16.05.2018

50 Jahre pastorale Räte im Bistum Mainz

Räte machen Kirche lebendiger

50 Jahre pastorale Räte im Bistum. Was gibt’s da zu feiern – und wie ist die Beteiligung der Laien in der Kirche in Zukunft denkbar? Frauen und Männer aus verschiedenen Räten sagen ihre Meinung.

Heribert Krohn Foto: privat
Heribert Krohn
Foto:privat

Heribert Kron (73), 1969 erstmals Mitglied des Pfarrgemeinderats Mainz-Hechtsheim, später im Vorstand des Dekanatsrats Mainz und von 1976 bis 1990 Geschäftsführer der pastoralen Räte: „Gerne feiere ich das Jubiläum ,50 Jahre Räte im Bistum Mainz‘. Mit der Einführung der Räte ist im Volk Gottes ein Bewusstsein für die Mitsprache und Mitverantwortung für die Gemeinde, für das Bistum gewachsen. Der Schwung der ersten Jahre hat einige Dämpfer erfahren: Zu hohe Erwartungen, Unklarheiten über die Kompetenzen von Rat und Amt und Hürden des Kirchenrechts haben zu Rückschritten, zu Ernüchterung geführt.

Pastorale Räte – damit sich was bewegt. Das Bild gehört zur Serie „Fotosprache“ zur PGR-Arbeit, die der Fotograf Werner Feldmann aufgenommen hat. | Quelle: www.pgr.bistummainz.de/hilfen/fotosprache
Pastorale Räte – damit sich was bewegt. Das Bild gehört zur Serie
„Fotosprache“ zur PGR-Arbeit, die der Fotograf Werner Feldmann
aufgenommen hat. Quelle: www.pgr.bistummainz.de/hilfen/fotosprache

Pastorale Räte auf allen Ebenen des Bistums sind heute, in den Veränderungen unserer Gemeinden, wichtiger denn je. Für die Zukunft wünsche ich mir starke, kompetente Gremien, gewählt von Mitgliedern unserer Kirche, die im guten Dialog mit der Leitung auch in pastoralen Fragen mitentscheiden. Ich wünsche mir, dass erlebbar wird, dass ,Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen, auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi sind‘.“

 

Gabriele Roos Foto: privat
Gabriele Roos
Foto: privat

Gabriele Roos (67), seit 2009 Mitglied im PGR St. Alban Bodenheim, seit 2011 Vorsitzende: „Unserer Pfarrgruppe steht ein weitreichender personeller Umbruch bevor, der tiefgreifende Einschnitte in das gewohnte Gemeindeleben mit sich bringt. Ich finde es großartig, dass ich bei der Gestaltung dieser Zukunft nicht nur mitreden, sondern tatsächlich mitgestalten darf. Das ist eine aufregende, spannende Aufgabe, deren Bewältigung große Chancen für die Zukunft von uns Laien in sich trägt. Diese Zukunft sehe ich in einer wachsenden, echten Partnerschaft mit den Hauptamtlichen. Etliche Bereiche sowohl auf pastoraler Ebene als auch im Verwaltungsbereich werden von Laien übernommen werden müssen. Es wird die Aufgabe der Laiengremien sein, die Gemeinde auf diesem Weg mitzunehmen.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Weg geöffnet für mehr Mitverantwortung in der Kirche. Wenn das kein Grund zur Freude und zum Feiern ist!“

 

 

Franziska Wolf Foto: privat
Franziska Wolf
Foto: privat

Franziska Wolf (25), seit 2011 Mitglied im Pfarrgemeinderat von St. Matthias in Nieder-Roden, seit 2015 Vorsitzende: „Wir können stolz darauf sein, dass nun seit 50 Jahren pastorale Räte die Kirche – ihre Kirche – aktiv mitgestalten und das Gemeindeleben bereichern. Damit hat die Kirche es geschafft, lebendiger zu werden und offener zu sein für das, was die Menschen bewegt.

50 Jahre pastorale Räte sind aber auch ein Meilenstein, den wir nicht zu leichtfertig feiern sollten. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren gewandelt, und die Kirche muss damit Schritt halten. Hierbei die Balance zwischen der neuen Lebenswirklichkeit der Menschen und dem Kern der Kirche zu halten, ist nicht einfach.

Ich hoffe, dass es auch in Zukunft genug Menschen gibt, denen es am Herzen liegt, sich kirchlich zu engagieren, sei es in einem offiziellen Gremium oder – viel wichtiger – in den zahlreichen Gruppierungen, die Gemeinde erst lebendig machen und weiter voranbringen.“

 

 

 

Dr. Peter A. Schult Foto: privat
Dr. Peter A. Schult
Foto: privat

Dr. Peter A. Schult (70), viele Jahre PGR-Vorsitzender in Astheim sowie Vorsitzender im Dekanatsrat Rüsselsheim und Mitglied im Katholikenrat: „Eine Struktur des mitverantwortlichen Lebens in Kirche ist durch die Bindung des Menschen an Gott, Gemeinschaft und Familie geprägt und durch die Gestaltungsfreiheit des eigenen Lebens bestimmt. Nur dieses gilt es zu feiern; zumal dann Gott nicht so kirchenförmig und barock gedacht wird. Ich habe „Kirche“ immer geliebt, aber auch unter ihr gelitten, wenn die „Epidemie des nur mit sich selbst Beschäftigens“ ausuferte und das Neue Testament und die Diakonie und das „Füße waschen“ zu kurz kamen. Aber an keinem anderen Ort der Welt konnte ich so viele Träume von einem besseren und anderen Leben entwickeln, wie in Kirche. Für diese Lebensfreude bin ich dankbar, weil sie mich so nachhaltig prägte. Könnte man von einem „Prägungs-Sakrament“ der Kirche sprechen, ich hätte es fraglos erfahren.

Und die Zukunft der Laien bei weiterem Priester- und Gläubigen-Schwund? Keine Angst! Deren Potenzial wird sich als Würde und Verantwortung bestechend herausschälen.“

Fragen: Maria Weißenberger