17.06.2020

Bistum Limburg stellt Studie vor

Ein „Beginn von Ehrlichkeit“

Sexuellen Missbrauch verhindern, Vertuschung unmöglich machen. Im Bistum Limburg wurden Ergebnisse eines entsprechenden Projekts vorgestellt. „Es kann sich nur was ändern, wenn wir bei uns anfangen“, so Bischof Bätzing. Von Norbert Demuth.

Georg Bätzing und Ingeborg Schillai übergeben den Bericht an Michael Nitsche und Martin Schmitz (von links).
Georg Bätzing und Ingeborg Schillai übergeben den Bericht an Michael Nitsche und Martin Schmitz (von links).
Foto: Jochen Reichwein

Einen symbolträchtigeren Ort für einen Neuanfang als die Frankfurter Paulskirche hätte man sich kaum vorstellen können. Hier wurden am Wochenende die Ergebnisse eines umfangreichen Projekts zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Limburg vorgestellt. Das Motto der Veranstaltung am Samstag war ebenso vielversprechend: „Der Beginn von Ehrlichkeit.“

Der Limburger Bischof Georg Bätzing als Auftraggeber zeigte sich entschlossen: „Es muss nun zu Maßnahmen kommen, die wehtun und Diskussionen auslösen“, sagte er bei der Übergabe des 420-seitigen Berichts mit den Ergebnissen. „Dieser Weg wird schmerzlich sein“, betonte Bätzing, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist - und in seinem Bistum vorbildlich bei der Missbrauchsaufarbeitung vorgehen will.

Insgesamt 70 Experten hatten seit September 2019 im Auftrag des Bistums in dem Projekt mit dem Titel „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ mitgearbeitet. In neun Teilprojekten analysierten sie den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Diözese seit rund 70 Jahren. Zugleich entwickelten sie Vorschläge, wie systemische Faktoren ausgeschlossen und Missbrauchstaten möglichst verhindert werden könnten.

Bätzing sagte, im Anblick etwa des „Desasters“ bei der Führung früherer Personalakten werde es in diesem Bereich Verbesserungen geben, zudem eine „Gleichstellungsordnung“ im Bistum und „ein weniger großes Machtgefälle“ in der Kirche. Ingeborg Schillai, Präsidentin der Diözesanversammlung und weitere Auftraggeberin des Projekts, forderte: „Für das System Kirche heißt das, die Überhöhung der Priester, den Klerikalismus abzuschaffen.“

Projektleiterin Dewi Maria Suharjanto wandte sich gegen jegliche „Doppelmoral“ in der Kirche. Und die Wiesbadener Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller resümierte als unabhängige externe Projektbeobachterin, die Ergebnisse seien „geeignet, die autoritär klerikalen Strukturen der katholischen Kirche anzukratzen und zu verändern“.

Den vollständigen Projektbericht können Sie hier herunterladen (am Ende des Artikels finden Sie verschiedene Materialien zum Thema).