10.03.2022

Moment mal: Katholisch-Ukrainischer Seelsorger Roman Lirka

„Unsere Stärke ist unsere Einheit“

„Gebet bricht das Eisen“, sagt ein ukrainisches Sprichwort. Fragen an den Seelsorger der ukrainisch-katholischen Gemeinde in Frankfurt, Roman Lirka.


Die Ukraine ist im Krieg. Was bedeutet das für die Menschen, die Sie in ihrer Gemeinde betreuen?
Der Krieg bringt immer Leid, Tod, Angst und Verwüstung. Aber in diesen schwierigen Zeiten hat der Krieg unser Volk vereinigt und bei jedem die Verantwortung für die Familie und für die Heimat erhöht. Um den Krieg zu überleben, um dem Feind zu widerstehen und ihn zu besiegen, müssen die Menschen ihren Glauben stärken. In einem ukrainischen Kirchenlied wird gesungen, dass die Stärke des Volkes in der Einheit ist. Meine Gemeindemitglieder verstehen und wissen, dass wir nur gemeinsam stärker werden können. Leider wissen wir auch, dass wir nicht mehr so sein werden, wie wir waren.

Wie können Sie als Seelsorger den hier lebenden Ukrainern beistehen?
Jeden Morgen schreibe ich Worte der Unterstützung an meine Gemeinde. Jeden Tag um 12 Uhr beten wir zusammen für den Frieden. Täglich telefoniere ich mit Mitgliedern meiner Gemeinde. Die größte Unterstützung ist der Sonntagsgottesdienst.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Landsleuten in der Heimat zu helfen?
Die Ukrainer in Frankfurt und in der Umgebung haben eine Koordinationsgruppe geschaffen. Die sammelt Medikamen-te, Lebensmittel und Geld für die Opfer des Kriegs. Sie versucht, Wohnungen für Frauen und Kinder zu finden, die vor dem Krieg fliehen. Die Mitglieder der Gruppe suchen Menschen, die bei der Übersetzung helfen können. Auch werden Spezialisten gebraucht, die die Flüchtlinge psychologisch unterstützen.

Welche Hilfe erhoffen Sie sich von den deutschen Christen?
Am 25. Februar kam ein Brief vom Limburger Bischof Georg Bätzing an mich und meine Gemeindemitglieder an, in dem er das Böse des Kriegs und die Kraft des Gebets betont. Er hat uns ver-
sichert, dass er gemeinsam mit seinen Gläubigen für das Ende des Kriegs in der Ukraine betet. Am gleichen Tag hat uns der Frankfurter Pfarrer Holger Daniel seine Hilfe angeboten. Meine Gemeindemitglieder freuen sich darüber, dass wir ab April unsere Gottesdienste in St. Anna in Frankfurt-Hausen feiern werden. Ein ukrainisches Sprichwort sagt, dass das Gebet das Eisen bricht. Ich hoffe, dass deutsche Christen unser Volk im Gebet unterstützen und den Leidenden Hilfe gemäß des Evangeliums leisten.

Interview: Heike Kaiser