06.05.2020

„Das Beste draus machen“

Peter Kracheletz, Seniorchef eines Bestattungshauses in Kassel, wirkt als Ständiger Diakon im Ruhestand noch in vier Gemeinden. Wie findet er angemessene Lösungen im Trauerfall? Von Evelyn Schwab.

„Gott sei Dank dürfen die Angehörigen dabei sein. Aber je nach Kapellengröße manchmal nur 15 bis 30 Leute“, sagt Kracheletz. Bei Menschen mit großer Bekanntheit sei das schwierig: „Wir bitten, bereits in den Todesanzeigen zu schreiben, dass alles im engsten Kreis stattfindet.“

Auch das Abschiednehmen von Verstorbenen gestalte sich nicht einfach, denn offene Aufbahrungen seien nicht möglich. Katholiken bietet Kracheletz an, dass der Pfarrer in seiner täglichen Messe „Intentionen sofort zum Himmel schickt“. Er selbst lädt ein, zum Abschluss des Trauergesprächs noch im Bestattungshaus zu beten und eine kleine Osterkerze anzuzünden, die mitgenommen werden kann: „Ohne dass wir das eben am offenen Sarg dürfen.“

Peter Kracheletz Foto: privat
Peter Kracheletz, Bestatter aus
Leidenschaft und Diakon in
Reichweite aus Kassel.
Foto: privat

Kürzlich habe er gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer zusammen einen guten Freund bestatten müssen. Der Verstorbene, zuvor bei der Landeskirche angestellt, engagierte sich für die Ökumene und sei in der Stadt sehr bekannt gewesen. „Vor 32 Jahren haben wir zusammen hier den Bund ohne Namen ins Leben gerufen“, so Kracheletz. Eine Bewegung für mehr Menschlichkeit und Herzenskultur mit Wurzeln in der Botschaft des Evangeliums. Doch: „Auch da durften wir nur mit 15 Leuten in die Halle.“ Der Diakon erzählt: „Ich habe den Nachruf gehalten von der katholischen Seite her. Und andere mit Lautsprechern draußen. Am Friedhof durften die mit entsprechendem Abstand dann auch dabei sein. In der Kapelle eben nur im kleinen Kreis.“

Kracheletz erzählt auch von einer Urnenbeisetzung entlang mehrerer Stationen auf dem Friedhof: „Wir sind am Wasserbrunnen vorbei, haben da ein Gedenken an die Taufe gehalten und mit vier Leuten zusammen Psalm 23 gesungen. Auch am Grab waren wir länger zusammen.“ Alles in allem mit mehr Zeit, als bei einer regulären Feier in der Trauerhalle. „Um dem Menschen einfach gerecht zu werden.“

Selbst manche Dinge am Rande empfindet Kracheletz derzeit als herausfordernd. Aus dem Gotteslob dürfe nicht gesungen werden, Zettel dienten als Ersatz. Manche Teilnehmer kämen mit Gesichtsschutz: „Unter der Maske singen, das ist anstrengend.“ Dann bleibe oft nur ein Mitsummen. Manche hätten auch Angst: „Weil sie eben auch schon alt sind, sagen sie, ich bleibe ganz zuhause, ich will mich nicht anstecken.“

Man müsse das Beste aus der Situation machen und schauen, wie weit den Menschen zu helfen sei. Kracheletz: „Wenn es eine Erdbestattung ist, soll die ja nun stattfinden. Die können wir gar nicht aufheben.“ Anders sei es bei den Urnen. Die könnten warten, bis die Situation ein bisschen besser werde. Doch in einem solchen Fall bleibe vieles für die Trauernden nicht abgeschlossen. „Wir sagen den Menschen, dass wir für sie beten. Aber es ist halt nicht das, was sonst üblich ist. Vor allem in den Dörfern, wo die Leute sonst große Feiern haben und manchmal noch aus jedem Haus jemand zur Beerdigung geht.“

Die direkte Trauer werde schwierig. Sie später etwas nachzuholen, das verspricht der dienstälteste Diakon des Bistums derzeit Betroffenen in Kassel: „Wenn wir wieder dürfen, dann halten wir Requiem. Wahrscheinlich schaffen wir es nicht für jeden einzeln, sondern müssen mehrere zusammennehmen. Aber das wird dann gut gestaltet.“ 

Die Trauerarbeit im Bistum Fulda hat ihr Begleitungsangebot per Telefon und Skype verstärkt.

Kontakt zu Astrid Heide (Raum Hanau und Main-Kinzig-Kreis): Telefon 06181 / 42 898 73 oder Werner Gutheil, Diözesanseelsorger für Trauernde: Telefon 06181 / 42 898 44