16.05.2018

Katholikentag

Münster findet Frieden

Tage voller Glaube und Freude, Gesang und Diskussionen: Der Katholikentag war der bestbesuchte seit 1990 – und ein großer Erfolg. Viele Veranstaltungen waren überfüllt; aber wer in eine Kirche oder in eine Halle nicht mehr rein konnte, hatte meistens gute Alternativen.

Foto: kna
Im Zeichen des Kreuzes: der Schlossplatz während des
Hauptgottesdienstes beim Katholikentag in Münster 
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Was bleibt vom Katholikentag in Münster? Auf jeden Fall ein schönes Zitat des Bischofs Felix Genn: „Das ist keine Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung gewesen. Die Diskussionen waren offen, konstruktiv, differenziert, manchmal zugespitzt in der Sache, aber immer respektvoll.“ Mit dieser Mischung war der Katholikentag ein voller Erfolg. Er bot fünf Tage voller Glaube, Freude, Gesprächen, Gesang und Diskussionen.

Mit 75 000 Teilnehmern ist Münster der bestbesuchte Katholikentag seit 1990 gewesen. Die Teilnehmer ließen sich anstecken vom Motto „Suche Frieden“, das zuletzt weiter an Aktualität gewonnen hat – durch das aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran, die Kontroverse um den bayerischen Kreuz-
erlass und den Streit der deutschen Bischöfe um die Zulassung evangelischer Ehepartner zum Kommunionempfang.

Die großen Podien mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier waren ebenso gut besucht wie viele kleinere Workshops, Bibelgespräche oder Diskussionsrunden. Oft mussten Hallen geschlossen werden, und Räume waren überfüllt. „Wir haben so groß geplant, wie es in Münster möglich war“, sagt Roland Vilsmaier, Geschäftsführer des Katholikentags. Zwar seien einige Teilnehmer enttäuscht gewesen, doch viele hätten ein Alternativprogramm gehabt und Verständnis gezeigt, wenn ihnen der Zutritt verweigert wurde. „Wir konnten teilweise noch auf den großen Zuspruch reagieren und haben da, wo es möglich war, Außenübertragungen angeboten, so dass die Menschen vor den Hallen zuhören konnten“, sagte Vilsmaier.

Alternativen zu finden, war kein Problem: Über 1000 Veranstaltungen gab es in Münster – von spirituellen Angeboten, Debatten über gesellschaftliche Themen bis hin zu Gesprächen über die eigene Lebensgestaltung. Hinzu kamen Konzerte, Gottesdienste und Ausstellungen. Die Friedenssuche blieb das Grundthema, auch wenn bei manchem Veranstaltungstitel die Namenssuche bemüht klang. „Natürlich ist das Programm sehr vielfältig, aber die Vielfalt wird auch von den Teilnehmern nachgefragt. Es wäre schade, wenn wir dieser Nachfrage nicht entgegenkommen“, sagt Vilsmaier.

Buhrufe und Pfiffe für den AfD-Politiker Münz

Vor dem Katholikentag wurde vor allem die Teilnahme des religionspolitischen Sprechers der AfD, Volker Münz, heiß diskutiert. Rund 1000 Menschen demonstrierten kurz vor dem Beginn des Podiums friedlich in der Innenstadt gegen seine Teilnahme, die Veranstaltung selbst wurde nur kurz gestört, als eine Antifa-Gruppe ein Plakat vor der Bühne entrollte. Münz übte scharfe Kritik am Islam und forderte, dass die Kirche sich aus politischen Debatten heraushalten müsse. Die anderen Podiumsmitglieder von SPD, CDU, Grünen und Linke widersprachen diesen Verallgemeinerungen, ein Großteil des Publikums quittierte Münz’ Aussagen mit Buhrufen und Pfiffen. Es gab aber vereinzelt auch Applaus.

Was also bleibt vom Katholikentag? Sicher auch das Motto. „Jedem Einzelnen stellt sich die Aufgabe, danach zu suchen, welche Waffen er zerstören kann, um damit den Frieden einzuläuten“, sagte Bischof Genn.

Von Kerstin Ostendorf