27.01.2020

Anfrage

Wer ist ein Oblate und woher stammt der Begriff?

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Oblaten? Was machen sie und woher stammt diese ungewöhnliche Bezeichnung? P. M. aus Chemnitz

Unter Oblaten versteht man heute in der Regel Frauen und Männer, die sich mit einem Versprechen an ein Kloster binden, ohne selbst als Mönch oder Nonne einzutreten. Sie richten sich in ihrem Alltag nach den Ordensregeln, halten engen Kontakt zum Kloster, helfen im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit und sind ein Teil der Gebetsgemeinschaft. Ansonsten leben diese Frauen und Männer ihren normalen weltlichen Alltag. Der Begriff Oblate stammt von der lateinischen Passiv-Stammform von „(ob)ferre“ – hintragen: Oblati sind Dargebrachte. Im Deutschen erinnert auch das Wort „opfern“ daran. 

In altkirchlicher Zeit waren mit den Oblati vor allem Kinder gemeint, die von ihren Eltern einem Kloster dargebracht wurden, um später als Mönch oder Nonne aufgenommen zu werden. Ab dem siebten Jahrhundert und bis heute gibt es vereinzelt noch Erwachsene, die sich aus freiem Entschluss einem Kloster als Oblatin oder Oblate darbringen und im Kloster mitleben – aber in einer geringeren zeitlichen und inhaltlichen Verbindlichkeit als die Mönche und Ordensfrauen mit ihren Gelübden auf Lebenszeit. Ihre Anzahl ist verschwindend gering, bei den Benediktinern nach einer Zählung aus dem Jahr 1995 etwas über 100 Personen weltweit. 

Es gibt auch ordensähnliche Gemeinschaften, die sich als Oblaten bezeichnen. Am bekanntesten sind bei den Männern die „Missionsoblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria“, die vom heiligen Eugen von Mazenod im 19. Jahrhundert als Missionskongregation gegründet wurden und sich der Evangelisierung der Landbevölkerung verschrieben haben. Auch bei den Frauen gibt es solche religiösen Gemeinschaften, die sich etwa der Krankenpflege, dem Unterricht oder Missionseinsätzen widmen.

Nicht zu verwechseln sind Oblaten im Sinn der geistlichen Gemeinschaft mit der Oblate, dem (Hostien-)Gebäck. Doch auch hier ist der Wortstamm und die Wortbedeutung der Darbringung und des Opfers nicht fern.

Michael Kinnen