04.05.2021

Stadtdekan zu Eltz zum ÖKT in Frankfurt

„Einheit der Kirchen – das Ziel ist in Sicht“

Beim 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt soll es am 15. Mai – dem Samstagabend – in vielen Kirchen „ökumenisch sensibel gestaltete Mahlfeiern“ geben. Lesen Sie das Statement von Stadtdekan Johannes zu Eltz.



"Der 3. Ökumenische Kirchentag wird umständehalber überwiegend digital und dezentral gestaltet. Die Frankfurter Pfarreien können bei weitem nicht so gastfreundlich sein, wie sie es gerne gewesen wären. Die Gemeinden machen aber aus der Not eine Tugend. Vielerorts gibt es während des ÖKT ökumenische Gottesdienste und andere Begegnungen in lokaler Regie.
Bei den wenigen offiziellen Präsenzveranstaltungen steht der Bartholomäusdom in der ersten Reihe. Hier wird am Samstagabend eine Vorabendmesse gefeiert, die der ÖKT als Veranstalter in den Livestream stellt, und der deshalb über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit sicher ist. Der evangelische Stadtdekan Achim Knecht wird die Predigt halten. Bischof Georg Bätzing und die evangelische Präsidentin des ÖKT, Bettina Limperg, werden zugegen sein, unter vielen anderen leidenschaftlich an der Einheit der Kirche Interessierten. Als Zelebrant rechne ich damit, dass der auferstandene Christus sich bei dieser Abendmesse als der Herr und Gastgeber der Eucharistiefeier vielen bezeugen wird, nach seiner Art über Grenzen hinweg, und freue mich darauf.  
,Gemeinsam am Tisch des Herrn’–  die Linie der bedeutsamen Positionsbestimmung, die der ökumenische Arbeitskreis deutschsprachiger
Theologen im September 2019 mit Zustimmung von Bischof Georg Bätzing vorgenommen hat, wird jetzt weiter ausgezogen. Katholisch und evangelisch – die Einheit der Kirchen ist noch nicht erreicht. Aber wir sind unweigerlich auf dem Weg dorthin, und das Ziel ist in Sicht. Abendmahl und Eucharistie – die Stelle, an der die Trennung am meisten schmerzt und die Unterscheidung am wichtigsten ist, darf nicht gemieden werden. Im Gegenteil, gerade dort müssen wir einander befragen und besuchen, kennen- und lieben lernen. Denn wir erkennen uns selbst am besten im Anderen unserer selbst.
,Ökumenische Sensibilität' ergibt sich aus dieser Einstellung wie von selber. Dort, wo wir das Sagen haben, werden wir unsere Macht nicht dafür einsetzen, durch scharf bewachte Grenzen die Binnenmoral der eigenen Leute zu stärken. Wir werden vielmehr danach trachten, den Kreis weit zu ziehen, die anderen zu erquicken und sie froher und freier gehen zu lassen, als sie gekommen sind.“

Johannes zu Eltz, Frankfurter Stadtdekan