04.01.2022

Ein Waldgang in der Rhön

„Vereint mit allem, was ist“

Mit allen Sinnen lernen, was der Schöpfung und dem Menschen gut tut, das funktioniert bei einem Waldgang in der Rhön. Felizitas Sondergeld stellt dabei Ziele für eine nachhaltige Entwicklung vor. Und hat den Papst im Gepäck. Von Evelyn Schwab.


Mit diesem Blick auf die Milseburg wird gerastet beim Waldgang mit Felizitas Sondergeld.


„Der Wald ist neben den Ozeanen der wichtigste Klimaschützer unseres Planeten“, sagt Felizitas Sondergeld aus Hofbieber. Beim Themenrundgang „NATUR-erLEBEN“ durch ein Gebiet am Fuß der Milseburg gibt sie Impulse für einen nachhaltigen und schöpfungsbewussten Alltag. Sie räumt ein: „Hier sehen wir aber auch die Zerbrechlichkeit des Lebensraums.“ Dem Fichtenbaum hat die Trockenheit der letzten Jahre zugesetzt. Und der Wind reißt diesen Flachwurzler schneller um.
Im Wald betritt man eine ganz eigene Welt: „Corona hat vielen Menschen diesen Lebensraum als Ausweich-, Entspannungs- und Erholungsort wieder mehr ins Bewusstsein gerückt“, sagt Felizitas Sondergeld. Das Unterwegssein dort könne auch als Kraftquelle für die Seele dienen: „Durch Perspektivwechsel – Demut, Ruhe, Zeit, geistig-seelisches Wachstum, Wertschätzung des Lebenskreislaufs.“

An Ziele der Vereinten Nationen erinnern

Felizitas Sondergeld
kennt sich aus im Wald
und will anderen Menschen
dessen Faszination vermitteln.

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung haben die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 festgehalten. Ziel ist es, die weltweite Entwicklung ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig zu gestalten. Felizitas Sondergeld sind alle 17 SDGs wichtig – offizielle Abkürzung für Sustainable Development Goals. Beim Drei-Stunden-Gang durch Rhöner Waldluft greift sie sieben davon auf. Alles einzubinden, das würde zu lange dauern. Ihr Themenrundweg darf nicht zu kopflastig sein. Im Gegenteil – unterwegs soll der ganze Körper beteiligt werden.
„Beim Verweilen im Wald lässt sich die Natur unmittelbar erspüren, begreifen und erleben“, bewirbt sie ihr Angebot für Kleingruppen aus fünf bis zehn Personen. Einzelpersonen können sich anschließen. Dass der Mensch „auch eine Verantwortung für seinen Lebensraum zu tragen“ habe, will sie dabei vermitteln. Die Sprecherin der Fuldaer Arbeitsgruppe der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deren Arbeit auf der Basis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 beruht, möchte damit einen Beitrag für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele leis-ten. Das korrespondiere auch mit ihrer Mitarbeit im Weltladen Fulda und ihrer Tätigkeit in der Agenda-Arbeitsgruppe Faires Fulda. Über diese Gruppe hat Sondergeld Kontakt zum Referat Weltkirche im Bistum: „Von dort wurde ich auf die Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz ,Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag‘ aufmerksam gemacht.“
Schon bei der Begrüßung an einem Naturpark-Stellplatz für die Fahrzeuge der Ankommenden liest sie aus dem Schöpfungsbericht der Bibel vor. „Wir sind hier christlich sozialisiert“, erklärt die Naturpädagogin, die hauptberuflich bei Hessen-Forst tätig ist. Auf dem Waldgang zitiert sie auch andere Schöpfungsmythen, etwa den der Pueblo-Indianer aus Arizona und New Mexico. Dort heißt es: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“
Die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung wendeten sich an alle, ihr Tun und Handeln entsprechend auszurichten. „Regierungen weltweit, aber auch die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft, die Wissenschaft und jeder Einzelne von uns“, so betont es Felizitas Sondergeld. Sauberes Wasser, bezahlbare und saubere Energie, Leben an Land, Maßnahmen zum Klimaschutz, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Gesundheit und Wohlergehen, Konsum und nachhaltige Produktion: So heißen die sieben Ziele im UN-Wortlaut, die beim Rundgang an sieben Stationen behandelt werden.
An jedem der Haltepunkte soll ein Sinn aktiviert werden. Information und Interaktion. Denkanstöße und Tipps zu einem ressourcenschonenden Lebensstil im eigenen Alltag. „Oft kommen auch interessante Vorschläge aus der Gruppe“, berichtet die Naturpädagogin. Vieles sei nicht neu. Es gehe um das Bewusstmachen, Wiederholen und Erinnern. „Ich möchte keine Panik erzeugen, sondern vermitteln, wie schön es hier bei uns ist und dass man dieses Schöne erhalten soll“, betont Felizitas Sondergeld: „Da kann man viel tun, was nicht mit Mühe oder schlechter Laune verbunden sein muss. Viele Dinge gehen mit einer gewissen Achtsamkeit ganz selbstverständlich.“

Ein Gebet des Papstes für die Teilnehmenden

Bei der Ausarbeitung ihres Angebots habe sie die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus sehr bewegt. Besonders diese Stelle: „Ein Gefühl tiefer Verbundenheit mit dem Rest der Natur kann nicht real sein, wenn es unseren Herzen an Zärtlichkeit, Mitgefühl und Sorge für unsere Mitmenschen mangelt.“ An das Ende seiner Enzyklika stellte der Papst zwei Gebete. Eines davon, das „Christliche Gebet mit der Schöpfung“, beinhaltet eine Bitte um die Gnade, sich „innig vereint zu fühlen mit allem, was ist“. Auch das hat Felizitas Sondergeld sehr gefallen: „Es passt wunderbar zu meinem thematischen Waldrundgang. Ich habe es auch den Teilnehmenden mitgegeben.“

www.waldbadenrhoen.wordpress.com

Führungen zu „NATURerLeben“ auf Anfrage per E-Mail:felizitas.sondergeld@web.de

Von Evelyn Schwab