkeln Foto: Adobe Stock
Sankt-Martin: in vielen Gemeinden eine Gelegenheit, sich über die Grenzen der Kirchengemeinde hinaus zu treffen. | Foto: Adobe Stock

Andreas Mangold Foto: privat
Andreas Mangold
Foto: privat

Andreas Mangold, Gemeindereferent in der Pfarrgruppe Wißberg darunter St. Martinus, Gau-Bickelheim: „Den Umzug organisieren die Kirchengemeinde und die politische Gemeinde zusammen. Er beginnt um 17 Uhr mit einem Gottesdienst, den auch die Kindertagesstätte in der Pfarrei mit gestaltet. Auch der Pfarrgemeinderat ist mit eingebunden. Dann ziehen wir mit den Kindern und Eltern zum Dorfplatz, wo die Mantelteilung als Spiel stattfindet. Auch ein Feuer wird dabei gesegnet. Es gibt einen Umtrunk und unter den Teilnehmern werden Spenden gesammelt.

Zurzeit kann man von einem Umbruch sprechen. Wir überlegen, ob wir nicht etwas ändern, demnächst die Schule miteinbeziehen. Wir stellen fest, dass immer weniger Eltern die Martinslieder mitsingen. Der eigentliche Charakter des Fests geht verloren. Die Zusammenarbeit mit der Kommune sehen wir aber positiv, denn für die Organisation des Umzugs setzen sich Beteiligte wie Erzieher, Kirchenmusiker, Mitarbeiter der Feuerwehr an einen Tisch. Das bedeutet Kommunikation. Bei dem Fest trifft sich das halbe Dorf, das ist für einen Ort sinnvoll.“

 

Yvone Rueda Pena Foto: privat
Yvone Rueda Pena
Foto: privat

Yvone Rueda Pena, Gemeinedereferentin in der Basilikpfarrei St. Martin in Bingen: „Unser Martinsspiel ist eine Katechese, die in der Basilika St. Martin im Gottesdienst stattfindet. Die Messdiener helfen mir bei der Katechese. Hauptdarsteller ist der geteilte Mantel des heiligen Martin. Mithilfe eines versteckten Mikrofons, das einer der Messdiener bedient, ,redet‘ das Stück Mantel und kommt mit mir und den Kindern ins Gespräch. Das Stoffstück ,erzählt‘, was es mit Sankt Martin alles erlebt hat. Zugleich werden mithilfe eines Beamers Bilder der Sankt-Martins-Geschichte an eine Wand projiziert. Die Kinder erleben, wie Martin als Soldat durch den Schnee reitet, wie er den Mantel teilt und wie sich der Bettler darüber freut. Dadurch will ich den Kindern die Botschaft des Teilens vermitteln. Ich bin gespannt, wie das ankommt. Da ich in der Pfarrei neu bin, habe ich keine Erfahrungswerte. Nach dem Gottesdienst gibt es einen Umzug, den die Stadt Bingen organisiert. Dann werden die Gottesdienstteilnehmer von Sankt Martin auf dem Pferd und einer Musikkapelle abgeholt. Das ist der Stadt wichtig, weil der heilige Martin auch Stadtpatron ist.“

 

Daniela Fetzer Foto: privat
Daniela Fetzer
Foto: privat

Daniela Fetzer, Leiterin der Kindertagesstätte St. Martin in Wiesoppenheim: „In Wiesoppenheim organisieren wir als Kindertagesstätte den Umzug. Die Mitglieder der Elternvertretung schenken Glühwein und Kinderpunsch aus. Der Männer-Fußballverein grillt Würstchen. Kinderpunsch und Weckmänner gibt es für die Kinder gratis. Wein und Würstchen werden verkauft. Mit dem Erlös wird die Kita unterstützt.

Wir beginnen den Umzug an der Kirche und enden auch dort, es ist ein Rundgang von circa
20 Minuten. Wir haben schon verschiedene Wege ausprobiert, die Sicherheit ist dabei immer ein Thema.

Ein Martinsspiel gibt es dieses Jahr nicht mehr. Diejenigen, die das übernommen hatten, stehen nicht mehr zur Verfügung. Es war auch von der Geräuschkulisse her schwierig, wenn sich Eltern unterhalten. Aber einen Sankt Martin mit Pferd haben wir trotzdem. Früher hatten wir jemanden engagiert, eine Frau, die sich verkleidete. Seit vergangenem Jahr hat diese Rolle meine Tochter übernommen. Sie reitet auch und hat ein Pferd.

Der Martinsumzug in Wiesoppenheim ist eine Gemeinschaftssache, die auf jeden Fall erhalten werden sollte. Der Umzug ist zudem Öffentlichkeitsarbeit für uns. Wichtig ist es, ein Netzwerk zu haben. Dann finden sich immer Leute, die mithelfen.“

 

Christiane Baumann Foto: privat
Christiane Baumann
Foto: privat

Christiane Baumann, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in St. Martin, Ober-Erlenbach: „Den Umzug zum Martinsfest in Ober-Erlenbach veranstalten wir ökumenisch. Wir ziehen von der evangelischen Gemeinde zur katholischen Kirche. Wir können auch Pferd und Reiter bieten, hierbei hilft uns die Jugendfeuerwehr, wenn es für sie zeitlich möglich ist. Das Martinsspiel in unserer Kirche organisiert die Katholische junge Gemeinde (KjG). Nach dem Martinsspiel lädt die Kindertagesstätte alle Teilnehmer zum Umtrunk ein.

Während des Festes werden Spielsachen und Kinderkleidung für bedürftige Kinder in der Region gesammelt, so dass die Kinder das Teilen lernen und damit den Bezug zur Martinsgeschichte herstellen können. Die Pfarrgemeinde spendet allen Teilnehmern Hefehörnchen, die „Martinshörnchen“. Ehrenamtliche bringen auch den Kranken, die sich für die Krankenkommunion angemeldet haben, am Nachmittag des Festes die „Martinshörnchen“. Auch hier geht es ums Teilen. Da ich die Hefehörnchen jedes Jahr bestelle, kann ich sagen, dass die Teilnahme am Martinsumzug in den vergangenen Jahren konstant geblieben ist und bei circa 400 Teilnehmern liegt.

Und unser Patrozinium St. Martin feiern wir in Ober-Erlenbach, indem wir die Pfarrgemeinde- und die Verwaltungsräte zum Gansessen einladen.“