26.05.2017

Drei Diakone empfangen die Priesterweihe

„Ich habe gemerkt: Es geht!“

Drei Diakone empfangen am Samstag vor Pfingsten um 9.30 Uhr im Fuldaer Dom die Priesterweihe. Wer sind die drei, und welche Erfahrungen bringen sie mit? Die Kandidaten für den Empfang des Sakraments geben Antworten. Von Hans-Joachim Stoehr.


Die Diakone Bien Bui-Trong, Ingo Heinrich und Thorstein Thomann Foto: Hans-Joachim Stoehr
Die Diakone Bien Bui-Trong, Ingo Heinrich und Thorstein Thomann
Foto: Hans-Joachim Stoehr

Bien Bui-Trong:


„Ich hatte etwas Sorge, als ich als Diakon in die Gemeinde kam“, gesteht Bien Bui-Trong. Aber dann habe er gemerkt: Es geht. „Und darüber freue ich mich.“ Der 45-Jährige ist als Jugendlicher aus seiner Heimat Vietnam nach Deutschland gekommen. „Im Zuge der Familienzusammenführung“, erklärt er. Seine drei älteren Brüder waren zuvor aus Vietnam geflohen und von der Cap Anamur gerettet worden. Bien war Diakon in den Kirchengemeinden Neuses und Horbach im Freigericht. Dort hat er viel gelernt – etwa beim Predigen. So hat er sich an den Fastenpredigten im Pastoralverbund beteiligt. „Das hat mir gefallen. Ich bin bei der Ansprache auch in die Mitte der Kirche gegangen, habe dabei frei gesprochen.“ Eine besondere Erfahrung war für ihn die 24-Stunden-Anbetung in Neuses, zu der die Menschen einmal im Monat eingeladen sind. Beginn ist um 15 Uhr. „Und dann geht es die ganze Nacht. Und da kommen Menschen und beten“, sagt der Diakon. Und man merkt: Er kann sich vorstellen, das später einmal ebenfalls in der Seelsorge zu machen.Eine ganz andere Erfahrung war der Religionsunterricht in der Grundschule. „Am Anfang haben wir immer ein Lied gesungen. Ich habe da mit der Gitarre begleitet. Weil meine Mentorin in den Ruhestand ging, meinten die Kinder, ich könnte für sie den Unterricht übernehmen. Das hat mich gefreut.“

Ingo Heinrich:


„Die Zeit als Diakon in der Gemeinde war für mich am Anfang wie Urlaub“, erinnert sich Ingo Heinrich. Die drei Jahre zuvor war der 53-Jährige im Priesterseminar, studierte an der Theologischen Fakultät und war mit einer halben Stelle im Jugendbüro der Oblaten beschäftigt.
Der angehende Priester hat eine Familie. Der Grund: Heinrich war Pastor einer evangelischen Freikirche und ist dann zur katholischen Kirche übergetreten.  Dass er nun zum Priester geweiht wird, macht eine päpstliche Dispens (Ausnahmeregelung) möglich, die ihn bereits vor der Diakonatsweihe vom Versprechen der Ehelosigkeit entband. In den mit Rom verbundenen Kirchen des Ostens gibt es neben den zölibatären auch verheiratete Priester. Heinrich sagt zur Gemeindearbeit in der Zeit als Diakon: „Das habe ich ja zwei Jahrzehnte gemacht. Neu waren die katholischen Eigenheiten wie etwa die Marienfrömmigkeit oder Prozessionen. Wobei es dies auch in Freikirchen gibt. Die nennen es dann nur anders, zum Beispiel ,Jesus-Marsch‘.“ Heinrich ist dankbar, dass er in seinen Diakonatspfarreien St. Antonius Künzell und St. Pius Fulda viele Erfahrungen sammeln konnte. So hat er beispielsweise  die Karfreitagsliturgie gehalten. Besonders gern hat er Dienste gemacht, bei denen er den Menschen nahe war: vor allem Beerdigungen und Trauergespräche, aber auch Taufvorbereitungen und die Spendung des Sakraments. Vieles im Diakonatspraktikum war für Heinrich ein „Hineinschnuppern“ in die Seelsorge – etwa Sitzungen der Gremien oder auch Besuche zur Krankenkommunion.

Thorstein Thomann


Die beiden Kirchengemeinden, in denen Thorstein Thomann in den vergangenen Monaten Erfahrungen in der Seelsorge sammelte, waren sehr unterschiedlich. Gelnhausen städtisch, und dadurch auch etwas anonymer, eher evangelisch geprägt und ökumenisch. Die andere Kirchengemeinde Höchst, südlich der Kinzig gelegen, ist katholisch geprägt. Es gehörte wie Bad Orb früher zu Bayern, ist eher dörflich, jeder kennt jeden. „Ich habe mich in beiden Gemeinden sehr wohlgefühlt. Als Lernfeld waren die Kontraste der beiden Gemeinden interessant. Wobei ich die katholische Prägung schon aus der Zeit in der Pfarrei Petersberg kannte.“ Zu Thomanns Aufgabenbereichen als Diakon zählte neben der Sakramentenspendung bei Taufen oder dem Dienst bei Beerdigungen auch der Einsatz in der Schule. Im Grimmelshausen-Gymnasium begleitete der 27-Jährige den Religionslehrer und Schulseelsorger Daniel Stehling. Der gebürtige Hanauer hat bei ökumenischen Schülergottesdiensten mitgemacht. „Beeindruckt hat mich, mit wie vielen Ideen sich die Schüler bei der Mitgestaltung einbrachten.“
Gern denkt Thomann an Begegnungen mit Flüchtlingen in der Gelnhäuser Zeit. „Die Familien etwa aus Syrien sind gute und treue Christen. Sie kommen auch werktags zu den Gottesdiensten. Mit welcher Ehrfurcht sie zur Kommunion gehen! Man spürt, ihnen gibt der Glaube Kraft in ihrem Leben. Und das nach all dem Schrecklichen, das sie dort im Krieg erfahren haben“, sagt er. Trotz all des Leids, das sie sahen, seien sie zugleich sehr fröhliche Menschen. Mit der Zeit seien Freundschaften entstanden – zumal einige in der Nachbarschaft wohnen. Eine Erfahrung, die ihm für seine Zukunft als Seelsorger wichtig geworden ist.