17.11.2022

Marco Rocco und Johann Weckler werden zu Diakonen geweiht

„Da, wo das Leben pulsiert“

Beide lieben Sport und Musik. Und sehen darin Berührungspunkte vor allem zu jungen Menschen. Auch zu denen, die eher kirchenfern sind. Am 26. November werden die Väter Marco Rocco und Johann Weckler zu Diakonen geweiht.


Sie sehen im Beruf des Diakons eine große Chance in der aktuellen Krisensituation der Kirche (von links): Johann Weckler, Mathias Wolf und Marco Rocco.


In der Mitte der Gesellschaft suchen, nicht irgendwo am Rand oder in Kirchengebäuden, „sondern genau da, wo das Leben pulsiert“. Das macht für Johann Weckler den Dienst des Diakons aus. Für den Pastoralreferenten der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus ist die Weihe zum Diakon „noch einmal eine Weiterentwicklung“. Oft werde er nach seinem Status gefragt, wie das zum Beispiel denn sei mit der Sakramentenspendung. „Pastoralreferent – dieses Berufsbild bedarf einer großen Erklärung“, sagt der 35-Jährige. „Der Diakon hingegen ist sowohl beim Kirchenvolk als auch bei Menschen, die der Kirche eher fernstehen, besser bekannt. Das macht die Beziehung zu ihnen noch einmal einfacher.“
Berührungspunkte zu jungen Frauen und Männern zu schaffen, „zu denen wir spirituell wahrscheinlich nicht in Kontakt kämen“: Das gelingt Marco Rocco  dadurch, dass er jede Woche in einer nicht-konfessionellen Berufsschule Kurse in Kampfsport und Selbstverteidigung gibt. „Das Thema Selbstwert, Selbstbehauptung lässt sich da sehr gut aus christlicher Sicht vermitteln“, sagt der Leiter der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit Westerwald/Rhein-Lahn. „Da ist der Sport ein gutes Medium.“

Mit Musik auch junge Leute erreichen
Rocco spielt E-Gitarre in einer Jugendband. „Musik ist eine schöne Form, um die emotionale Seite des Glaubens zu Gott auszudrücken. Und man kann da wunderbar mit jungen Leuten arbeiten, mit den Talenten, die sie einbringen  können“,  ist  der  Diplom-Theologe überzeugt.
Auch Johann Weckler liebt Sport, allerdings ist er eher im Kraftsport aktiv. Und ein Musikgenre, das der Kirche „oft erst mal fremd ist“, den sogenannten White Metal, also hart und laut. „Bei Black- und Death Metal geht’s um Tod und Gewalt. White Metal ist einer, der von Christus handelt“, erläutert er die Unterschiede. „Ein Medium, mit dem ich Leute in Berührung bringe, obwohl sie erst mal entsetzt sind über die Lautstärke, über die Intensität dieses Musikstils“, erzählt Weckler. „Doch man muss sich die Texte angucken. Das sind Glaubenszeugnisse.“
Ein neuer Schwerpunkt, der zum Dienst als Diakon für beide Kandidaten nach der Weihe hinzukommt, ist die Sakramentenpastoral. „Ich freue mich sehr, Taufanfragen jetzt bejahen zu können und bei der Eheschließung zu assistieren“, nennt Marco Rocco Beispiele. Zu seinen weiteren Aufgabengebieten gehören der Beerdigungsdienst und die Firmpastoral. Außerdem ist er für Prävention zuständig. „Ich habe mit einer Gruppe ein Schutzkonzept für die Gemeinde geschrieben, bin damit im gesamten Bistum unterwegs“, berichtet Rocco.

Rückzug ist keine Alternative für die Kirche

„Das Bistum Limburg wirbt mit dem Slogan ,Ständiger Diakon – Brückenbauer und Grenzgänger’“, unterstreicht Mathias Wolf, Ausbildungsreferent für die Ständigen Diakone. „Was das bedeutet, machen die beiden Weihekandidaten auf eine interessante Art deutlich.“ Sport, der Körper, sei etwas Urchristliches. „Und Musik ist der Brückenschlag in eine ganz andere Kultur, in eine ganz andere Lebenswelt. Das ist“, sagt Wolf, „auch im Sinne der Kirchenentwicklung etwas, was wichtig ist für die Kirche. Wenn wir uns nur noch zurückziehen, werden wir den Kontakt vollends verlieren, und dann wird es auch keine Entwicklung der Kirche hin zu Christus geben.“

Als Weihespruch haben die Kandidaten gewählt: „Und ich hörte die Stimme des Herrn, der sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich!“ (Jesaja 6,8)

Von Heike Kaiser

 

ZUR PERSON

Sie lieben Sport und Musik
Marco Rocco, Jahrgang 1985, ist Leiter der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit Westerwald/Rhein-Lahn in Montabaur. Diese Funktion übt er auch nach seiner Weihe weiterhin aus. Als Diakon im Hauptberuf wird er zu 50 Prozent in der Pfarrei St. Peter und Paul Kannenbäcker Land eingesetzt. Rocco wurde in Hannover geboren. Er begann sein Theologiestudium 2005 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und schloss es 2010 mit dem Diplom ab. Seine Pastoralassis-tenzzeit absolvierte Marco Rocco von 2011 bis 2013 in Wallufthal bei Pastoralreferent Thomas Weinert und Pfarrer Ralph Senft. Rocco ist verheiratet und Vater von drei Kindern (fünf, neun und elf Jahre alt). Zu seinen Hobbys gehören unter anderem elektrische Gitarre und Songwriting geistlicher Lieder, Kampfsport und Selbstverteidigung sowie Kochen.

Johann Weckler bleibt nach seiner Weihe in der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus und wird dort als Diakon im Hauptberuf tätig sein. Geboren wurde er 1987 in Wiesbaden, aufgewachsen ist er in Bad Camberg-Erbach. Auch Weckler studierte Theologie in Sankt Georgen (ab 2006) und schloss mit einem Diplom ab (2012).  Von 2013 bis 2015 war er Jugendbildungsreferent des Bistums Limburg in den Bezirken Lahn-Dill-Eder und Wetzlar, bevor er seine Pastoralassistenzzeit 2015 in der Pfarrei St. Josef Biedenkopf begann. Seit 2017 ist Johann Weckler als Pastoralreferent in der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus tätig. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seine Hobbys sind unter anderem Kraftsport, Musik (Konzert- und Festivalbesuche), die Eintracht Frankfurt, Lesen und Gartenarbeit. (kai)

Bischof Georg Bätzing weiht Marco Rocco und Johann Weckler am Samstag, 26. November, im Limburger Dom zu Diakonen. Die Weiheliturgie beginnt um 15 Uhr. Im Anschluss an die Weiheliturgie lädt der Bischof alle Mitfeiernden zu einem Imbiss in das Bischöfliche Priesterseminar Limburg, Weilburger Straße 16, ein.