26.05.2017

Kennenlern-Tour durchs Bistum

„Relativ einzigartig“

Auf der Kennenlern-Tour durchs Bistum hat Bischof Georg Bätzing Station im kleinsten Bezirk gemacht: Im Untertaunus besuchte er unter anderem einen Laden zum günstigen Einkauf und das 2018er Gartenschau-Gelände. Von Barbara Schmidt.


​ Bischof Georg Bätzing mit einem Chor im Untertaunus. Foto: Barbara Schmidt ​
Bischof Georg Bätzing mit einem Chor im Untertaunus. Foto: Barbara Schmidt ​

Vor dem „NETZ-Shop“ in Heidenrod-Laufenselden wartet ein kleiner Chor auf einen nicht alltäglichen Besucher. Bischof Georg Bätzing wird bei seinem Antrittsbesuch im Untertaunus gleich hier Station machen. Ihn wollen sie mit einem arabischen Friedenslied begrüßen. Leila Arif ist die Dirigentin. Die Syrerin hatte die Idee, Flüchtlingskindern mit dem gemeinsamen Singen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu verschaffen. Die Senioren im Ort hat der Chor schon unterhalten, unter anderem mit „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“, mit großem Erfolg, wie Flüchtlingshelferin Kerstin Andußies lächelnd erzählt. Bischof Georg Bätzing freut sich ebenfalls über die musikalische Begrüßung und stimmt schnell in den Refrain ein. „Vielen Dank für das herzliche Willkommen“,  sagt er und lässt sich von den Kindern berichten, woher sie stammen. Städtenamen aus Syrien und Afghanistan werden genannt. „Das sind  Namen, die wir hier in den Nachrichten hören“, sagt Bätzing und bedankt sich noch einmal, auch bei Leila Arif, bevor er sich dem NETZ-Shop zuwendet, dem eigentlichen Besuchs-Ziel an diesem Morgen.

 

Ein Laden für jedermann


31 Ehrenamtliche – allesamt Frauen – arbeiten hier derzeit, um den Kunden an vier Tagen pro Woche Gelegenheit zu geben, günstig einzukaufen. Längst nicht nur aus dem Ort kämen die Menschen, sagt Christine Lellow,die Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Auch die evangelische Pfarrerin Nikola Züls, Erste Vorsitzende des NETZ-Vereins, ist gekommen, um Bätzing die Laden-Idee vorzustellen. „Ich denke, es ist einfach relativ einzigartig – in so einer kleinen Gemeinde, so einem kleinen Ortsteil“, sagt sie. Dass es Bedarf gibt, hier günstig einzukaufen, zeigt die Nachfrage. „An einem Freitag sind rund 200 Euro in der Kasse – und das bei so kleinen Beträgen wie 50 Cent“, erfährt Bätzing. Gemeindereferentin Monika Dirksmeier und Pfarrerin Züls machen deutlich, dass es wichtig war, von der früheren Kleiderkammer wegzukommen und einen Laden anzubieten, der für jedermann gedacht ist. „Wir sind hier auf dem Dorf. Die, die es nötig haben, trauen sich dann nicht“, sagt Züls. „Wir propagieren den ökologischen Effekt“, ergänzt Dirksmeier. „Weil es nachhaltig ist“, meint Bätzing und nickt. Dass die Flüchtlinge genau wie alle anderen aus dem Dorf und der Umgebung hierher kommen zum Einkaufen, es nur zu Anfang für sie kostenlose Erstausstattungen gab, erfährt der Bischof noch. Dass man gern mit ihm, wenn er denn mal zur „richtigen“ Visitation komme, ein gemeinsames Friedensgebet gestalten würde, spricht die Gemeindereferentin noch an. „Selbstverständlich, das machen wir. Denn alle Initiative mündet ja für uns ins Gebet“ – mit diesem Versprechen endet der Kurz-Besuch in Laufenselden, denn das Tagesprogramm soll dem Gast ja noch mehr Einblicke in den Untertaunus geben, mit 26 000 Katholiken der kleinste Bezirk des Bistums. Zuerst aber sorgt Bezirksreferent Markus Raile aber mal für einen Überblick – vom Limes-Turm in Kemel aus, der an das römische Grenzbauwerk erinnert, das hier vor 2000 Jahren entlang lief.


Guter Standort für die Kirchen


So erhält Georg Bätzing zumindest eine Ahnung, was alles vom Bezirk er an diesem Tag nicht näher zu sehen bekommen kann, weil dafür zwölf Stunden schlicht zu kurz sind. In Bad Schwalbach geht dann der Blick in die Zukunft. Auf dem Landesgartenschaugelände  sind die Arbeiten noch voll im Gange. Doch der Platz, auf dem bei der Schau im nächsten Jahr die katholische Kirche und die beiden hessischen Landeskirchen gemeinsam präsent sein werden, ist immerhin schon von sattgrünem Rasen bedeckt.
Die St. Elisabeth-Kirche ist in Sichtweite – ein großer Vorzug, findet nicht nur Raile. Auch Reinhard Goos, gärtnerischer und technischer Leiter der Landesgartenschau 2018, findet, dass die Kirchen hier „einen tollen Standort“ bekommen für die von früheren Schauen bereits bekannte „Licht-Kirche“, einen abends einladend erleuchteten transparenten Pavillon. Über die gelebte Ökumene freue er sich besonders, sagt Goos.
Bischof Georg Bätzing macht deutlich, dass er in der Teilnahme der Kirchen eine große Chance sieht. „Hier kommen Menschen aus ganz Deutschland mit Interesse an Natur und Gartenbau zusammen – da gehört Kirche hin mit ihren Angeboten.“ Sie klinke sich ein in das Angebot vieler, sei dort, biete Menschen, die mit ihren Anliegen kämen, eine Anlaufstelle. „Das ist eine hervorragende Art, sich einzubringen.“
Und auch für den Bischof 2018 möglicherweise ein guter Anlass, wieder in den Bezirk Untertaunus zu kommen.